{"id":2938,"date":"2003-01-01T22:46:15","date_gmt":"2003-01-01T21:46:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2938"},"modified":"2015-12-01T22:47:18","modified_gmt":"2015-12-01T21:47:18","slug":"die-befreiende-erfahrung-der-schmerzhaften-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-befreiende-erfahrung-der-schmerzhaften-wahrheit\/","title":{"rendered":"Die befreiende Erfahrung der schmerzhaften Wahrheit"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Alice Miller<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">Die befreiende Erfahrung der schmerzhaften Wahrheit<br \/><span class=\"soustitre\">Wednesday 01 January 2003<\/span><\/h1>\n<p><i>Das lange vergriffene Buch &#8222;Abbruch der Schweigemauer&#8220; wird im Mai 2003 in einer neuen Auflage als Suhrkamp Taschenbuch erscheinen. Da in der letzten Zeit das Thema des Verzeihens in verschiedenen Foren immer wieder auftauchte und ich h\u00e4ufig mit diesbez\u00fcglichen Fragen konfrontiert werde, publiziere ich hier das folgende Kapitel aus diesem Buch. Es handelt sich um einen Text, der sich bereits in der ersten Auflage (1990) befand.<\/i><\/p>\n<p>Das mi\u00dfhandelte und verwahrloste Kind ist vollkommen allein, im Dunkel der Verwirrung und Angst, umgeben von Arroganz und Ha\u00df, seiner Rechte und seiner Sprache beraubt, um seine Liebe und sein Vertrauen betrogen, mi\u00dfachtet, gedem\u00fctigt, in seinem Schmerz verh\u00f6hnt, ohne Orientierung, ohne jeden Halt, blind, gnadenlos der Macht des ignoranten Erwachsenen ausgeliefert, vollkommen wehrlos.<br \/>\nSein ganzes Wesen m\u00f6chte den Zorn herausschreien, die Emp\u00f6rung ausdr\u00fccken und nach Hilfe rufen. Aber genau das darf es nicht. All die normalen, von der Natur zur eigenen Rettung vorgesehenen Reaktionen bleiben ihm verwehrt. Wenn ihm n\u00e4mlich kein Zeuge zu Hilfe kommt, w\u00fcrden diese nat\u00fcrlichen Reaktionen die Qualen des Kindes noch vergr\u00f6\u00dfern, verl\u00e4ngern, und es k\u00f6nnte schlie\u00dflich auch umgebracht werden.<br \/>\nSo mu\u00df die gesunde Regung, gegen Unmenschlichkeit zu protestieren, unterdr\u00fcckt werden. Das Kind versucht, alles, was geschehen ist, aus dem Ged\u00e4chtnis zu l\u00f6schen, auszuradieren, um die brennende Emp\u00f6rung, die Wut und die Angst, um den unertr\u00e4glichen Schmerz aus dem Bewu\u00dftsein zu verbannen &#8211; wie es hofft, f\u00fcr immer. Was bleibt, ist ein Gef\u00fchl der eigenen schweren Schuld &#8211; auch dann, wenn es nicht gezwungen wurde, die Hand, die es schlug, zu k\u00fcssen und um Verzeihung zu bitten. Leider geschieht dies h\u00e4ufiger, als man gemeinhin annimmt.<br \/>\nIn \u00dcberlebenden solcher Folter, die mit totaler Verdr\u00e4ngung endeten, lebt das gefolterte Kind trotzdem weiter: im Dunkel der Angst, der Unterdr\u00fcckung, der Bedrohung. Wenn all seine Versuche, den Erwachsenen zu bewegen, die Geschichte des Kindes anzuh\u00f6ren, erfolglos bleiben, versucht es sich mit der Sprache der Symptome Geh\u00f6r zu verschaffen, mit Hilfe der Sucht, der Psychose, der Kriminalit\u00e4t. Wenn im Erwachsenen dann doch eine Ahnung aufkommt, weshalb er leidet, und er Fachleuten die Frage stellt, ob seine Leiden mit der Kindheit in Zusammenhang stehen k\u00f6nnten, wird ihm in den meisten F\u00e4llen versichert, dies sei wohl kaum der Fall, und falls doch, dann m\u00fcsse er verzeihen lernen, denn es sei eben seine nachtragende Haltung, die ihn krank mache.<br \/>\nIch habe in den letzten Jahren viele B\u00fccher \u00fcber unterschiedliche Therapieans\u00e4tze aus den USA zugeschickt bekommen, von mir unbekannten Autoren. Ohne eine einzige Ausnahme setzen all diese Autoren als selbstverst\u00e4ndlich voraus, da\u00df das Verzeihen eine Bedingung f\u00fcr den &#8222;Erfolg&#8220; der Therapie sei. Diese Annahme scheint allen so selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df sie nirgends hinterfragt wird &#8211; und gerade das w\u00e4re dringend notwendig. Denn Verzeihung l\u00f6st den latenten Ha\u00df und Selbstha\u00df nicht auf, sondern \u00fcberdeckt ihn in einer sehr gef\u00e4hrlichen Weise.<br \/>\nMir ist der Fall einer Frau bekannt, deren Mutter als Kind von ihrem Vater und Bruder sexuell mi\u00dfhandelt wurde. In einer Klosterschule aufgewachsen, lernte diese Mutter ausgiebig den &#8222;Segen der Verzeihung&#8220; und verehrte ihren Vater und den Bruder ohne eine Spur von Bitterkeit. Doch als ihre Tochter noch ein S\u00e4ugling war, \u00fcberlie\u00df sie das Kind des \u00f6fteren ihrem dreizehnj\u00e4hrigen Neffen zum &#8222;H\u00fcten&#8220;. Sie ging abends seelenruhig mit ihrem Mann ins Kino, w\u00e4hrend sich der pubertierende Babysitter mit dem K\u00f6rper ihrer kleinen Tochter sexuelle Befriedigung verschaffte.<br \/>\nAls diese Tochter in einer Psychoanalyse Hilfe suchte, sagte ihr der Analytiker, sie d\u00fcrfe ihrer Mutter keine Vorw\u00fcrfe machen, denn alles sei doch ohne b\u00f6se Absicht geschehen, die Mutter habe ja keine Ahnung gehabt, da\u00df der Babysitter ihr Kind regelm\u00e4\u00dfig mi\u00dfbrauchte. Tats\u00e4chlich war diese Mutter anscheinend ahnungslos. Als das Kind E\u00dfst\u00f6rungen entwickelte, konsultierte sie besorgt mehrere \u00c4rzte, die ihr versicherten, die St\u00f6rungen k\u00e4men vom &#8222;Zahnen&#8220;. So funktionierten alle R\u00e4dchen dieser Verzeihungsmaschinerie beinahe perfekt, aber auf Kosten der Wahrheit und schlie\u00dflich auch des Lebens aller Beteiligten.<br \/>\nIn ihrem Buch The Obsidian Mirror (Seattle 1988) beschreibt Louise Wisechild, wie es ihr gelungen ist, w\u00e4hrend ihrer Ausbildung zur Massagetherapeutin mit Hilfe der K\u00f6rperarbeit und schriftlicher Protokolle die Botschaften und Mitteilungen ihres K\u00f6rpers zu entziffern, zu f\u00fchlen und so ihre Kindheit langsam aus der Verdr\u00e4ngung zu befreien. Allm\u00e4hlich entdeckte sie in allen Einzelheiten, was sie total aus ihrem Bewu\u00dftsein verbannt hatte: da\u00df sie mit vier Jahren von ihrem Gro\u00dfvater sexuell mi\u00dfbraucht, wenig sp\u00e4ter von ihrem perversen Onkel aufs schwerste mi\u00dfhandelt und schlie\u00dflich vom Stiefvater vergewaltigt worden war. Da aber die selbstdestruktiven Muster durch dieses Wissen noch nicht aufgel\u00f6st waren, suchte sie eine Therapeutin auf, die sie bei dieser Entdeckungsreise weiter begleiten sollte. Ungeachtet der offenkundigen Fakten, sagte ihr die Therapeutin eines Tages: &#8222;Wenn Sie Ihrer Mutter nicht verzeihen, werden Sie sich selbst nie verzeihen k\u00f6nnen.&#8220; Statt der Patientin zu helfen, die Schuldgef\u00fchle, die man ihr aufgeladen hatte, aufzul\u00f6sen, was ja die Aufgabe der Therapie gewesen w\u00e4re, wurde ihr eine zus\u00e4tzliche Forderung aufgeb\u00fcrdet, die diese Schuldgef\u00fchle zementieren d\u00fcrfte. Doch mit einem religi\u00f6sen Akt der Verzeihung werden selbstdestruktive Muster nicht aufgel\u00f6st.<br \/>\nWeshalb sollte diese Frau, die sich drei\u00dfig Jahre lang vergeblich um den Schutz ihrer Mutter bem\u00fchte, ihr diese Gleichg\u00fcltigkeit verzeihen, nachdem die Mutter nie den geringsten Versuch unternommen hatte, einzusehen, was sie ihrer Tochter angetan hat? Als das Kind einst, erstarrt vor Entsetzen und Angst, unter dem schweren Gewicht des Onkels liegenbleiben mu\u00dfte, sah es im Spiegel die Mutter an die T\u00fcrschwelle kommen. Es hoffte auf Rettung, aber die Mutter drehte sich um und verschwand. Als Louise bereits erwachsen war, h\u00f6rte sie die Mutter sagen, diese habe die Angst vor jenem Onkel nur in Gegenwart ihrer Kinder ausgehalten. Als die Tochter \u00fcber die Vergewaltigung durch den Stiefvater mit ihr reden wollte, schrieb ihr die Mutter, sie wolle sie nie mehr sehen. Es ist unfa\u00dfbar, da\u00df sogar in einem so krassen Fall nicht offenkundig wird, da\u00df durch die Forderung nach Verzeihung ein eventueller Therapieerfolg zwangsl\u00e4ufig verhindert wird. Was wird damit erreicht au\u00dfer der Beruhigung der Therapeutin?<br \/>\nDieses Beispiel zeigt, wieviel mit einem einzigen grundfalschen, verwirrenden, aber in der Tradition gut verankerten Satz zerst\u00f6rt werden kann &#8211; gerade weil er uns seit den fr\u00fchesten Jahren so gut bekannt ist. Der Patient ist \u00fcberzeugt, da\u00df der Therapeut eine solche Aussage aufgrund einer gesicherten Erfahrung macht, und glaubt der Autorit\u00e4t. Er wei\u00df nicht und kann auch kaum herausfinden, da\u00df diese Behauptung lediglich die Angst eines mi\u00dfhandelten Kindes, des Therapeuten, vor dessen Eltern ausdr\u00fcckt. Er kann es um so weniger, als gerade diese Aufforderung zum Verzeihen bei ihm selber ebenfalls alte \u00c4ngste mobilisiert, die ihn dazu zwingen, der Autorit\u00e4t zu glauben. Wie kann der Patient unter diesen Umst\u00e4nden seine Schuldgef\u00fchle aufl\u00f6sen? Er wird ja ausdr\u00fccklich in ihnen festgehalten.<br \/>\nIch habe viele Therapeuten gefragt, weshalb sie annehmen, man m\u00fcsse verzeihen, um gesund zu werden, bekam aber nie eine Antwort. Offenbar hatten sie ihre Forderung noch nie in Frage gestellt, weil sie sie f\u00fcr ebenso selbstverst\u00e4ndlich hielten wie die Mi\u00dfhandlungen, mit denen wir aufgewachsen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, da\u00df eine Gemeinschaft, die ihre Kinder nicht mi\u00dfhandelt, sie achtet, sie liebevoll besch\u00fctzt, die Ideologie der Verzeihung f\u00fcr Grausamkeiten wie zum Beispiel das Schlagen entwickeln w\u00fcrde. Diese Ideologie ist untrennbar mit dem Gebot &#8222;Du sollst nicht merken&#8220; verbunden sowie mit der Wiederholung der erfahrenen Grausamkeiten in der n\u00e4chsten Generation. Die Angst vor der Rache der Eltern pr\u00e4gt unsere &#8222;Moral&#8220;.<br \/>\nIn einer Therapie ohne Erziehung kann dieser verh\u00e4ngnisvollen Ideologie ein Ende bereitet werden. Denn mit Hilfe ihrer Wahrheit k\u00f6nnen sich \u00dcberlebende der Mi\u00dfhandlungen von deren Folgen befreien. Eine wirksame Therapie ist nicht die Fortsetzung der Erziehung, sondern die Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Verletzungen der Erziehung, deren Folgen sie aufl\u00f6sen kann. Sie mu\u00df dem Patienten den Zugang zu seinen Gef\u00fchlen vermitteln, und dies f\u00fcr die Dauer seines ganzen Lebens, weil nur dieser Zugang ihm helfen kann, sich zu orientieren und wirklich bei sich zu bleiben. Moralisierende Appelle k\u00f6nnen diesen Zugang nur versperren.<br \/>\nDie Forderung nach Verzeihung, der ich \u00fcberall begegne, ist daher eine Gef\u00e4hrdung der Therapie. Sie ist Ausdruck unserer Kultur, in der Kindesmi\u00dfhandlungen an der Tagesordnung sind und aus diesem Grund von den meisten Erwachsenen bagatellisiert werden. Die M\u00f6glichkeit der Wende h\u00e4ngt davon ab, ob es gen\u00fcgend &#8222;wissende Zeugen&#8220; gibt, die ein &#8222;Auffangnetz&#8220; f\u00fcr das wachsende Bewu\u00dftsein der mi\u00dfhandelten Kinder bilden k\u00f6nnen, damit diese nicht in die Dunkelheit des Vergessens fallen, aus der sie sp\u00e4ter als Kranke oder Verbrecher wieder hochkommen. Aufgefangen im &#8222;Netz&#8220; der wissenden Zeugen, k\u00f6nnen diese Kinder zu bewu\u00dften Menschen aufwachsen, die mit und nicht gegen ihre Vergangenheit leben und die sich deshalb f\u00fcr eine humanere Zukunft werden einsetzen k\u00f6nnen.<br \/>\nEs ist bereits bekannt, da\u00df das Beweinen von Schmerz, Trauer und Angst nicht nur Tr\u00e4nen flie\u00dfen l\u00e4\u00dft, sondern da\u00df gleichzeitig auch Stre\u00dfhormone ausgeschieden werden, die eine allgemeine Entspannung im Organismus bewirken. Dies ist noch keineswegs mit Therapie gleichzusetzen. Immerhin w\u00e4re es jedoch eine wichtige Erkenntnis, die in die Behandlungen der Praktiker Eingang finden m\u00fc\u00dfte. Doch das Gegenteil ist bisher der Fall. Dem Patienten werden Beruhigungstabletten verschrieben, damit er ja keinen Zugang zu den Ursachen seiner Symptome finde. Das Problem der Gesundheitsp\u00e4dagogik sehe ich vor allem in der Tatsache, da\u00df die meisten Beteiligten, Institutionen und Fachleute auf keinen Fall wissen wollen, weshalb Menschen erkranken oder in Gef\u00e4ngnissen landen. Diese Weigerung f\u00fchrt dazu, da\u00df unz\u00e4hlige chronisch kranke Menschen jahrzehntelang Kliniken und Gef\u00e4ngnisse &#8222;bewohnen&#8220;, da\u00df Milliarden vom Staat bezahlt werden, um Geheimnisse zu h\u00fcten. Die Betroffenen d\u00fcrfen auf keinen Fall erfahren, da\u00df man ihnen helfen k\u00f6nnte, die Sprache ihrer K\u00f6rper zu verstehen, um ihr Leiden wirklich zu lindern oder sogar aufzul\u00f6sen.<br \/>\nWenn man den Mut h\u00e4tte, sich mit den Tatsachen der Verdr\u00e4ngung von Kindesmi\u00dfhandlungen und deren Folgen zu konfrontieren, w\u00e4re das m\u00f6glich. Doch die Fachliteratur zu diesem Thema l\u00e4\u00dft diesen Mut durchweg vermissen. Allgegenw\u00e4rtig sind hingegen die Appelle an den guten Willen, allerlei unverbindliche und un\u00fcberpr\u00fcfbare Ratschl\u00e4ge und vor allem das Predigen, alle je in der Kindheit erlittenen Grausamkeiten verzeihen zu m\u00fcssen. Wenn all das nichts n\u00fctzt, zahlt eben der Staat lebensl\u00e4nglich f\u00fcr Pflege und Versorgung der Invaliden und chronisch Kranken, die mit Hilfe der Wahrheit gesunden k\u00f6nnten.<br \/>\nEs ist doch bereits erwiesen, da\u00df die Verdr\u00e4ngung, so sehr sie f\u00fcr das Kind notwendig war, nicht das Schicksal des Erwachsenen sein mu\u00df. Die Abh\u00e4ngigkeit des kleinen Kindes von seinen Eltern, sein Vertrauen zu ihnen, seine Sehnsucht nach Liebend\u00fcrfen und Geliebtwerden kennen keine Grenzen. Diese Abh\u00e4ngigkeit auszubeuten, das Vertrauen zu mi\u00dfbrauchen, die Sehnsucht zu betr\u00fcgen und zu verwirren und dies alles als Erziehung zu verkaufen ist ein zerst\u00f6rerisches Tun, das t\u00e4glich und st\u00fcndlich aus Tr\u00e4gheit, Ignoranz und aus der Weigerung, diese aufzugeben begangen wird. Die Tatsache, da\u00df die meisten Verbrechen unbewu\u00dft begangen werden, mildert leider nicht die verh\u00e4ngnisvollen Folgen, die darin bestehen, da\u00df der K\u00f6rper des mi\u00dfhandelten Kindes die Wahrheit registriert hat, sein Bewu\u00dftsein sich aber weigert, davon Kenntnis zu nehmen. Mit der Verdr\u00e4ngung der Schmerzen und der begleitenden Umst\u00e4nde rettet sich der kindliche Organismus vor dem Tod, den er durch das bewu\u00dfte Erlebnis des Traumas erleiden m\u00fc\u00dfte. Was bleibt, ist der Teufelskreis der Verdr\u00e4ngung: Die im K\u00f6rper gespeicherte wahre Geschichte produziert Symptome, um endlich erkannt und ernstgenommen zu werden. Doch das Bewu\u00dftsein weigert sich, wie in der Kindheit, darauf einzugehen, weil es dort die lebensrettende Funktion der Verdr\u00e4ngung gelernt hat und weil ihm heute niemand sagt, da\u00df der erwachsene Mensch nicht am Wissen sterben m\u00fc\u00dfte; da\u00df es im Gegenteil zur Gesundheit verhelfen w\u00fcrde, die Wahrheit zu kennen.<br \/>\nHeute wissen wir, da\u00df Aids und die Krebserkrankungen mit einem starken Abfall der Immunabwehr einhergehen und da\u00df dieser k\u00f6rperlichen &#8222;Resignation&#8220; der Verlust der Hoffnung des erkrankten Menschen vorausgeht. Es ist erstaunlich, da\u00df kaum jemand hier den Schritt macht, den diese Entdeckungen nahelegen. Der Mensch kann die Hoffnung wiedererlangen, wenn seine Notsignale endlich geh\u00f6rt werden. Wenn seine verdr\u00e4ngte, verborgene Geschichte endlich bewu\u00dft wahrgenommen wird, kann sich auch sein Immunsystem regenerieren. Aber wer soll ihm dabei helfen, wenn so viele &#8222;Helfer&#8220; ihre eigene Geschichte f\u00fcrchten? So spielen wir miteinander das Blinde-Kuh-Spiel, Patienten, \u00c4rzte, Beh\u00f6rden, weil bisher nur wenige die Erfahrung gemacht haben, da\u00df das emotionale Zulassen der Wahrheit die unabdingbare Voraussetzung der Heilung ist. Der Mensch kann auf Dauer, auch k\u00f6rperlich, nur im Bewu\u00dftsein seiner Wahrheit funktionieren. Die traditionelle Moral, die destruktiven Interpretationen von Religionen, die Dem\u00fctigungen in der Erziehung erschweren diese Erfahrung und verhindern das Wagnis. Die pharmazeutische Industrie profitiert zudem zweifellos von unserer Verzagtheit und Blindheit. Aber uns wurde nur ein einziges Leben geschenkt und ein einziger K\u00f6rper, der sich nicht zum Narren halten l\u00e4\u00dft und der unbedingt darauf besteht, nicht von uns betrogen zu werden.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; 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