{"id":2946,"date":"1991-02-21T22:52:08","date_gmt":"1991-02-21T21:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2946"},"modified":"2015-12-01T22:53:27","modified_gmt":"2015-12-01T21:53:27","slug":"wann-gibt-es-endlich-keine-idealen-soldaten-mehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wann-gibt-es-endlich-keine-idealen-soldaten-mehr\/","title":{"rendered":"Wann gibt es endlich keine idealen Soldaten mehr?"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Alice Miller<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">Wann gibt es endlich keine idealen Soldaten mehr?<br \/><span class=\"soustitre\">Thursday 21 February 1991<\/span><\/h1>\n<p>Dieser Artikel wurde 1990 zur Zeit des Golfkrieges geschrieben und ist in der &#8222;Weltwoche&#8220; in Z\u00fcrich am 21.2.1991 erschienen. Leider hat sich diesbez\u00fcglich bis heute nicht viel ge\u00e4ndert, deshalb bleibt der Inhalt immer noch aktuell. Ein amerikanischer Film \u00fcber Hitler unter dem Titel &#8220; Die Geburt des B\u00f6sen &#8220; wird im franz\u00f6sischen Fernsehen im Jahre 2004 gezeigt, jedoch in einer stark gek\u00fcrzten Fassung, in der die Geschichte der Kindheit vollst\u00e4ndig ausgelassen wird. Der Film beginnt mit dem erwachsenen Hitler. Man weigert sich, die Wurzeln zu sehen.<\/p>\n<p>Wann gibt es endlich keine idealen Soldaten mehr? (erschienen in &#8222;Die Weltwoche&#8220; 21.2.1991)<\/p>\n<p>Geschlagene, gedem\u00fctigte, gequ\u00e4lte Kinder, denen kein Zeuge jemals zur Hilfe kam, entwickeln sp\u00e4ter oft ein schwerwiegendes Syndrom: Sie kennen ihre wahren Gef\u00fchle nicht, f\u00fcrchten sie gar wie die Pest und sind deshalb unf\u00e4hig, lebenswichtige Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Die einst erfahrene Grausamkeit leben sie als Erwachsene an Unschuldigen aus, ohne dies zu merken und ohne daf\u00fcr die Verantwortung zu \u00fcbernehmen, weil sie sie, wie einst ihre Eltern, als &#8222;Erl\u00f6sung&#8220; f\u00fcr die anderen bezeichnen. Daraus ergibt sich ein extrem verantwortungsloses Handeln, dem verschiedene Ideologien, gepaart mit grenzenloser Heuchelei, die scheinbare Legitimit\u00e4t verschaffen. Lebensfeindliche und menschenverachtende Aktionen, die unseren Planeten bedrohen, sind die direkte Folge, gerade in einer Zeit der hohen Technisierung.<br \/>\n&#8220; Wir wollen dich nicht schlagen, aber wir m\u00fcssen es tun, um das B\u00f6se aus dir herauszuschlagen, mit dem du auf die Welt gekommen bist.&#8220; So etwa dachten und sprachen Eltern zu ihren Kindern zu Luthers Zeiten. Luther sagte ihnen, es sei ihre Pflicht, ihr Kind vom Teufel zu erl\u00f6sen und es auf diese Weise gut und fromm zu machen. Das glaubten sie. Sie wussten nicht, dass Martin Luther, der als Kind mit erbarmungsloser Strenge von seiner Mutter gez\u00fcchtigt worden war, diese Form der Erziehung bejahte, um das Bild einer guten und liebenden Mutter zu erhalten, das er sich mit Hilfe der Verdr\u00e4ngung kreieren konnte.<br \/>\nSie glaubten ihm und wussten folglich nicht, dass sie, statt den &#8222;Teufel &#8220; aus ihrem unschuldigen Kind auszutreiben, mit ihren Schl\u00e4gen die &#8220; Saat des B\u00f6sen &#8220; in einem unschuldigen Lebewesen verbreiteten. Je heftiger, je blinder, je h\u00e4ufiger sie schlugen, um so b\u00f6ser wurde das Kind und um so zerst\u00f6rerischer der sp\u00e4tere Erwachsene, als die &#8220; Saat &#8220; voll aufging.<br \/>\nWissen es die heutigen Eltern besser? Viele wissen es, aber noch lange nicht alle. Viele werden noch heute, genau wie vor 400 Jahren, von angeblichen Autorit\u00e4ten in ihrem Unwissen best\u00e4tigt. Es werden nur andere Begriffe verwendet. Man spricht nicht mehr vom Teufel im Zusammenhang mit der Erziehung, sondern von &#8220; Genen &#8222;. Einzelne Medien scheuen sich nicht, die Geschichte des letzten Weltkrieges und deren Lehre vollst\u00e4ndig zu ignorieren, und berichten ihren Lesern, von jeglichem Fortschritt unber\u00fchrt, dass Kriminalit\u00e4t und Geisteskrankheit auf Gene zur\u00fcckzuf\u00fchren seien. Wenn der Mensch mit entsprechenden Genen auf die Welt komme, dann werde er eben zum Hitler, Eichmann, Himmler, und die Einfl\u00fcsse der Kindheit h\u00e4tten damit nichts zu tun. Verteidigt wird die alte Weisheit, wonach Nachgiebigkeit im Jugendalter sch\u00e4dlich sei und wonach wir deshalb heute so viele gest\u00f6rte Jugendliche h\u00e4tten. Denn Zucht sei nach der Meinung einiger P\u00e4dagogen, die heute wieder in Mode sind, der richtige Weg, um anst\u00e4ndige Menschen aufwachsen zu lassen.<br \/>\nWiderspricht die Realit\u00e4t nicht diesen Meinungen? Haben Hitler, Eichmann, Himmler immer noch zuwenig Zucht erhalten ? Solche Fragen bleiben unbeantwortet, wenn man sie den Bef\u00fcrwortern der Zucht stellt. Weil ihre Ideologie nichts mit Fakten zu tun haben will, sondern nur aus der eigenen verdr\u00e4ngten Erfahrung gespeist wird. Und dort herrscht eine ganz andere Logik, die Logik der Verdr\u00e4ngung, in der sich Widerspr\u00fcche ohne weiteres vertragen und in der es nicht um die Wahrheit geht, sondern um die Vermeidung von alten Schmerzen. Jeder Mensch kommt auf die Welt ohne b\u00f6se Absichten, mit dem starken, eindeutigen und nicht ambivalenten prim\u00e4ren Bed\u00fcrfnis, sein Leben zu erhalten, lieben zu d\u00fcrfen und geliebt zu werden. Wenn aber ein Kind statt der Liebe und Wahrheit dem Hass und der L\u00fcge begegnet, wenn es geschlagen wird, statt besch\u00fctzt zu werden, m\u00fcsste es schreien und toben k\u00f6nnen und d\u00fcrfen, um sich gegen Schwachsinn und Bosheit zu wehren. Das w\u00e4re seine gesunde, nat\u00fcrliche Reaktion auf die Zerst\u00f6rungsanschl\u00e4ge der Erwachsenen. Dieser Protest w\u00fcrde ihm die psychische Gesundheit retten, seine W\u00fcrde, sein Selbstwertgef\u00fchl, seine Integrit\u00e4t, sein Bewusstsein, seine Verantwortlichkeit.<br \/>\nDoch ein geschlagenes, missachtetes, misshandeltes Kind darf sich nicht wehren. Alle von der Natur vorgegebenen Wege zur Erhaltung der Integrit\u00e4t des menschlichen Wesens bleiben ihm verwehrt, es k\u00f6nnte f\u00fcr seinen Protest umgebracht werden.<br \/>\nAu\u00dferdem kann der noch unfertige, im Wachstum befindliche Organismus nicht mit diesen \u00fcberw\u00e4ltigenden Gef\u00fchlen umgehen. Das Kind muss also in den meisten F\u00e4llen die Erinnerung an das Trauma und in jedem Fall die \u00fcberaus starken, aber unerw\u00fcnschten Gef\u00fchle verdr\u00e4ngen, die normalerweise auf eine Verletzung folgen w\u00fcrden: die m\u00f6rderische Wut, die Sehnsucht nach Rache und das Gef\u00fchl, von der ganzen Welt bedroht zu werden. Denn f\u00fcr ein Kind ohne helfende Zeugen sind die Eltern die ganze Welt. Es ist naheliegend, dass sich im Unbewussten dieses Kindes der Wunsch bildet und verfestigt, einmal diese Welt zu zerst\u00f6ren, um endlich leben zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDa all diese Gef\u00fchle verdr\u00e4ngt, da sie nie bewusst erlebt wurden, da das Bed\u00fcrfnis nach Achtung, Wahrheit und Liebe nie ad\u00e4quat artikuliert wurde, w\u00e4hlen viele der einstmals verletzten Kinder den Weg der symbolischen Befriedigung, z. B. in sozial anerkannten Formen der Perversion und Kriminalit\u00e4t. Waffenproduktion, Waffenhandel und schlie\u00dflich der Krieg sind ideale Schaupl\u00e4tze zum Abreagieren der einst verdr\u00e4ngten und nie bewusst erlebten, aber im Organismus gespeicherten m\u00f6rderischen Wut. Doch diese Wut wird auf jene Menschen abreagiert, die sie gerade nicht verursachten, w\u00e4hrend ihre wahren Verursacher mit Hilfe der totalen Verleugnung und Idealisierung verschont bleiben.<br \/>\nWas fr\u00fcher verboten war, ist im Krieg erlaubt. Ein Feindbild gen\u00fcgt, um den seit Jahrzehnten aufgestauten Hass, um die ma\u00dflose, grenzenlose, blinde Zerst\u00f6rungswut des kleinen Kindes, die ja (weil nie erlebt) nie korrigiert und nie kontrolliert werden konnte, in erlaubten Bahnen abzuladen, ohne dass diese Gef\u00fchle ins Bewusstsein zu dringen brauchen.<br \/>\nEin US-Pilot im Golfkrieg wurde einmal gefragt, was er nach der R\u00fcckkehr von den Bombenangriffen empfinde. Eine Freude, dass er seinen Job gut ausgef\u00fchrt habe, sagte er. Sonst nichts?, wollte der Journalist wissen. Was sollte denn sonst dabei sein ?, fragte der Soldat unber\u00fchrt zur\u00fcck. H\u00e4tte dieser Mann f\u00fchlen d\u00fcrfen, w\u00e4ren seine Gef\u00fchle nicht seit langem erfroren, er h\u00e4tte die Angst, Ohnmacht und Wut der bombardierten Bev\u00f6lkerung mitempfunden und vielleicht auf diesem Wege seine einstmalige Ohnmacht des kleinen Jungen zu sp\u00fcren bekommen, der einst wehrlos blindw\u00fctenden Schl\u00e4gen ausgeliefert war. Dann h\u00e4tte er den Zusammenhang zwischen fr\u00fch erfahrenen Dem\u00fctigungen und der Genugtuung, heute andere mit Bomben bedrohen zu k\u00f6nnen und kein hilfloses Opfer mehr zu sein, erkannt. Er w\u00e4re dann kein idealer Soldat mehr, aber als bewusster Mensch h\u00e4tte er anderen helfen k\u00f6nnen, den Irrsinn zu durchschauen, dessen unbewusste R\u00e4dchen sie heute sind. Er h\u00e4tte mit anderen dazu beitragen k\u00f6nnen, dass Kriege verhindert werden in Zukunft. Sie werden leider akzeptiert, weil es unz\u00e4hlige Menschen gibt, f\u00fcr die das Leben wertlos und hassenswert ist, das eigene genau wie das des anderen, die nur gelernt haben, Leben zu zerst\u00f6ren und von anderen zerst\u00f6rt zu werden. Es sind Menschen, die ihre Liebe zum Leben nie entwickeln konnten, weil sie keine Chance dazu erhalten haben.<\/p>\n<p>\n<span class=\"title\">St\u00e4rker als alle Waffen<\/span><\/p>\n<p>Wenn wir nicht zu ihren Opfern werden wollen, bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als zu erkennen, dass dieser Hass st\u00e4rker ist als alle erdenklichen Waffen. Wir m\u00fcssen endlich erkennen, dass und wie er aufl\u00f6sbar ist. Was wir heute erleben, ist die Konsequenz der Verdr\u00e4ngung unseres fr\u00fchen Leidens. Auch die Abspaltung der Gef\u00fchle und der daraus entstandenen Blindheit f\u00fcr Zusammenh\u00e4nge.<br \/>\nDas wird am Beispiel der Giftgasproduktion deutlich. Wer wollte schon den Golfkrieg? Die deutschen Firmen wollten nur Geld verdienen, als sie Giftgas produzierten und verkauften. Ist das nicht legitim? Es ist auch legitim, nichts dabei zu f\u00fchlen und sich keine Bilder zu machen. Da helfen ja die Computer. Eichmann machte es sogar ohne Computer. Er hatte nur mit Zahlen und nicht mit Menschen zu tun, nicht mit menschlichen Augen, H\u00e4nden, Herzen. Wollte die deutsche Regierung, dass in ihrem Lande Giftgas produziert wurde? Daran hatte sie keinerlei Interesse. Dass sie gute Steuerzahler tolerierte, ist doch ebenfalls legitim, nicht wahr? Dachte denn niemand daran, dass es sich um Gas handelte, mit dem Menschen umgebracht werden sollten? F\u00fcr solche Gedanken war eben niemand zust\u00e4ndig. Jeder geh\u00f6rt zu einem Ressort, aber es gibt kein &#8220; Ressort f\u00fcr Unn\u00fctze Gedanken &#8222;. Und der belgische Chemieprofessor, Aubin Hendrickx, hat er nicht die UNO und verschiedene Regierungen \u00fcber diese t\u00f6dliche Gefahr informiert? Warum stie\u00df er auf taube Ohren?<br \/>\nJunge Menschen von heute stellen fassungslos diese Fragen, und sie erhalten immer wieder die gleichen Antworten: &#8220; Ich habe nichts gewusst, ich war nicht zust\u00e4ndig, nicht verantwortlich, habe nur Anweisungen bekommen &#8222;. Mit beklemmender \u00c4hnlichkeit wird man an die Antworten der Nachkriegszeit erinnert. Vor 50 Jahren haben Menschen ganze V\u00f6lker mit Giftgas umgebracht und nannten dies eine &#8220; saubere L\u00f6sung &#8222;, weil Millionen ohne Blutvergie\u00dfen umkamen. Die S\u00f6hne, die sich nie getraut haben, die Taten ihrer V\u00e4ter anzusehen, beteiligen sich nun an einer m\u00f6glichen Wiederholung dieser Taten, weil sie sie im Grunde nie wirklich in Frage gestellt haben. H\u00e4tten sie dies getan, w\u00e4re ihnen das Abscheuliche dieser Taten bewusst geworden, und sie w\u00e4ren dann niemals imstande gewesen, diese fortzusetzen.<br \/>\nRegie f\u00fchrte die Logik der Verdr\u00e4ngung: Ich weigere mich zu wissen, was meine Eltern mir und anderen angetan haben, ich will ihnen alles blind verzeihen, will nicht hinschauen, sie nicht verurteilen, nicht in Frage stellen, sie bleiben unangetastet, weil sie meine Eltern sind. Da mein System (mein K\u00f6rper) wei\u00df, was geschehen ist, obwohl mein Bewusstsein keine Erinnerung davon hat, solange meine Gef\u00fchle blockiert sind, dr\u00e4ngt es mich, die an mir begangenen Verbrechen (Vernichtung des Lebens) zu wiederholen, ohne es zu merken. In der Misshandlung der eigenen Kinder, im grausamen Kampf gegen vermeintliche Feinde, in der Vernichtung des Lebens, wo immer ich es aufbl\u00fchen sehe, kann ich meinen Eltern ein Denkmal setzen und ihnen meine Treue beweisen. Millionen einst gekr\u00e4nkter, gedem\u00fctigter Kinder, die sich nie bei ihren Eltern gegen die Zerst\u00f6rung, gegen die Verletzungen ihrer Integrit\u00e4t wehren durften, werden durch den Krieg an die mehr oder weniger gut abgewehrte Geschichte ihrer eigenen Bedrohung erinnert. Sie f\u00fchlen sich aufgew\u00fchlt und verwirrt. Da ihnen aber die fr\u00fchen Erinnerungen meistens und die dazugeh\u00f6renden Gef\u00fchle immer fehlen, fehlt ihnen der Durchblick. Sie greifen, auf ihrer Flucht von der eigenen schmerzhaften Geschichte, zu den einzigen Mitteln, die sie als Kinder gelernt haben: zerst\u00f6ren oder sich qu\u00e4len lassen, aber um jeden Preis blind bleiben. Blind fliehen sie vor etwas, das l\u00e4ngst geschehen ist.<br \/>\nUm die eigene Geschichte der schmerzhaften Erniedrigungen, die man ihnen als Zeichen der Liebe verkauft hatte, vor sich geheim zu halten, gehen M\u00e4nner zu Prostituierten, bezahlen sie f\u00fcr Auspeitschungen und reden sich ein, wie ihnen einst die Eltern \u00c4hnliches eingeredet haben, sie w\u00fcrden diese tragische Situation (den Verlust an W\u00fcrde und innerer Orientierung) genie\u00dfen. Um endlich die sexuellen Misshandlungen des eigenen Vaters in den Schatten der Vergessenheit zu bringen, werden Frauen zu Prostituierten und lassen sich weiter erniedrigen, mit der alten Illusion, die Austauschbarkeit und Manipulierbarkeit der M\u00e4nner w\u00fcrde ihnen irgendwelche Macht verschaffen. Das Sadomasogesch\u00e4ft und die zahlreichen Flagellanten-Klubs leben nur von diesem brennenden Wunsch der Menschen (M\u00e4nner und Frauen), mit Hilfe eines neuen, aber sehr \u00e4hnlichen Szenarios in der Gegenwart die Geschichte der eigenen Kindheit endlich und endg\u00fcltig zu begraben. Doch die Rechnung geht nie auf, und neue Wege m\u00fcssen immer weiter gesucht werden, um sich ja nicht mit der eigenen Kindheit konfrontieren zu m\u00fcssen. Alkohol und Drogenkonsum bieten sich als Hilfe an, die h\u00e4ufig teuer ist.<br \/>\nKriege hingegen liefern uns unentgeltlich, wenn auch auf Dauer nicht kostenlos, ein gewaltiges Szenario dieser Art. Sie bieten die gro\u00dfe Gelegenheit, den seit der Kindheit bestehenden emotionalen Druck im blinden Zerst\u00f6ren wie im Sichzerst\u00f6renlassen loszuwerden. Man konnte k\u00fcrzlich im Fernsehen eine Elitetruppe der US-Armee beobachten, wie sie f\u00fcr jeweilige Formen der Folter in der Gefangenschaft ausgebildet wird. Dieses brutale Training erinnerte an Praktiken von Dr. Schreber, der ja seine Qu\u00e4lereien angeblich auch nur zur Abh\u00e4rtung, also zum &#8220; Wohle &#8220; seiner Kinder, aus\u00fcbte und weltweit empfahl. Dass er dabei seinen Sadismus befriedigte, wie die Offiziere der Elitetruppen, merken die Opfer nicht. Zu dieser Truppe geh\u00f6rten auch Frauen, alle Freiwillige.<br \/>\nWenn man aus entsprechenden Nachforschungen \u00fcber die Kindheiten der &#8222;Green Berets&#8220; wei\u00df, dass alle Freiwilligen des Vietnamkrieges eine brutale Erziehung zum blinden Gehorsam, wie die Naziverbrecher, genossen haben, muss man sich nicht mehr fragen, weshalb sich Menschen absurderweise freiwillig so qu\u00e4len lassen. Es gen\u00fcgt, dass man ihnen, wie einst in der Kindheit, sagt, sie w\u00fcrden dadurch sp\u00e4teren Qualen entgehen, weil sie vorher schon lernen, hart und gef\u00fchllos zu bleiben und &#8220; kaltes Blut &#8220; zu bewahren. H\u00e4tten diese T\u00f6chter und S\u00f6hne den Zugang zu ihrer eigenen Geschichte, sie w\u00fcrden weit sinnvollere und produktivere Wege finden, um sich und die Welt vor realen Gefahren zu bewahren. Im Unterschied zum Kind muss der Erwachsene n\u00e4mlich nicht an seiner Auflehnung, Emp\u00f6rung und seinem Schmerz \u00fcber die ihm zugef\u00fcgten Leiden sterben. Er muss sich auch nicht mehr mit seiner Blindheit und seiner st\u00e4ndigen Flucht vor l\u00e4ngst Geschehenem, das er nicht kennt, zufrieden geben, weil es Wege gibt, die uns den Zugang zu unserer verdr\u00e4ngten Geschichte erm\u00f6glichen.<br \/>\nAuch die wirksamsten Waffen werden die Produktion neuer, noch schrecklicherer Waffen nicht verhindern und den zerst\u00f6rerischen Hass nicht beseitigen, solange dieser Hass auf Ersatzpersonen verschoben wird, mit Ideologien kaschiert, und nicht in seinem urspr\u00fcnglichen Kontext aufgel\u00f6st werden darf. Wenn wir das Leben auf unserem Planeten besch\u00fctzen wollen, k\u00f6nnen wir es tun, indem wir die gef\u00e4hrliche Blindheit \u00fcberall, aber vor allem in uns selber, in Frage stellen.<br \/>\nMenschen, die ihre Geschichte kennen, werden sich nicht f\u00fcr alte Abrechnungen anderer und deren Flucht vor der eigenen Vergangenheit opfern wollen. Sie werden andere, weit bessere Arten der Konfliktl\u00f6sung finden als Kriegsdrohungen und die Vernichtung des Lebens. Sie werden es auch nicht n\u00f6tig haben, andere Menschen zu opfern, um ihrer Wahrheit zu entgehen, weil sie sie gut kennen w\u00fcrden.<br \/>\nWenn unser Planet \u00fcberleben soll, gibt es zur Wahrheit, d.h. zur Konfrontation mit unserer individuellen und kollektiven Geschichte, keine Alternative. Nur deren Kenntnis kann uns vor der perfekten Selbstzerst\u00f6rung bewahren. <\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; 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in Z\u00fcrich am 21.2.1991 erschienen. Leider hat sich diesbez\u00fcglich bis heute nicht viel ge\u00e4ndert, deshalb bleibt der Inhalt immer noch aktuell. 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