Alice Miller, Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch

Ein neues Buch von Alice Miller, Jenseits der Tabus, 2009, exclusiv im Internet

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Eine Umwertung
Thursday 18 June 2009



Liebe Frau Miller,

ich danke Ihnen für ihre Antwort. Ich meine, eine der katastrophalsten Folgen der Erziehung, ausgedrückt mit: „Glaube deinen Eltern, was immer sie dir sagen, misstraue deinen Gefühlen“, ist, dass das von Anfang an beschuldigte Kind nicht lernen und erfahren kann, was gut für sein Wohlergehen ist.
Dass ich später dann nicht weiß, was gut für mich ist, was mir gut tut.
„Ich sage dir schon, was gut für dich ist. Lass das ruhig meine Sorge sein. Ich weiß schon, was gut für dich ist! Deine Eltern wollen doch nur dein Bestes!“
Das Kind kann sich gegen diese Tyrannei nicht wehren.
Letztendlich darfst du nicht lernen, was für dich gut ist, was normal für ein Kind sein könnte. Dass alle Gefühle normal und gut sind. Das ist peinigend, dass du dich später, scheinbar aus eigenem Antrieb selbst schädigend verhältst. Du verstehst nicht, warum du dir und anderen, immer wieder weh tust und Schaden zufügst. Du tust dir und anderen weh und weißt nicht warum.
Ein Kind, das nicht lernt, Wut und Zorn zu haben, gegen das Übel, den Übeltäter, der ihm weh tut, kann nicht lernen, was gut, was ihm gut tut.
Ich lerne nicht, was gut für mich und auch andere ist, weil ich nicht fühlen darf, was schlecht für mich ist. Ich darf mich gegen das Schlechte, das mir widerfährt mit meiner Wut und meinem Zorn nicht wehren.
Das Kind verzweifelt und wird auch noch weggeschickt.
„Was weinst du denn schon wieder. Schau dich nur an!“
Dass das Kind an sich verzweifelt, weil es selbst ständig einen Ausweg sucht aus dem Dilemma, zu fühlen und zu wissen, was ihm weh tut, aber das nicht zeigen darf und sich nicht dagegen wehren kann, lässt das Kind immer mehr verstummen. Das ist eine schreckliche Welt, weil es eine ohne Ausweg ist.
Ein großes Geschenk, das Sie uns mit Ihrem „Jenseits der Tabus“ machen ist, dass Sie die Kinder immer wieder darin bestärken, sich als Opfer zu fühlen. Denn das durften wir als Kinder nie. Opfer sein, scheint mir, war das größte Tabu. Wehrlos, hilflos, schutzbedürftig wollte keiner sein, durfte keiner sein. Die wenigsten von uns durften ein Kind sein. Aber als Erwachsene können wir uns endlich wehren und dann erfahren, was uns gut tut und wer uns tatsächlich wohl gesonnen ist

Mit Herzlichen Grüßen, HR





AM: Ja, es WAR "eine schreckliche Welt ohne Ausweg", aber jetzt, da wir es wagen, dies zu sehen, "können wir uns endlich wehren", schreiben Sie. Man wollte uns blind machen und hat uns den berechtigten Zorn verboten. Aber der hat immerhin überlebt, und anstatt uns krank zu machen, gibt er uns die Sehkraft zurück. Sie beschreiben so genau, konkret und erlebt, wie man die Kinder emotional und mental verwirrt und wie diese Verwirrung sie ihr Leben lang prägt. Vielleicht gelingt es Ihnen, diese konkreten Schilderungen, dieses Umwerten des Geläufigen, in einem Buch zu veröffentlichen, das könnte in manchem Leser den unterdrückten Zorn befreien und ihm helfen, aus den üblichen Bewertungen ("ich habe die Schläge verdient, das hat noch niemandem geschadet, nimm dich doch zusammen "usw.) auszusteigen.

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