{"id":2916,"date":"2005-03-01T20:01:21","date_gmt":"2005-03-01T19:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2916"},"modified":"2015-12-01T20:04:53","modified_gmt":"2015-12-01T19:04:53","slug":"depression-der-zwang-zum-selbstbetrug","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/","title":{"rendered":"Depression &#8211; der Zwang zum Selbstbetrug"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Alice Miller<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">Depression &#8211; der Zwang zum Selbstbetrug<br \/><span class=\"soustitre\">Tuesday 01 March 2005<\/span><\/h1>\n<p>Der russische Schriftsteller Anton Tschechow geh\u00f6rt seit meiner Jugend zu den von mir bevorzugten Autoren. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich im Alter von etwa sechzehn Jahren die Erz\u00e4hlung &#8222;Krankenzimmer Nr. 6&#8220; verschlang und voll Bewunderung war f\u00fcr Tschechows Scharfsinn und psychologisches Wissen, aber vor allem f\u00fcr seinen Mut, die Wahrheit zu sehen, sie zu zeigen und niemanden zu schonen, den er als Schurken erkannt hatte.<br \/>\nViel, viel sp\u00e4ter las ich seine &#8222;Briefe&#8220; und erfuhr aus ihnen wie aus den Biographien Einzelheiten \u00fcber seine Kindheit. Da fiel mir auf, dass Tschechows Mut zur Wahrheit, den ich so bewunderte, an seine Grenzen stie\u00df, wenn es um die Person seines Vaters ging.. Seine Biographin Elsbeth Wolffheim erz\u00e4hlt Folgendes \u00fcber den Vater:<\/p>\n<p><span style=\"font-style:italic; padding-left:45px; text-indent:35px;\"> &#8222;Herabsetzungen, Dem\u00fctigungen erlebte er nicht nur im Schulalltag, erst recht litt er unter den Repressionen im Elternhaus. Tschechows Vater war j\u00e4hzornig, grob und behandelte seine Angeh\u00f6rigen mit extremer Strenge. Die Kinder wurden beinahe t\u00e4glich verpr\u00fcgelt, sie mussten morgens um 5 Uhr aufstehen, noch vor Schulbeginn im Laden helfen, nach dem Unterricht ebenfalls, so dass sie f\u00fcr ihre Schulaufgaben kaum Zeit fanden. Dazu war es im Winter eiskalt in dem Kellerladen, wo sogar die Tinte gefror. Bis sp\u00e4t in den Abend hinein bedienten die drei Br\u00fcder Kunden, zusammen mit jungen Lehrlingen, die gleichfalls verpr\u00fcgelt wurden von ihrem Patron und manchmal vor Ersch\u00f6pfung im Stehen einschliefen. Der Vater \u2026 engagierte sich mit fanatischem Eifer im kirchlichen Leben, leitete den Kirchenchor, in dem auch seine S\u00f6hne singen mussten.&#8220; (Elsbeth Wolffheim, &#8222;Anton Tschechow&#8220;, Rowohlt 2001, S. 13)<\/span><\/p>\n<p>Einmal schrieb Tschechow, er habe sich beim Singen in diesem Chor wie ein Katorgastr\u00e4fling gef\u00fchlt (ebd. S. 14), und in einem Brief an seinen Bruder schildert er seinen Vater in wenigen Zeilen wahrheitsgetreu, doch diese Wahrheit schien in seinem ganzen Leben keinen Platz zu finden: &#8222;Despotismus und L\u00fcge haben unsere Kindheit derma\u00dfen verg\u00e4llt, dass einem schlecht wird und man Angst hat sich daran zu erinnern.&#8220; (Wolffheim, s.15) Solche Aussagen sind \u00e4u\u00dferst selten, der Sohn k\u00fcmmerte sich sein Leben lang unter gro\u00dfen finanziellen Opfern um das Wohl seines Vaters. Dass er auch seelische Opfer auf sich nahm, indem er seine Wahrheit unterdr\u00fcckte, hat niemand in seiner Umgebung geahnt, weil seine Haltung allgemein als Tugend angesehen wurde. Doch die Verleugnung der authentischen Gef\u00fchle, die sich auf den extremen Missbrauch des Kindes bezogen, erforderte viel Kraft und mochte dazu gef\u00fchrt haben, dass Tschechow schon fr\u00fch an Tuberkulose erkrankte und auch an Depressionen litt, die man damals als Melancholie bezeichnete. Schlie\u00dflich starb er im Alter von 44 Jahren. (Auf diesen Zusammenhang bin ich in &#8222;Die Revolte des K\u00f6rpers&#8220; genauer eingegangen.)<br \/>\nAus dem gerade erschienenen Buch von Ivan Bunin (&#8222;Tschechow&#8220;, Friedenauer Presse, Berlin 2004) erfuhr ich, dass meine \u00dcberlegungen durch Tschechows eigene Worte best\u00e4tigt werden k\u00f6nnen. Er spricht hier ein hohes Lob f\u00fcr seine Eltern aus, obwohl er genau wissen musste, dass er damit die Realit\u00e4t vollst\u00e4ndig verdrehte:<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style:italic; padding-left:45px; text-indent:35px;\">  &#8222;Vater und Mutter sind f\u00fcr mich die einzigen Menschen auf dem Erdball, f\u00fcr die mir nichts zu schade ist. Wenn ich einmal oben stehen werde, so ist dies das Werk ihrer H\u00e4nde, sie sind pr\u00e4chtige Menschen, allein ihre grenzenlose Kinderliebe stellt sie \u00fcber jedes Lob, verdeckt alle ihre M\u00e4ngel.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Nach Bunin soll Anton Tschechow gegen\u00fcber Freunden sogar mehrmals betont haben: &#8222;Ich habe nicht gegen das Vierte Gebot versto\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Verrat am eigenen Wissen stellt keine Ausnahme dar. Viele Menschen hegen ihr Leben lang \u00e4hnlich grundfalsche Urteile \u00fcber ihre Eltern, aus verdr\u00e4ngter Angst, die eigentlich die Angst des sehr kleinen Kindes vor den Eltern ist. Sie bezahlen diesen Selbstverrat mit Depressionen, Selbstmord oder schweren Erkrankungen, die zu einem fr\u00fchen Tod f\u00fchren. Fast immer l\u00e4sst sich in F\u00e4llen von Suizid feststellen, dass grausame Kindheitserfahrungen v\u00f6llig verleugnet oder niemals als solche erkannt wurden. All diese Menschen wollten von ihrem fr\u00fchen Leiden nichts wissen und lebten in einer Gesellschaft, die dieses Leiden ebenso ignoriert. F\u00fcr das Wissen \u00fcber das Schicksal von Kindern und seine Bedeutung f\u00fcr das sp\u00e4tere Leben gibt es bis heute keinen oder viel zu wenig Raum. Daher wundert man sich gew\u00f6hnlich, wenn zum Beispiel ein gefeierter Star Selbstmord begeht und so enth\u00fcllt wird, dass er unter Depressionen litt. Er oder sie hatten doch alles gehabt, was andere sich so sehr w\u00fcnschen, bekommt man dann von allen Seiten zu h\u00f6ren, was hat diesem Menschen blo\u00df gefehlt?<\/p>\n<p>Die Diskrepanz zwischen der verleugneten Realit\u00e4t und der &#8222;gl\u00fccklichen&#8220; Fassade fiel mir auch auf, als ich einen Dokumentarfilm \u00fcber die S\u00e4ngerin Dalida sah, die lange an schweren Depressionen litt und sich im Alter von 54 Jahren das Leben nahm. Es wurden viele Menschen interviewt, die sie angeblich sehr gut kannten und liebten, die ihr beruflich oder privat sehr nahe standen. Alle beteuerten ausnahmslos, dass ihnen Dalidas Depressionen und der Selbstmord ein v\u00f6lliges R\u00e4tsel waren. Immer wieder wurde gesagt: &#8222;Sie hatte alles, was man gew\u00f6hnlich begehrt: Sch\u00f6nheit, Intelligenz, Riesenerfolge. Weshalb also diese wiederkehrenden Depressionen?&#8220;<\/p>\n<p>Diese Ahnungslosigkeit der ganzen Umgebung Dalidas machte mir bewusst, in welcher inneren und \u00e4u\u00dferen Einsamkeit sich das Leben dieses Stars trotz der vielen Bewunderer abgespielt haben musste. Ich vermute, dass die Geschichte ihrer Kindheit den Selbstmord der S\u00e4ngerin erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, doch dieser Aspekt wurde in der Sendung von keinem Menschen erw\u00e4hnt. Ich suchte im Internet und fand, was man eigentlich immer erf\u00e4hrt, dass Dalida angeblich eine gl\u00fcckliche Kindheit und liebevolle Eltern hatte. Gerade das Schicksal ber\u00fchmter Menschen macht doch sehr deutlich, wie verbreitet die Depression ist. Dennoch wird fast nie nach der Ursache, der Wurzel dieses Leidens gefragt. Die Depression erscheint so als unabwendbar und unerkl\u00e4rlich. Es wurde gerade nicht die Frage gestellt, wie Dalida als Kind wom\u00f6glich die Tatsache erlebte, dass sie bei Nonnen aufwuchs.<br \/>\nNach allem, was ich \u00fcber solche Internate gelesen habe, wei\u00df ich, dass Kinder dort nicht selten sexuelle, physische und psychische Gewalt erdulden m\u00fcssen, und dies alles als Zeichen der Liebe und F\u00fcrsorge zu verstehen haben, somit lernen, die L\u00fcge als etwas Normales zu akzeptieren. Mir ist auch bekannt, dass Versuche, die skandal\u00f6sen Zust\u00e4nde in solchen Schulen an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen, von den kirchlichen Institutionen unterbunden werden. Die meisten ehemaligen Opfer tun alles, um die in der Kindheit erlittenen Qualen zu vergessen, zumal sie wissen, dass sie in der Gesellschaft kaum wissende Zeugen finden, die ihr Leiden ernst nehmen w\u00fcrden. Nur die Emp\u00f6rung der Gesellschaft k\u00f6nnte ihnen helfen, die eigene Emp\u00f6rung zu sp\u00fcren und sich gegen die L\u00fcge aufzulehnen. Wenn dieser Beistand aber so gut wie gar nicht vorhanden ist, wenn alle Autorit\u00e4ten sich mit der L\u00fcge solidarisieren, wird den Betreffenden die Depression geradezu aufgezwungen.<br \/>\nDalidas Schicksal bleibt, wie das vieler Ber\u00fchmtheiten, r\u00e4tselhaft, und gerade dies scheint die \u00d6ffentlichkeit zu faszinieren.<\/p>\n<p>Manche weltber\u00fchmten Stars, die beneidet oder gar verg\u00f6ttert wurden, waren im Grunde sehr einsam. Sie wurden, wie das am Beispiel von Dalida deutlich wird, nie verstanden, weil sie sich selbst nicht verstehen konnten. Und sie waren nicht in der Lage, sich selbst zu verstehen, weil das Umfeld ihnen kein Verst\u00e4ndnis, sondern lediglich Bewunderung entgegen brachte. Schlie\u00dflich nahmen sie sich das Leben. Dieser Kreislauf sagt sehr viel \u00fcber die Mechanismen der Depression aus. Menschen suchen Verst\u00e4ndnis auf dem Wege des Erfolges, geben sich unendlich viel M\u00fche, um diesen zu erreichen und ein immer gr\u00f6\u00dferes Publikum f\u00fcr sich zu begeistern. Doch diese Begeisterung n\u00e4hrt sie nicht, solange ihnen das Verst\u00e4ndnis fehlt. Das Leben hat dann trotz der Karriere letztlich f\u00fcr sie gar keinen Sinn, da sie sich selbst so fremd bleiben. Und sie bleiben sich fremd, weil sie das, was am Anfang ihres Lebens geschah, vollst\u00e4ndig vergessen wollen und das Leiden ihrer Kindheit verleugnen. Da die gesamte Gesellschaft auf diese Weise funktioniert, konnten die Stars von niemandem verstanden werden und litten unter ihrer Einsamkeit.<\/p>\n<p>Diese umfassende Verleugnung der Schmerzen am Beginn unseres Lebens ist verh\u00e4ngnisvoll. Stellen wir uns vor, dass ein Mensch eine Wanderung unternehmen will und sich gleich am Anfang seines Weges den Fu\u00df verstaucht. Auch wenn er versucht, seine Schmerzen zu ignorieren und weiterzuwandern, weil er sich darauf gefreut hat, werden andere fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wahrnehmen, dass er hinkt. Sie werden ihn danach fragen, was ihm geschehen ist. Dann wird er seine Geschichte erz\u00e4hlen, sie werden verstehen, warum er hinkt, und ihm raten, sich behandeln zu lassen.<br \/>\nAnders ist es, wenn es um die Leiden der Kindheit geht, die eine \u00e4hnliche Rolle im Leben eines Menschen spielen, wie der verstauchte Fu\u00df am Anfang einer Wanderung. Man kann sie nicht &#8222;weg philosophieren&#8220;, sie werden die ganze Wanderung mitbestimmen, allerdings mit dem Unterschied, dass in der Regel niemand dieser Tatsache Beachtung schenken wird. Da ist sich die ganze Gesellschaft mit dem Leidenden gewisserma\u00dfen einig, der nicht erz\u00e4hlen kann, was ihm passiert ist. Der in seiner Integrit\u00e4t Verletzte hat m\u00f6glicherweise auch keine Erinnerungen. Er spielt mit, wenn er sein ganzes Leben unter Menschen verbringen muss, die die Traumen der Kindheit bagatellisieren. Sein Leben wird deshalb ungef\u00e4hr so verlaufen, wie die Wanderung eines Menschen, der gerade am Anfang seinen Fu\u00df verstaucht hat, aber dies nicht wahrhaben will und so tut, als ob ihm eigentlich nichts geschehen sei. Sollte er aber doch Menschen begegnen, die \u00fcber die lang andauernden Auswirkungen von Kindheitstraumen Bescheid wissen, hat er die Chance, seine Verleugnung aufzugeben und auf diese Weise die einst erlittenen Wunden wom\u00f6glich ausheilen zu lassen.<\/p>\n<p>Viele Menschen haben dieses Gl\u00fcck nicht. Gerade die Ber\u00fchmtesten waren umgeben von zahlreichen ahnungslosen Bewunderern, unter denen sich niemand befand, der die innere Not des verg\u00f6tterten Stars erkannt h\u00e4tte oder auch nur kennen lernen wollte. Es gibt daf\u00fcr immer wieder Beispiele. Denken wir an das Schicksal der zauberhaften Marilyn Monroe, die von ihrer Mutter in ein Heim gegeben und mit neun Jahren vergewaltigt, sp\u00e4ter zur\u00fcckgekehrt in die Familie vom Stiefvater sexuell bel\u00e4stigt wurde, und bis zu ihrem Ende nur ihrem Charme vertraute, so dass die Depression und die Drogen sie schlie\u00dflich umbrachten. \u00dcber ihre Kindheit \u00e4u\u00dferte sie die im Internet h\u00e4ufig zitierten S\u00e4tze:<\/p>\n<p><span style=\"font-style:italic; padding-left:45px; text-indent:35px;\">    &#8222;Ich war kein Waisenkind. Ein Waisenkind hat keine Eltern. Alle anderen Kinder im Waisenhaus hatten keine Eltern mehr. Ich hatte noch eine Mutter. Aber die wollte mich nicht. Ich sch\u00e4mte mich, das den anderen Kindern dort zu erkl\u00e4ren&#8230;&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Manche m\u00f6gen sich einen \u00e4hnlichen Erfolg f\u00fcr ihr eigenes Leben w\u00fcnschen und k\u00f6nnen nicht begreifen, warum ein Star diesen nicht genie\u00dfen kann. Wenn ein Mensch besonders begabt ist, kann er diese Begabung auch daf\u00fcr benutzen, seine Abwehr gegen die Wahrheit zu verst\u00e4rken und diese von sich selbst und den anderen fernzuhalten.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme in diesem Kreislauf stellen Menschen dar, die als Kinder Traumen erlitten, die nicht von den Eltern verursacht wurden. Diese Menschen haben mehr Chancen, in der Gesellschaft Empathie zu finden, weil jeder ahnen kann, was es bedeutet, zum Beispiel in einem Lager aufgewachsen zu sein oder als Geisel von Terroristen einige Tage in einer schrecklichen Ohnmacht zu verbringen. Dann k\u00f6nnen die ehemaligen Opfer von Traumen damit rechnen, sowohl etwa von Pflegeeltern, als auch von Freunden oder der weiteren Familie verstanden zu werden und Mitgef\u00fchl zu bekommen.<br \/>\nEin solches Beispiel bietet uns der in Frankreich durch seine Unterst\u00fctzung der Theorie der Resillianz bekannte Autor Boris Cyrulnik. Er wurde als siebenj\u00e4hriges Kind in das KZ Drancy deportiert, aber er wurde nach der Befreiung von vielen liebenden Menschen betreut und konnte (gerade dank dem Wissen seiner Umgebung, wie schrecklich diese Erlebnisse f\u00fcr ihn waren) diese schlimme Zeit verarbeiten. Nun vertritt er in seinen B\u00fcchern die Meinung, dass jedes Kind in sich die Kraft hat, eine traumatische Kindheit zu \u00fcberwinden, ohne daran zu erkranken, und diese Kraft nennt er die angeborene Resilianz.<\/p>\n<p>Diese Theorie enth\u00e4lt in meinem Augen einen gef\u00e4hrlichen Irrtum. Es stimmt, dass wir als Kinder sehr viele Ressourcen besitzen, um sogar schwere Verletzungen zu \u00fcberleben. Doch um deren Folgen ausheilen zu lassen, brauchen wir wissende Zeugen in der Gesellschaft. Diese existieren aber in den meisten F\u00e4llen nicht, wenn die erlittenen Misshandlungen durch die Eltern begangen wurden. Ein von den Eltern misshandeltes Kind ist als Erwachsener ohne Zeugen und bleibt daher isoliert: nicht nur von den anderen, sondern auch von sich selbst, weil er die Wahrheit verdr\u00e4ngt hat, und niemand ihm hilft, die Realit\u00e4t seiner Kindheit wahrzunehmen. Denn die Gesellschaft steht immer auf der Seite der Eltern. Jeder wei\u00df, dass es so ist, und wird daher kaum wagen, sich seiner Wahrheit zu n\u00e4hern. Sollte es ihm aber doch in einer gelungenen Therapie m\u00f6glich sein, seinen Zorn zu erleben und auszudr\u00fccken, wird sich dieser Mensch unter Umst\u00e4nden mit der Feindseligkeit seiner ganzen Familie und seiner Freunde konfrontiert sehen, die ihn angreifen werden, weil er ein Tabu \u00fcberschreitet und weil die \u00dcberschreitung dieses Tabus den anderen ebenfalls Angst macht. Diese Menschen werden manchmal mit allen Mitteln gegen den Betreffenden vorgehen, um ihre eigene Verdr\u00e4ngung intakt halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es gibt wenige \u00dcberlebende von Kindesmisshandlungen, die in der Lage sind, diese Aggressionen auszuhalten und die lieber die um sie entstandene Isolation in Kauf nehmen, als ihre Wahrheit zu verraten. Doch mit steigendem Wissen um die emotionale Dynamik dieser Prozesse wird sich hoffentlich etwas ver\u00e4ndern, und durch die Bildung von mehr aufgekl\u00e4rten Gruppen muss dann nicht mehr mit einer vollst\u00e4ndigen Einsamkeit gerechnet werden. Die Theorie der Resillianz halte ich deshalb f\u00fcr gef\u00e4hrlich, weil sie dazu geeignet ist, die Zahl der wissenden Zeugen zu vermindern, statt sie zu vermehren. Wenn die angeborene Resillianz gen\u00fcgen sollte, um schwere Folgen von Traumatisierungen aufzul\u00f6sen, dann w\u00e4re die Empathie der wissenden Zeugen nicht notwendig. Ich meine, dass die Gleichg\u00fcltigkeit den Kindesmisshandlungen gegen\u00fcber bereits gro\u00df genug ist, wir brauchen sie nicht noch zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Aufgekl\u00e4rte Menschen sind allerdings immer noch rar, auch unter den Fachleuten. Wer sich heute zum Beispiel \u00fcber das Leben von Virginia Woolf informieren will und im Internet die entsprechende Seite besucht, wird von namhaften Psychiatern erfahren, dass sie &#8222;geisteskrank&#8220; war und dass diese Erkrankung nichts mit der sexuellen Gewalt ihrer Halbbr\u00fcder zu tun hatte, der sie als Kind jahrelang ausgeliefert war. Obwohl Virginia Woolf in autobiographischen Schriften den Schrecken ihrer Kindheit eindrucksvoll beschreibt (&#8222;Skizzierte Erinnerungen&#8220;, Frankfurt a.M. 1993), wird der Zusammenhang zwischen den schweren Traumatisierungen und den sp\u00e4teren Depressionen noch im Jahre 2004 vollst\u00e4ndig geleugnet.<\/p>\n<p>Zu ihren Lebzeiten wurde er erst Recht nicht erkannt. Die Schriftstellerin trug diese Texte in dem K\u00fcnstlerkreis, in dem sie verkehrte, vor, doch blieb sie einsam, weil ihr selbst und ihrer Umgebung, sogar ihrem Mann Leonard (wie dessen Erinnerungen an seine Frau bezeugen) die Bedeutung der fr\u00fchen Erfahrungen verschlossen blieben. Sie war umgeben von Menschen, de ihre k\u00fcnstlerischen Ziele teilten und f\u00f6rderten, konnte aber ihr Erleben der v\u00f6lligen Einsamkeit, das immer wieder auftauchte, selbst nicht verstehen. Dies kann schlie\u00dflich den Weg zum Selbstmord ebnen, weil die aktuelle Isolation st\u00e4ndig an die lebensbedrohliche Verlassenheit des kleinen Kindes erinnert.<\/p>\n<p>Jede sogenannte Geisteskrankheit, die zum Suizid gef\u00fchrt hat, wird meist auf genetische Ursachen zur\u00fcckgef\u00fchrt. Biographen beschreiben in allen Details das sp\u00e4tere Leben ihrer Protagonisten, aber die Kindheit findet selten die Beachtung, die ihr zuk\u00e4me.<br \/>\nEs ist vor kurzem eine als Roman pr\u00e4sentierte, umfangreiche Biographie von Alain Absire \u00fcber das Leben der Jean Seberg erschienen (&#8222;Jean S.&#8220;, Feyard 2004), die in f\u00fcnfunddrei\u00dfig, zum Teil sehr bekannten Filmen (etwa &#8222;Au\u00dfer Atem&#8220;) Hauptrollen gespielt hat. Offenbar hatte Jean Seberg schon als Kind eine Leidenschaft f\u00fcrs Theater gezeigt und sehr unter der moralisch rigiden Haltung ihres lutherisch protestantischen Vaters gelitten, den sie sp\u00e4ter idealisierte. Als sie, noch in der Schulzeit, unter Tausenden von Anw\u00e4rterrinnen f\u00fcr ihren ersten Film ausgew\u00e4hlt wurde, konnte sich ihr Vater nicht mit ihr freuen, sondern bediente sie mit Warnungen. Diese Haltung zeigte er jedes Mal, wenn sie Erfolg hatte. Er hielt ihr moralische Predigten im Namen seiner v\u00e4terlichen Liebe. Sie konnte sich ihr Leben lang nicht eingestehen, wie sehr die Haltung ihres Vater sie verletzt hatte, litt aber unter den Qualen, die ihr die nach einem bestimmten Muster von ihr ausgesuchten Partner zuf\u00fcgten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man nicht sagen, dass der Charakter ihres Vaters die Ursache f\u00fcr ihr missgl\u00fccktes Leben war. Es war Jeans Verleugnung ihres Leidens unter diesem Vater, die ihre schweren Depressionen bewirkte. Diese Verleugnung beherrschte ihr Leben und trieb sie dazu, sich immer wieder in die Gewalt von M\u00e4nnern zu begeben, die sie weder verstanden noch respektierten. Sie wiederholte zwanghaft ihre selbst-zerst\u00f6rerische Partnerwahl, weil sie nicht wahrhaben wollte, welche Gef\u00fchle die Haltung ihres Vaters in ihr hervorrief. Sie konnte keinen guten Partner finden, oder musste ihn verlassen, sobald sie einen Mann fand, der nicht destruktiv mit ihr umging. Wie sehr hat sie sich danach gesehnt, dass ihr Vater ihr einmal eine Anerkennung zuteil werden lie\u00dfe f\u00fcr all ihre Erfolge. Aber er zollte ihr nur Kritik.<\/p>\n<p>Offenbar hatte Seberg nicht den leisesten Einblick in die Trag\u00f6die ihrer Kindheit, sonst w\u00e4re sie nicht zur Sklavin von Alkohol und Zigaretten geworden und h\u00e4tte nicht Selbstmord begehen m\u00fcssen. Ihr Schicksal teilt sie mit vielen Stars, die mit Hilfe von Drogen ihren echten Gef\u00fchlen davon zu laufen hofften oder im fr\u00fchen Tod durch eine \u00dcberdosis endeten, wie zum Beispiel Elvis Presley, Jimi Hendrix oder Janis Joplin.<\/p>\n<p>Das Leben (und Sterben) all dieser erfolgreichen Stars bezeugt, dass die Depression nicht ein Leiden an der Gegenwart ist, die ihnen ja die optimale Erf\u00fcllung aller Tr\u00e4ume brachte; sondern ein Leiden an der Trennung vom eigenen Selbst, das fr\u00fch verlassen und niemals betrauert wurde, folglich nicht leben durfte. Es ist, als w\u00fcrde der K\u00f6rper mit Hilfe der Depression gegen diese Untreue sich selbst gegen\u00fcber, gegen die L\u00fcge, gegen die Abspaltung der wahren Gef\u00fchle protestieren, weil er ohne authentische Gef\u00fchle gar nicht leben kann. Er braucht den freien Fluss der Emotionen, die sich auch st\u00e4ndig ver\u00e4ndern: die Wut, die Trauer, die Freude. Wenn diese in der Depression blockiert sind, kann der K\u00f6rper nicht normal funktionieren.<\/p>\n<p>Um ihn dazu trotzdem zu zwingen, werden allerlei Mittel eingesetzt: Drogen, Alkohol, Nikotin, Medikamente, die Flucht in die Arbeit. All das, um die Revolte des K\u00f6rpers nicht verstehen zu m\u00fcssen, um nie zu erfahren, dass uns die Gef\u00fchle nicht umbringen, sondern uns im Gegenteil von dem Gef\u00e4ngnis, das sich Depression nennt, befreien k\u00f6nnen. Die Depression kann sich zwar wieder melden, wenn wir erneut unsere Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse ignorieren, aber wir k\u00f6nnen mit der Zeit immer besser damit umgehen. Da uns die Gef\u00fchle mitteilen, wie es uns in der Kindheit ergangen ist, werden sie uns verst\u00e4ndlich, wir brauchen sie nicht l\u00e4nger so sehr zu f\u00fcrchten wie fr\u00fcher, die Angst nimmt ab und wir sind f\u00fcr eine neue depressive Phase besser gewappnet. Doch wir k\u00f6nnen die Gef\u00fchle nur dann zulassen, wenn wir unsere verinnerlichten Eltern nicht mehr f\u00fcrchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich vermute, dass der Gedanke, man wurde von den eigenen Eltern nicht geliebt, f\u00fcr die meisten Menschen unertr\u00e4glich ist. Je mehr Fakten auf diesen Mangel hinweisen, umso st\u00e4rker klammern sich diese Menschen an die Illusion, sie seien geliebt worden. Sie klammern sich auch an die Schuldgef\u00fchle, die ihnen best\u00e4tigen sollten, dass es an ihnen lag, an ihren Fehlern und ihrem Versagen, wenn die Eltern nicht liebevoll mit ihnen umgegangen sind. In der Depression rebelliert der K\u00f6rper gegen diese L\u00fcge. Viele Menschen m\u00f6chten dann lieber sterben oder symbolisch sterben, indem sie ihre Gef\u00fchle abt\u00f6ten, als die Ohnmacht eines kleinen Kindes zu erleben, das von den Eltern nur f\u00fcr deren Ehrgeiz oder nur als Projektionsscheibe ihrer aufgestauten Hassgef\u00fchle gebraucht wird.<\/p>\n<p>\nDie Tatsache, dass die Depression zu den h\u00e4ufigsten Erkrankungen unserer Zeit geh\u00f6rt, ist unter Fachleuten kein Geheimnis mehr. Das Thema wird h\u00e4ufig auch in den Medien angeschnitten, man diskutiert \u00fcber die Ursachen und die verschiedenen Behandlungsmethoden. In den meisten F\u00e4llen scheint es nur darum zu gehen, f\u00fcr den Einzelnen die geeigneten Psychopharmaka zu finden. Die Psychiatrie behauptet heute, dass endlich Medikamente entwickelt werden konnten, die nicht abh\u00e4ngig machen und keine Nebenwirkungen aufweisen. Damit scheint ja das Problem gel\u00f6st zu sein. Aber warum klagen trotzdem so viele Menschen \u00fcber Depressionen, wenn die L\u00f6sung so einfach ist? Nat\u00fcrlich gibt es Leidende, die keine Medikamente einnehmen wollen, aber auch unter denen, die sie einnehmen, gibt es einige, die trotzdem immer wieder von Depressionen heimgesucht werden und denen auch jahrzehntelange Psychoanalysen, andere psychotherapeutische Versuche oder Klinikaufenthalte nicht helfen konnten, sich zu befreien.<\/p>\n<p>Was charakterisiert eine Depression? Vor allem Hoffnungslosigkeit, Verlust der Energien, gro\u00dfe M\u00fcdigkeit, Angst, Mangel an Antrieb, an Interessen. Der Zugang zu den eigenen Gef\u00fchlen ist blockiert. All die Symptome k\u00f6nnen gleichzeitig oder einzeln vorkommen, auch bei einem Menschen, der nach au\u00dfen scheinbar gut funktioniert, der sogar an seinem Arbeitsplatz sehr viel leistet, sich mitunter auch therapeutisch bet\u00e4tigt und anderen zu helfen versucht. Nur sich selbst kann er nicht helfen. Warum?<br \/>\nIch habe 1979 im &#8222;Drama des begabten Kindes&#8220; beschrieben, wie es manchen Menschen gelingt, sich mit Hilfe grandioser Phantasien oder auch ungew\u00f6hnlicher Leistungen von der Depression fernzuhalten, und wie dies gerade bei Psychoanalytikern oder Therapeuten der Fall sein kann, die in ihrer Ausbildung lernen, andere zu verstehen, aber nicht sich selbst. Ich habe das zur\u00fcckgef\u00fchrt auf die Kindheitsgeschichte derer, die diesen Beruf w\u00e4hlen, und aufgezeigt, dass sie sehr fr\u00fch lernen mussten, die Not ihrer M\u00fctter und V\u00e4ter zu sp\u00fcren, darauf einzugehen und die eigenen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse dabei aufzugeben. Die Depression ist der Preis, den der Erwachsene f\u00fcr diese Selbstaufgabe bezahlt. Er hat sich ja immer gefragt, was die Anderen von ihm brauchen und so kommt es, dass er seine ureigenen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse nicht nur vernachl\u00e4ssigt, sondern sie gar nicht kennt. Aber der K\u00f6rper kennt sie und besteht darauf, dass der Mensch seine echten, authentischen Gef\u00fchle leben darf und sich das Recht nimmt, diese auszudr\u00fccken. F\u00fcr Menschen, die als kleine Kinder f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Eltern gebraucht wurden, ist das jedoch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Auf diese Weise verlieren viele im Laufe ihres Lebens vollst\u00e4ndig den Kontakt mit dem Kind, das sie waren. Eigentlich hatten sie ihn niemals, aber der Zugang wird mit wachsendem Alter noch erschwert. Andererseits wird durch die zunehmende, altersbedingte Hilflosigkeit die Situation des Kindes k\u00f6rperlich angemahnt. Dann spricht man von der Altersdepression und meint, man m\u00fcsse diese als selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen.<\/p>\n<p>Das ist aber nicht so. Ein Mensch, der seine Geschichte kennt, muss im Alter nicht depressiv werden. Und wenn er depressive Phasen erlebt, dann gen\u00fcgt es, dass er seine echten Gef\u00fchle zul\u00e4sst, um diese aufzul\u00f6sen. Denn die Depression ist in jedem Alter nichts anderes, als die Flucht vor all den Gef\u00fchlen, die die Verletzungen der Kindheit aufleben lassen k\u00f6nnten. Damit entsteht im Betroffenen eine innere Leere. Wenn die seelischen Schmerzen um jeden Preis gemieden werden m\u00fcssen, bleibt im Grunde nicht viel \u00fcbrig, was die Lebendigkeit erhalten w\u00fcrde. Man kann mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen Leistungen auf intellektuellem Gebiet aufwarten, aber innerlich kann man als emotional unentwickeltes Kind sein Dasein fristen. Das gilt f\u00fcr jedes Alter.<\/p>\n<p>Die Depression, die diese innere Leere spiegelt, ist wie gesagt das Resultat der Vermeidung von allen Emotionen, die mit den fr\u00fch erfahrenen Verletzungen verkn\u00fcpft sind. Das f\u00fchrt dazu, dass ein depressiver Mensch auch bewusste Gef\u00fchle kaum noch erleben kann. Es sei denn, dass er, ausgel\u00f6st durch ein \u00e4u\u00dferes Ereignis, von Gef\u00fchlen \u00fcberflutet wird, die v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich bleiben, weil ihm die wahre, nicht idealisierte Geschichte seiner Kindheit unbekannt ist und er diesen Einbruch der Gef\u00fchle wie eine pl\u00f6tzliche Katastrophe erlebt.<\/p>\n<p>Patienten, die eine psychotherapeutische Klinik aufsuchen, h\u00f6ren immer wieder, dass sie nicht auf die Kindheit zur\u00fcckgreifen d\u00fcrfen, dass sie dort keine Antworten finden werden, dass sie endlich alles vergessen sollten und sich in der neuen Situation zurechtfinden m\u00fcssten. Es ist sehr bezeichnend, wie sehr man bem\u00fcht ist, dass die Patienten sich nicht aufregen und deswegen Besuche von Angeh\u00f6rigen verbietet. Die Sichtweise, dass eine solche Begegnung, gerade weil sie emotional stark auf den Patienten wirkt, belebend sein kann (wobei die Emotionen nicht schaden, sondern im Gegenteil helfen), hat \u00fcberwiegend noch keinen Einlass in die Kliniken gefunden. Wie tragisch sich solche Anordnungen im einzelnen Leben mitunter auswirken, l\u00e4sst sich bei der Lekt\u00fcre des Briefwechsels zwischen dem Dichter Paul Celan und seiner Frau nachempfinden. Man untersagte ihm konsequent die Besuche seiner Frau in der Klinik und verst\u00e4rkte damit noch seine Einsamkeit und die Erkrankung.<\/p>\n<p>Eine spektakul\u00e4re Art, unbewusst seine Einsamkeit in die Welt hinauszuschreien und seine Kindheitsgeschichte zu erz\u00e4hlen, finden wir beim K\u00f6nig Ludwig II. von Bayern. Dieser K\u00f6nig baute prunkvolle Schl\u00f6sser, die er nie nutzte. In einem hielt er sich im ganzen elf Tage, in den anderen gar nicht auf. Die wunderbaren Schl\u00f6sser wurden mit sehr viel Sorgfalt und nach den neuesten Prinzipien der Technik gebaut. Sie werden heute von unz\u00e4hligen Touristen besucht, von manchen bewundert oder als Kitsch bel\u00e4chelt, von einigen als bizarre Ausgeburt eines kranken Geistes angesehen. Denn Ludwig bekam schon zu seinen Lebzeiten die Diagnose &#8222;Schizophrenie&#8220;, die sich bis heute erhalten hat und die eigentlich nichts erkl\u00e4rt. Oder sie besagt so viel, dass ein absurdes Verhalten die Folge einer genetischen Erkrankung sei und daher gar keinen Sinn ergeben k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Mit diesem irref\u00fchrenden Wissen ausgestattet, ziehen die Besucher durch die S\u00e4le der luxuri\u00f6sen Schl\u00f6sser, die ein &#8222;kranker&#8220; K\u00f6nig mit den Geldern seiner Untertanen bauen lie\u00df. Und bis jetzt scheint sich niemand die Frage gestellt zu haben: Was geschah an der Schwelle dieses k\u00f6niglichen Lebens? Weshalb baute dieser Mensch Schl\u00f6sser, in denen er nicht wohnte? Was wollte er damit sagen? Wollte er eine Geschichte erz\u00e4hlen, die sein K\u00f6rper gespeichert hat und gut kannte, die aber sein Bewusstsein abspalten musste, weil es verboten ist, die eigenen Eltern anzuklagen?<\/p>\n<p>Ludwig wurde als erstes Kind seiner Eltern von Geburt an einer rigiden Erziehung unterworfen, die aus ihm ein einsames, nach Liebe und Kontakt ausgehungertes Kind machte. Vor allem wurde er niemals verstanden. Das hochsensible Kind findet keine Heimat bei seinen Eltern, wird als dumm eingesch\u00e4tzt und den Dienstboten \u00fcberlassen. Bei ihnen bekommt der Junge das Brot, das man ihm im Schloss verweigert, damit er lernt, seinen Hunger zu disziplinieren. Dass solche Erziehungsmethoden ganz einfach sadistisch sind, somit auf die Kindheit der Eltern zur\u00fcck gehen, kann das Kind nicht verstehen. Auch wenn der Erwachsene es sp\u00e4ter verstehen sollte, wird ihm dies nicht viel n\u00fctzen, weil sein K\u00f6rper auf dem Durchf\u00fchlen seiner Geschichte, seiner wahren verdr\u00e4ngten Emotionen besteht. Das war aber Ludwig II. sein ganzes Leben lang nicht m\u00f6glich: daher das absurde Verhalten, Schizophrenie genannt. Der K\u00f6nig respektierte seine Eltern, wie es sich geh\u00f6rt. Er durfte niemals das Gef\u00fchl der Frustration zulassen, richtete sp\u00e4ter seinen Zorn allenfalls gegen Dienstboten. Die nicht durchlebte Ohnmacht des Kindes, das man im Luxus zum Hungern verdammt, lie\u00df ihm nur das Gef\u00fchl der Angst.<\/p>\n<p>Diese Angst bewirkte seine Einsamkeit als Erwachsener. Er mied die Menschen, litt unter Albtr\u00e4umen, f\u00fcrchtete, pl\u00f6tzlich von jemandem \u00fcberfallen zu werden. Dass diese Furcht auf reale Erlebnisse in der Kindheit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann, ist durchaus wahrscheinlich. Denn Ludwig lebte seine Sexualit\u00e4t im geheimen, lie\u00df sich Photos von sch\u00f6nen J\u00fcnglingen schicken, die glaubten, sie seien als Modelle zum Aktzeichnen ausgesucht worden. Doch einmal in den Gem\u00e4chern des K\u00f6nigs, wurden die jungen M\u00e4nner von ihm missbraucht. Ein solcher Missbrauch und Betrug sind unwahrscheinlich, wenn der Missbraucher nicht selbst missbraucht worden w\u00e4re. Der Schluss liegt also nahe, dass Ludwig als Kind sexuelle Gewalt erlitten hat. Dies muss nicht unbedingt innerhalb der eigenen Familie geschehen sein. Wir wissen ja aus den Aufzeichnungen des Hofarztes Horoard, was dem franz\u00f6sischen K\u00f6nig Louis XIII. in seiner Kindheit vom Personal zugef\u00fcgt wurde (AM, Du sollst nicht merken).<\/p>\n<p>Das alles h\u00e4tte nicht zur &#8222;Schizophrenie&#8220; f\u00fchren m\u00fcssen, wenn sich ein Mensch gefunden und dem heranwachsenden Ludwig geholfen h\u00e4tte, seine Lage zu sehen, die Haltung seiner Eltern als grausam zu erkennen und sich dagegen zu wehren oder zumindest, sich seinen Zorn einzugestehen, oder sich sp\u00e4ter mit ihm zu fragen, was er bei der Planung der Schl\u00f6sser empfand. Wom\u00f6glich wollte er in kreativer Form unbewusst etwas darstellen, das er auf keinen Fall bewusst denken durfte: wie er n\u00e4mlich als Kind trotz des gro\u00dfen Luxus wie ein Niemand leben musste. Er wurde von seinen Eltern nicht wahrgenommen, mit seinen Begabungen nicht erkannt (der Vater hielt ihn f\u00fcr nicht interessant genug, um ihn auf seine Spazierg\u00e4nge mitzunehmen) und nicht einmal ausreichend ern\u00e4hrt, so dass er sich mitunter bei Bauern au\u00dferhalb des Schlosses satt essen musste.<br \/>\nIn den vielf\u00e4ltigen Dokumentationen, die sich im Internet \u00fcber das Leben Ludwig II. finden, wird \u00fcber die Kindheit des K\u00f6nigs folgendes berichtet:<\/p>\n<p><span style=\"font-style:italic; padding-left:45px; text-indent:35px;\">    &#8222;Die Lebensweise der beiden Prinzen war eine sehr einfache. Es geh\u00f6rte zu den Torheiten der damaligen vornehmen Erziehung, dass man Kinder sich nicht satt essen lie\u00df, und der k\u00fcnftige K\u00f6nig war sehr froh, wenn ihm die treue W\u00e4rterin Lisi und Lakaien zuweilen Proviant aus der Stadt mitbrachten oder etwas von ihrer reichlicheren Kost mitteilten.<br \/>\n    F\u00fcr jugendliche Streiche und Pflichtvers\u00e4umnisse werden die Prinzen unnachsichtig bestraft. Durch diese strenge Erziehung will der Vater, K\u00f6nig Max II., seine S\u00f6hne zu t\u00fcchtigen, arbeitsamen F\u00fcrsten machen. &#8230;<br \/>\n    Zu seinen S\u00f6hnen findet Max II. kein vertrauensvolles Verh\u00e4ltnis, besonders dem ganz anders gearteten Kronprinzen steht er innerlich fremd gegen\u00fcber und nimmt an seinem Entwicklungsgang wenig Anteil. Hier\u00fcber erz\u00e4hlt Franz von Pfistermeister, der langj\u00e4hrige Kabinettssekret\u00e4r Max. II. und Ludwigs II., in seinen Erinnerungen:<br \/>\n    &gt;Der K\u00f6nig sah seine beiden S\u00f6hnchen, die Prinzen Ludwig und Otto, des Tages nur ein- oder zweimal, mittags beim zweiten Fr\u00fchst\u00fcck und abends bei der Hoftafel, gar selten in den Zimmern, wo sie aufwuchsen. Dabei reichte er ihnen meist nur die Hand zum Gru\u00dfe und empfahl sich schleunigst. Es kostete, als der Kronprinz schon seiner Vollj\u00e4hrigkeit nahe stand, viel und lange M\u00fche, den K\u00f6nig zu bewegen, seinen \u00e4ltesten Sohn auf den Morgenspaziergang im Englischen Garten (von 9-10 Uhr) mitzunehmen. Das wiederholte sich jedoch nur wenige Male. Der K\u00f6nig \u00e4u\u00dferte: Was soll ich mit dem jungen Herrn sprechen? Es interessiert ihn nichts, was ich anrege.&lt;<br \/>\n    Die Erinnerung an seinen verfehlten Erziehungsgang und an das k\u00fchle Verh\u00e4ltnis zu seinem Vater hat Ludwig zeitlebens belastet. Als Drei\u00dfigj\u00e4hriger schreibt er an den Kronprinzen Rudolf von \u00d6sterreich:<br \/>\n    &gt;Du bist sehr zu begl\u00fcckw\u00fcnschen, eine so durch und durch ausgezeichnete, verst\u00e4ndnisvolle Erziehung genossen zu haben, ein Gl\u00fcck ferner ist es auch, dass der Kaiser pers\u00f6nlich so lebhaft f\u00fcr Deine Ausbildung sich interessiert. Bei meinem Vater ist dies leider ganz anders gewesen, stets hat er mich de haut en bas [von oben herab] behandelt, h\u00f6chstens en passant einiger gn\u00e4diger, kalter Worte gew\u00fcrdigt. Diese eigent\u00fcmliche Art und sonstige Erziehungsmethode wurde aus dem sonderbaren Grunde beliebt, weil es bei seinem Vater ebenso gehalten wurde.&lt;<br \/>\n    Die Mutter des Kronprinzen, K\u00f6nigin Marie, in ihrer Jugend eine gefeierte Sch\u00f6nheit, ist eine g\u00fctig-freundliche, aber beschr\u00e4nkte Frau ohne alle geistigen Interessen. Paul Heyse, einer der Mitglieder des M\u00fcnchner Dichterkreises um Max II., berichtet \u00fcber sie:<br \/>\n    &gt;Trotz alles Bem\u00fchens aber war es nicht gelungen, der K\u00f6nigin Interesse an Literatur und Poesie einzufl\u00f6\u00dfen. Ihr war nur wohl im leichtesten Geplauder &#8230; .&lt;<br \/>\n    Zum Herzen ihrer Kinder findet K\u00f6nigin Marie keinen rechten Zugang. Franz von Pfistermeister berichtet in seinen Aufzeichnungen:<br \/>\n    &gt;Auch die K\u00f6nigin verstand es sehr wenig, ihre Prinzchen an sich anzuziehen. Sie besuchte sie zwar h\u00e4ufiger in ihren Zimmern, wusste sich aber nicht mit ihnen abzugeben, wie Kinder es eben verlangen. Das zog die S\u00f6hnchen auch nicht an die Mutter.&lt;&#8222;<\/span><\/p>\n<p>Auch wenn Einzelheiten aus der Kindheit eines Menschen bekannt sind, wird fast nie ein Zusammenhang mit dem Leiden des Erwachsenen hergestellt. Man spricht von einem tragischen Schicksal, ohne die Natur dieser Tragik n\u00e4her verstehen zu wollen. Jemanden, der sich und ihn nach dem tieferen Sinn der Schl\u00f6sser gefragt h\u00e4tte, scheint es im Leben Ludwigs nicht gegeben zu haben. Auch heute noch gibt es trotz zahlreicher Filme \u00fcber den &#8222;armen&#8220; K\u00f6nig offenbar niemanden, der die Geburtsstunde der sogenannten &#8222;Schizophrenie&#8220; in seiner Kindheit gesucht h\u00e4tte. Indessen untersuchen zahlreiche Wissenschaftler gewissenhaft alle Details seiner Bauten und ver\u00f6ffentlichen dar\u00fcber B\u00fccher. Das Endprodukt eines Wahns findet gro\u00dfes Interesse. Doch dessen Entstehen ist von tiefem Schweigen umgeben, weil wir die Genese dieser Erkrankung nicht verstehen k\u00f6nnen, ohne die Lieblosigkeit und Grausamkeit der Eltern aufzudecken. Und das macht den meisten Menschen Angst, weil es sie an das eigene Schicksal erinnern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es ist die Angst der missachteten oder gar tyrannisierten Kinder vor dem wahren, unverstellten Gesicht ihrer Eltern, die Angst, die uns zum Selbstbetrug und damit in die Depression f\u00fchrt. Nicht nur die einzelne Person, sondern fast uns alle, die ganze Gesellschaft, die glaubt, dass Medikamente das Problem nun ein f\u00fcr alle Mal gel\u00f6st haben. Doch wie sollte dies m\u00f6glich sein? Die meisten von mir erw\u00e4hnten Selbstm\u00f6rder nahmen Medikamente, aber ihr K\u00f6rper lie\u00df sich nicht t\u00e4uschen und lehnte ein Leben ab, das im Grunde keines war. Die meisten Menschen halten ihre Kindheitsgeschichte tief in ihrem Unbewussten begraben und haben es ohne Begleitung schwer, an ihre Urspr\u00fcnge heranzukommen, auch wenn sie es wollten. Sie sind darauf angewiesen, dass die Fachleute ihnen helfen, den Selbstbetrug aufzudecken und sich von den Ketten der traditionellen Moral zu befreien (Tschechow schrieb in einem Brief: &#8222;Ich habe Angst vor unserer Moral&#8220;, Bunin, Seite 263). Doch wenn die Fachleute lediglich Medikamente verschreiben, dann helfen sie, die Angst zu zementieren und erschweren zus\u00e4tzlich den Zugang zu den eigenen Gef\u00fchlen, deren befreiende M\u00f6glichkeiten ungen\u00fctzt bleiben.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich verdanke mein Erwachen vor allem dem spontanen Malen. Das will aber nicht hei\u00dfen, das Malen k\u00f6nne als Rezept gegen die Depression empfohlen werden. Nicolas de Stael, dessen K\u00f6nnen ich fr\u00fcher sehr bewunderte, malte in den letzten sechs Monaten seines Lebens 354 gro\u00dfe Bilder. Er arbeitete getrennt von seiner Familie in Antibes mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t an seinem Werk und dann &#8222;st\u00fcrzte er sich von der Terrasse, die w\u00e4hrend der letzten sechs Monate sein Atelier gewesen war, in den Tod.&#8220; (&#8222;Nicolas de Stael&#8220;, Edition Centre Pompidou, 2003) Zu diesem Zeitpunkt war er vierzig Jahre alt. Sein K\u00f6nnen, um das so viele Maler ihn beneideten, bewahrte ihn nicht vor der Depression. Vielleicht h\u00e4tten wenige Fragen gen\u00fcgt, um ihn zum Nachdenken zu veranlassen. Seine Malerei, seine Begabung wurden von seinem Vater, der vor der russischen Revolution ein General gewesen war, niemals anerkannt. Es mag sein, dass de Stael in seiner Verzweiflung hoffte, es gel\u00e4nge ihm eines Tages, das entscheidende Bild zu malen, das ihm die Anerkennung seines Vaters und dessen Liebe einbringen w\u00fcrde. Wom\u00f6glich gibt es einen Zusammenhang zwischen der \u00dcberanstrengung am Ende seines Lebens und dieser Not. Nur de Stael selbst h\u00e4tte dies herausfinden k\u00f6nnen, wenn die entscheidenden Fragen nicht verboten gewesen w\u00e4ren. Dann w\u00e4re er vielleicht zu der Einsicht gekommen, dass die Wertsch\u00e4tzung des Vaters nicht von der hohen Leistung des Sohnes abh\u00e4ngt, sondern lediglich von der F\u00e4higkeit des Vaters, die Qualit\u00e4t eines Bildes zu beurteilen.<\/p>\n<p>In meinem Fall war es entscheidend, dass ich mir solche Fragen immer wieder gestellt habe. Ich lie\u00df mir von meinen Bildern meine verschollene Geschichte erz\u00e4hlen, eigentlich nur von meiner Hand, die offenbar alles wusste, aber wartete, bis ich bereit war, mit dem kleinen Kind zu f\u00fchlen. Und da sah ich immer wieder dieses Kind, das von seinen Eltern nur gebraucht, aber niemals gesehen, geachtet oder ermutigt wurde und seine Kreativit\u00e4t tief verstecken musste, um nicht auch noch f\u00fcr diese bestraft zu werden.<\/p>\n<p>Man muss Bilder nicht von au\u00dfen analysieren. Das w\u00e4re f\u00fcr einen Maler kaum hilfreich. Doch seine Bilder k\u00f6nnen beim Maler selbst Gef\u00fchle wecken. Wenn er diese Gef\u00fchle erleben und ernst nehmen darf, kann er sich n\u00e4her kommen und die Barrieren der Moral \u00fcberwinden. Dann ist es ihm m\u00f6glich, sich mit seiner Vergangenheit und seinen verinnerlichten Eltern zu konfrontieren und mit ihnen anders als bisher umzugehen. Aus dem wachsenden Bewusstsein heraus und nicht aus der kindlichen Angst.<\/p>\n<p>Wenn ich n\u00e4mlich sp\u00fcren darf, was mich schmerzt und was mich freut, was mich \u00e4rgert oder gar w\u00fctend macht und warum; wenn ich wei\u00df, was ich brauche und was ich auf keinen Fall will, dann kenne ich mich gut genug, um mein Leben zu lieben und es interessant zu finden, unabh\u00e4ngig vom Alter oder von meinem gesellschaftlichen Status. Dann wird kaum das Bed\u00fcrfnis entstehen, das eigene Leben zu beenden, es sei denn, der Altersprozess, die zunehmende Schw\u00e4chung des K\u00f6rpers w\u00fcrden solche Gedanken nahe legen. Aber auch dann wird ein Mensch wissen, dass er sein wahres, sein eigenes Leben gelebt hat. <\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li class=\"current\"><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; der Zwang zum Selbstbetrug<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-revolte-des-korpers-eine-herausforderung\/\">&#8222;Die Revolte des K\u00f6rpers&#8220; &#8211; eine Herausforderung<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/feminismus-marxismus-und-kindheit\/\">Feminismus, Marxismus und Kindheit<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-betrug-totet-die-liebe\/\">Der Betrug t\u00f6tet die Liebe<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/uber-den-missbrauch-des-vertrauens-in-der-therapie\/\">\u00dcber den Missbrauch des Vertrauens in der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/irrefuhrende-informationen\/\">Irref\u00fchrende Informationen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/zum-film-mummy-dearest\/\">Zum Film &#8222;Mummy Dearest&#8220; (Meine liebste Rabenmutter)<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/saddam-hussein-und-die-kardinale\/\">Saddam Hussein und die Kardin\u00e4le<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/korper-und-moral\/\">K\u00f6rper und Moral<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-befreiende-erfahrung-der-schmerzhaften-wahrheit\/\">Die befreiende Erfahrung der schmerzhaften Wahrheit<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wie-kommt-das-bose-in-die-welt\/\">Wie kommt das B\u00f6se in die Welt?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/woher-kommt-das-grauen\/\">Woher kommt das Grauen?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/bedingungen-der-therapie\/\">Bedingungen der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wann-gibt-es-endlich-keine-idealen-soldaten-mehr\/\">Wann gibt es endlich keine idealen Soldaten mehr?<\/a><\/li><\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Thomas Gruner<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/einige-leichen-im-keller\/\">Einige Leichen im Keller<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wem-gehort-unser-bewusstsein\/\">Wem geh\u00f6rt unser Bewusstsein?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/frenzy\/\">Frenzy<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/uber-einige-aspekte-der-neueren-traumatherapien\/\">\u00dcber einige Aspekte der neueren Traumatherapien<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-blendung-des-odipus-oder-der-blinde-fleck-unserer-kultur\/\">Die Blendung des \u00d6dipus &#8211; oder Der blinde Fleck unserer Kultur<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/abschied-von-den-eltern\/\">&#8222;Abschied von den Eltern&#8220;<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-2\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 2<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-1\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 1<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/geborgenheit-in-der-moral-oder-die-wahrheit-der-erfahrungen\/\">Geborgenheit in der Moral oder Die Wahrheit der Erfahrungen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auf-der-suche-nach-der-eigenen-geschichte-der-schriftsteller-jurek-becker\/\">Auf der Suche nach der eigenen Geschichte: Der Schriftsteller Jurek Becker<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-doppelte-falle\/\">Die doppelte Falle<\/a><\/li><\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Klaus Schlagmann<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a href=\"\/de\/krankenkassen-finanzieren-die-lobbyarbeit-fur-\nkinderschander\/\">Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr<br \/>\nKindersch\u00e4nder<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">Claudio Breda<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/bloss-nie-nachgeben-2\/\">Bloss nie nachgeben<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alice Miller Depression &#8211; der Zwang zum SelbstbetrugTuesday 01 March 2005 Der russische Schriftsteller Anton Tschechow geh\u00f6rt seit meiner Jugend zu den von mir bevorzugten Autoren. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich im Alter von etwa sechzehn Jahren die Erz\u00e4hlung &#8222;Krankenzimmer Nr. 6&#8220; verschlang und voll Bewunderung war f\u00fcr Tschechows Scharfsinn und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[75],"tags":[],"class_list":["post-2916","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-am"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2916"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2919,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2916\/revisions\/2919"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}