{"id":2874,"date":"2006-09-11T14:11:28","date_gmt":"2006-09-11T13:11:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2874"},"modified":"2015-12-01T14:40:04","modified_gmt":"2015-12-01T13:40:04","slug":"krankenkassen-finanzieren-die-lobbyarbeit-fur-kinderschander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/krankenkassen-finanzieren-die-lobbyarbeit-fur-kinderschander\/","title":{"rendered":"Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Klaus Schlagmann<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nder<br \/><span class=\"soustitre\">Monday 11 September 2006<\/span><\/h1>\n<p><b>Psychotherapeutenkammer-Vorstand behindert kritische Diskussion<\/b><\/p>\n<p>\u2022 Kindersch\u00e4nder w\u00e4lzen h\u00e4ufig ihre Schuld auf die Opfer ab. <br \/>\n\u2022 Eine psychotherapeutische Fachpublikation von 1999 behauptet: Eine Grund-sch\u00fclerin erlebe bei einer Vergewaltigung durch ihren Vater \u201etypischer Weise\u201c einen \u201esexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter\u201c! Sie m\u00fcsse \u201eihre Schuld tolerieren\u201c! <br \/>\n\u2022 Diese These geht letztlich zur\u00fcck auf die Lehre von Sigmund Freud, der in diesem Jahr zu seinem 150. Geburtstag weltweit geehrt wurde.<br \/>\n\u2022 Der Vorstand der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes behindert bis heute aktiv eine kritische Diskussion \u00fcber diese Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nder. <br \/>\n\u2022 Mit meinem Appell richte ich mich an die Kostentr\u00e4ger von Psychotherapie und an die \u00d6ffentlichkeit: Helfen Sie mit, die Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nder zu stoppen!<\/p>\n<p>Kommt der sexuelle Missbrauch von Kindern zur Anklage, dann w\u00e4lzen die T\u00e4ter oft ihre Schuld auf die Opfer ab, indem sie behaupten, sie seien von den Minderj\u00e4hrigen provoziert worden. Eine geradezu \u201eprofessionelle\u201c Schuldzuweisung an die Opfer wird dabei (wohl unfreiwillig) von den Krankenkassen finanziert \u2013 als sogenannte \u201ePsychoanalyse\u201c. <br \/>\nEin Fallbeispiel: Eine Frau leidet an schweren depressiven St\u00f6rungen; sie ist als Kind von unter zehn Jahren von ihrem Vater vergewaltigt worden. Ihr Psychoanalytiker deutet: Die Grundsch\u00fclerin habe dabei \u201etypischer Weise\u201c einen \u201esexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter\u201c erlebt. Die Frau m\u00fcsse \u201eihre Schuld tolerieren\u201c. So Otto F. Kernberg, Mitglied im Beirat der Lindauer Psychotherapiewochen. Er hatte in Lindau diese und \u00e4hnliche Anklagen 1997 unwidersprochen vorgetragen, 1999 publiziert. <br \/>\nWoher kommt eine solch gnadenlose Ignoranz gegen\u00fcber den kindlichen Opfern von sexuellem Missbrauch in psychotherapeutischen Fachkreisen? <br \/>\nEin gut einhundert Jahre altes, bis heute ger\u00fchmtes Lehrwerk der Psychotherapie liest sich wie ein Handbuch f\u00fcr Kindersch\u00e4nder: Der 27j\u00e4hrige Herr Z. presst eine 13-J\u00e4hrige in seinem menschenleeren B\u00fcro an sich und k\u00fcsst sie \u2013 gegen ihren Willen \u2013 auf den Mund. Obendrein sp\u00fcre sie dabei die Erektion des Mannes. Sie ekelt sich, rei\u00dft sich los und rennt weg. Dies beweise, dass das M\u00e4dchen bereits \u201eganz und voll hysterisch\u201c sei: \u201eAnstatt der Genitalsensation [= sexuellen Erregung], die bei einem gesunden M\u00e4dchen unter solchen Umst\u00e4nden gewi\u00df nicht gefehlt h\u00e4tte, stellt sich bei ihr \u2026 der Ekel [ein]\u201c! Der Fachmann: \u201eIch kenne zuf\u00e4llig Herrn Z.; &#8230;. ein noch jugendlicher Mann von einnehmendem \u00c4u\u00dfern\u201c. Zwei Jahre sp\u00e4ter quittiert das M\u00e4dchen einen Heiratsantrag dieses (verheirateten) Herrn mit einer Ohrfeige. Der Autor analysiert: \u201eDass sie von dem Vorfalle ihre Eltern in Kenntnis gesetzt, legte ich als eine Handlung aus, die bereits unter dem Einflusse krankhafter Rachsucht stand. Ein normales M\u00e4dchen wird, so sollte ich meinen, allein mit solchen Angelegenheiten fertig.\u201c \u201eGesunde\u201c und \u201enormale\u201c Jugendliche halten demnach bei solcher Zudringlichkeit still, genie\u00dfen ihre Erregung und sind gegen\u00fcber ihren Eltern verschwiegen!<br \/>\nSigmund Freud, der Autor dieses \u201eHandbuchs\u201c \u2013 Bruchst\u00fcck einer Hysterieanalyse (1905) \u2013 verfolgt seit dem September 1897 die These vom \u201epolymorph perversen Kind\u201c und vom \u201e\u00d6dipuskomplex\u201c. Die Abneigung von Jugendlichen gegen die Zudringlichkeit von Erwachsenen ist f\u00fcr ihn der Ausdruck einer psychischen St\u00f6rung, deren Ursache sucht er in (unterstellten) kindlichen Perversionen. Dies f\u00fchrt \u2013 konsequent zu Ende gedacht \u2013 zu Otto Kernbergs These vom \u201esexuell erregenden Triumph\u201c eines vergewaltigten Kindes und von dessen \u201eSchuld\u201c. Der langj\u00e4hrige Pr\u00e4sident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA) findet damit leider immer wieder begeisterte Zustimmung unter sogenannten Fachleuten, wie z.B. das Werbematerial einer mit ihm geplanten Veranstaltung Ende Oktober 2006 in Rott-weil belegt:<br \/>\nhttp:\/\/www.milton-erickson-institut.de\/programm\/workshops\/kernberg.html <br \/>\nDie von Kernberg propagierte \u201eTherapie\u201c muss jedoch m.E. bei den Betroffenen geradezu eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes bewirken! Deshalb werbe ich seit dem Jahr 2000 bei Kongressen, mit Publikationen, per Email-Rundschreiben, auf einer Homepage (http:\/\/www.oedipus-online.de) oder in Diskussionen f\u00fcr Widerspruch gegen Kernbergs Position. Meine Kritik wurde teilweise br\u00fcsk abgewiesen, \u00fcberwiegend beschwiegen. Am 19. Dezember 2000 hatte ich das Saarl\u00e4ndische Ministerium f\u00fcr Gesundheit und Soziales um Unterst\u00fctzung gebeten. Psychiatriereferent Ingwardt Tauchert lehnte ab: Die Politik sei nicht zust\u00e4ndig. Das Problem geh\u00f6re in eine Psychotherapeutenkammer. Die gab\u2019s aber damals noch nicht.<br \/>\nAls sich im Jahr 2004 im Saarland eine solche Kammer konstituiert hatte, schrieb ich einen Leserbrief an deren Organ, das FORUM, das alle 408 Kammermitglieder kostenlos beziehen. Auf dem Hintergrund ausgiebiger Zitate aus Kernbergs Text wollte ich an meine Kollegen\/-innen appellieren: \u201eIm Interesse unserer KlientInnen und im Interesse unseres Rufes sollten wir derartig unmenschlichen Positionen, wie oben zitiert, ausdr\u00fccklich eine gemeinschaftliche Absage erteilen!\u201c Der Brief wurde nicht abgedruckt. Begr\u00fcndung der Kammerpr\u00e4sidentin Ilse Rohr im FORUM 4 (September 2004): Das FORUM wolle \u201ekeine Plattform f\u00fcr Vorurteile oder Polemik bieten\u201c!<br \/>\nIn der Vertreterversammlung der Kammer vom 28. Februar 2005 stellte ich meinen Beitrag zur Diskussion. Meine Kritik verunglimpfe Arbeitsmethoden, so das Protokoll dieser Sitzung. Meine Bem\u00fchungen, eine Debatte zu dem Thema anzuzetteln, wurden bis in den M\u00e4rz 2006 hinein von Seiten des Kammervorstands nach Kr\u00e4ften behindert. (Genauere Darstellung unter: http:\/\/www.oedipus-online.de\/rohr.html)<br \/>\nDa meine langj\u00e4hrigen bundesweiten Bem\u00fchungen um kritische Diskussion innerhalb des Kollegenkreises ohne nachhaltige Resonanz geblieben sind, richte ich nun meinen Appell an die Kostentr\u00e4ger der Psychotherapie und an die \u00d6ffentlichkeit: <br \/>\n\u2022 Die Opfer von sexuellem Missbrauch leiden oft genug an Schuldgef\u00fchlen, weil sie ihnen z.B. von den T\u00e4tern eingeredet wurden. Legen Sie denjenigen \u201eFachleuten\u201c das Handwerk, die die Leidtragenden weiter in diese Schuldgef\u00fchle hineintreiben! <br \/>\n\u2022 Stoppen Sie die Finanzierung einer derartigen Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nder! <br \/>\n\u2022 \u00dcben Sie Druck aus auf den bisherigen Vorstand der Saarl\u00e4ndischen Psychotherapeutenkammer, den Weg frei zu machen f\u00fcr eine kritische Diskussion des bezeichneten Missstands!<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; 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oder Der blinde Fleck unserer Kultur<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/abschied-von-den-eltern\/\">&#8222;Abschied von den Eltern&#8220;<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-2\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 2<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-1\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 1<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/geborgenheit-in-der-moral-oder-die-wahrheit-der-erfahrungen\/\">Geborgenheit in der Moral oder Die Wahrheit der Erfahrungen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auf-der-suche-nach-der-eigenen-geschichte-der-schriftsteller-jurek-becker\/\">Auf der Suche nach der eigenen Geschichte: Der Schriftsteller Jurek Becker<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-doppelte-falle\/\">Die doppelte Falle<\/a><\/li><\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Klaus Schlagmann<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a href=\"\/de\/krankenkassen-finanzieren-die-lobbyarbeit-fur-\nkinderschander\/\">Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr<br \/>\nKindersch\u00e4nder<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">Claudio Breda<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/bloss-nie-nachgeben-2\/\">Bloss nie nachgeben<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Klaus Schlagmann Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr Kindersch\u00e4nderMonday 11 September 2006 Psychotherapeutenkammer-Vorstand behindert kritische Diskussion \u2022 Kindersch\u00e4nder w\u00e4lzen h\u00e4ufig ihre Schuld auf die Opfer ab. \u2022 Eine psychotherapeutische Fachpublikation von 1999 behauptet: Eine Grund-sch\u00fclerin erlebe bei einer Vergewaltigung durch ihren Vater \u201etypischer Weise\u201c einen \u201esexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter\u201c! 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