{"id":2955,"date":"2005-02-01T13:15:38","date_gmt":"2005-02-01T12:15:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2955"},"modified":"2015-12-02T13:17:58","modified_gmt":"2015-12-02T12:17:58","slug":"uber-einige-aspekte-der-neueren-traumatherapien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/uber-einige-aspekte-der-neueren-traumatherapien\/","title":{"rendered":"\u00dcber einige Aspekte der neueren Traumatherapien"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Thomas Gruner<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">\u00dcber einige Aspekte der neueren Traumatherapien<br \/><span class=\"soustitre\">Tuesday 01 February 2005<\/span><\/h1>\n<p>Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die psychotherapeutische Forschung und Praxis auch in Deutschland konkreter der realen Lebensgeschichte derjenigen Menschen zugewandt, die therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie in ihrer Kindheit schweren sexuellen oder k\u00f6rperliche \u00dcbergriffen innerhalb der Familie ausgesetzt waren. Die Tatsache, dass viele Kinder misshandelt und sexuell missbraucht werden, wurde nun ebenso anerkannt wie die Langzeitfolgen der Traumatisierung im Leben des Erwachsenen. Es etablierte sich die sogenannte Traumatherapie, die nun nicht mehr nur Opfern staatlicher Gewalt (Folteropfern) zur Verf\u00fcgung stand. Ferner \u00f6ffnete sich die Forschung allm\u00e4hlich der Tatsache, dass auch m\u00e4nnliche Kinder ebenso wie M\u00e4dchen sexuellen \u00dcbergriffen ausgesetzt sind und dass die als Kind erlittene Gewalt auch im Leben des erwachsenen Mannes massive Schwierigkeiten und Leidenszust\u00e4nde bewirken kann. Eine in diesem Zusammenhang in Deutschland sehr bekannte Autorin ist Dr. Luise Reddemann mit ihrem Hauptwerk &#8222;Imagination als heilsame Kraft&#8220; (zuletzt erschienen 2003), in dem die zentralen Gedanken der neuen Traumatherapie formuliert werden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier Fragen und Anmerkungen artikulieren, die einzelne Aspekte der Traumatherapie (wie sie in der Literatur nicht nur von Reddemann in unterschiedlicher Akzentuierung durchgehend diskutiert werden) bei mir ausl\u00f6sten. Dies mache ich sehr bewusst von au\u00dfen, als interessierter Leser, denn ich bin der Auffassung, dass jede Theorie mit der individuellen Lebenserfahrung verglichen werden sollte. Zu fragen ist nach dem Verbleib der Realit\u00e4t in der therapeutischen Praxis. Dabei zeigt sich, dass der Geschichte des ehemaligen Kindes wie dem emotionalen Erleben der Klientinnen und Klienten auch mit Hilfe neuer theoretischer Konzepte oftmals ausgewichen wird, indem &#8222;therapeutische Interventionen&#8220; die m\u00f6glichst genaue Kenntnis der realen Vorkommnisse in der Kindheit und des tats\u00e4chlichen Charakters der Eltern umgehen oder ganz vermeiden. Das wirkt sich nachteilig auf jene Minderheit von Hilfesuchenden aus, die sich dieses Wissen unbedingt erarbeiten und sich den Folgen der Traumatisierung in ihrem sp\u00e4teren Leben stellen wollen.<br \/>\nManchmal ist es sicherlich besser, wenn ein Mensch, der sich in gro\u00dfer seelischer Not befindet, wenigstens zum Teil therapeutische Hilfe oder \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit eines Gespr\u00e4chs erh\u00e4lt. Dennoch besteht in meinen Augen weiterhin die Notwendigkeit, nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben, sondern die Therapieangebote konsequent von gesellschaftlich vermittelten Klischees, versteckten moralischen und religi\u00f6sen Dogmen und von ihrem direkten oder indirekten Erziehungsauftrag zu befreien. Voraussetzung meiner \u00dcberlegungen ist dabei immer, dass jeder Hilfesuchende selbst entscheidet, ob \u00fcberhaupt und in welchem Ma\u00dfe er sich mit seiner Lebensgeschichte auseinandersetzen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\n&#8222;Heilsame Imaginationen&#8220; und die &#8222;Ressourcen&#8220; der Klienten als Schutz gegen bedr\u00e4ngende Gef\u00fchle<\/p>\n<p>Viele Therapeuten, die sich auf die Behandlung der sogenannten posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung konzentrieren, sind sich der Tatsache bewusst, dass in der Kindheit erlittene Gewalt zu einem Gef\u00fchlsstau f\u00fchren kann, der das Alltagsleben des Betreffenden massiv beeintr\u00e4chtigt. Die Klienten sollen durchaus ihre Gef\u00fchle in der Therapie zum Ausdruck bringen, zugleich wird mit Hilfe verschiedener Techniken und \u00dcbungen versucht, die Intensit\u00e4t des emotionalen Erlebens zu steuern, letztlich abzuschw\u00e4chen, in der guten Absicht, dieses f\u00fcr den Klienten ertr\u00e4glicher zu gestalten, ein pl\u00f6tzliches Aufbrechen der Abwehr zu verhindern.<br \/>\nEine sehr bekannte imaginative \u00dcbung in diesem Zusammenhang bietet beispielsweise an, eine Patientin, die in der Kindheit vergewaltigt wurde, m\u00f6ge sich vorstellen, ihre belastenden wiederkehrenden Erinnerungen seien lediglich ein schlechter Film, nicht eine vergangene Realit\u00e4t, die in die Gegenwart einbricht. Diesen Film schlie\u00dfe sie nun in einen Tresor, der mittels einer komplizierten Zahlenkombination sorgsam verschlossen werde und somit nicht mehr auftauchen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Wenn ich mich mit dieser \u00dcbung auseinandersetze, bin ich versucht, zu formulieren, dass man der Patientin am Ende noch empfehlen wird, die Zahlenkombination schleunigst zu vergessen, damit sie gar keinen Zugang zu diesem &#8222;Film&#8220; mehr bekommt. Starke seelische Schmerzen erzeugen verst\u00e4ndlicherweise ebenso starke \u00c4ngste und vielen Betroffenen wird jedes Angebot sehr gelegen kommen, das ihnen erm\u00f6glicht, weder die Schmerzen noch die \u00c4ngste f\u00fchlen zu m\u00fcssen oder zumindest zeitweilig erneut verdr\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Doch die Angst vor den schmerzhaften emotionalen Erlebnissen weicht, wenn diese verst\u00e4ndlich und im Kontext der Geschichte des Kindes als folgerichtig erlebt werden. Dann wird nach und nach von innen heraus klarer, dass die Ereignisse in der Vergangenheit stattgefunden haben und der Erwachsene durchaus die M\u00f6glichkeit hat, retraumatisierende Faktoren aus seiner Gegenwart auszuschlie\u00dfen oder (wenn das nicht immer m\u00f6glich ist) anders mit diesen umzugehen. Die Erfahrung, dass die mit den Gewalterfahrungen verbundenen Gef\u00fchle vom Erwachsenen ganz anders verarbeitet werden k\u00f6nnen als von einem hilflosen Kind, k\u00f6nnte durchaus ermutigend und st\u00e4rkend wirken, aber daf\u00fcr m\u00fcssten diese Gef\u00fchle erlebt und nicht vorschnell verriegelt werden, sei es im Inneren oder in einem imaginierten Tresor.<\/p>\n<p>Der spezielle Inhalt dieser \u00dcbung macht deutlich, dass sehr reale Erlebnisse des Kindes in den Bereich des Irrealen verbannt werden. So war beispielsweise der Inzest eben gerade kein schlechter Horrorfilm sondern Wirklichkeit. Und mir leuchtet nicht ein, warum eine Patientin so tun soll, als verhielte es sich anders. Vom Irrealen ist es nur ein kleiner Schritt zum Irrationalen, was \u00dcbungen verdeutlichen, mit deren Hilfe sich der Klient mit der Vorstellung vertraut machen soll, in seinem Inneren existierten lauter kleine helfende Wesen. Ein in der Familie misshandeltes Kind wird sich unter Umst\u00e4nden der Phantasie \u00fcberlassen, es sei umgeben von unsichtbaren Helfern. Ein erwachsener Mensch h\u00e4tte dies nicht unbedingt n\u00f6tig, er w\u00fcrde vielleicht ganz reale F\u00e4higkeiten der Selbsthilfe in sich entdecken, je mehr er merkt, dass er auch sehr belastende Ereignisse der Kindheit anschauen und allm\u00e4hlich als Teil seiner Vergangenheit integrieren kann: Es ist furchtbar bis heute, aber so und nicht anders ist es gewesen. Auf der einen Seite m\u00f6chte die Traumatherapie ganz zurecht helfen, starke regressive Zust\u00e4nde zu vermeiden, auf der anderen Seite f\u00f6rdert sie durch solche \u00dcbungen das Verbleiben der Klienten in einer nicht mehr angemessenen kindlichen Verfassung. Es k\u00f6nnte doch immerhin sein, dass ein Mensch mehr bew\u00e4ltigen kann, als manche Therapeuten glauben wollen, und kleine Feen und Elfen nicht mehr braucht.<\/p>\n<p>Das von den Eltern bedrohte Kind lernt sehr fr\u00fch, Gef\u00fchle abzuspalten oder in eine Phantasiewelt zu fl\u00fcchten. Diese \u00dcberlebensstrategie beh\u00e4lt auch der Erwachsene meist unbewusst bei. Immer, wenn er sich gef\u00e4hrdet oder belastet f\u00fchlt, kann er &#8222;aussteigen&#8220;.<br \/>\nEin Mann schilderte diesen Vorgang in einer Gruppe einmal so: Er habe in einem Seminar auf der Universit\u00e4t Protokoll schreiben m\u00fcssen. Die Diskussion sei sehr hitzig verlaufen, die Seminarteilnehmer h\u00e4tten sich erbittert bek\u00e4mpft, vermutlich weil sie sich profilieren wollten. Diese Situation sei auch deswegen f\u00fcr ihn so unertr\u00e4glich gewesen, weil man sehr beengt beieinander gesessen habe. Der Mann konnte sich an ein pl\u00f6tzliches Panikgef\u00fchl erinnern, es sei f\u00fcr ihn so gewesen, als ob er wieder als kleiner Junge ver\u00e4ngstigt am Tisch mit den Eltern sitze, die sich laut und gewaltt\u00e4tig stritten. Er berichtete weiter: Und pl\u00f6tzlich war ich buchst\u00e4blich weg. Ich habe im Seminar gesessen, bin danach mit der Bahn nach Hause gefahren. Erst in der Wohnung wachte ich sozusagen auf. Ich merkte, dass ich mich an das Seminar nicht mehr erinnern konnte, weder an die Diskussion noch an den Anlass der Auseinandersetzung. Auch an die Heimfahrt &#8211; ich musste ein Mal umsteigen &#8211; konnte ich mich nicht mehr erinnern. Ich war sehr erschrocken, denn schlie\u00dflich sollte ich ein Protokoll verfassen, ich stellte aber fest, dass ich offenbar mitgeschrieben hatte, den Verlauf der Diskussion in Stichpunkten festgehalten, doch auch daran konnte ich mich nicht erinnern. Mir wurde zum ersten Mal klar, wie oft in meinem Leben ich in eine solche Verfassung geraten bin, eigentlich ohne es zu merken, dabei will ich doch bei mir bleiben; ich will herausfinden, wovor ich Angst bekomme und warum.<\/p>\n<p>Bei Reddemann werden die hier angedeuteten \u00dcbungen auch unter dem Schlagwort &#8222;bewusstes Dissoziieren&#8220; empfohlen. Ich meine, dies kann in der Praxis verhindern, dass ein Klient in der Tiefe begreift, was seine Gef\u00fchle ausl\u00f6ste, woran sie ihn erinnern, warum sie ausgel\u00f6st wurden. Jemand, der sehr lange abgetrennt war von seinen echten Gef\u00fchlen, wird diese wom\u00f6glich nicht so schnell wieder verlassen wollen. Denn die echten, intensiven Gef\u00fchle (auch und gerade die schmerzhaften, \u00e4ngstigenden) sind Teil unserer Authentizit\u00e4t, die ja vor allem von gewaltt\u00e4tigen Eltern in der Kindheit bek\u00e4mpft wurde. \u00dcbrigens brauchen wir den Zugang zu unseren Emotionen und realen Erlebnissen in der Kindheit, um wenigstens eine Chance zu haben, die Depression (als ein Ausdruck des Selbstverlustes) aufzul\u00f6sen. (Gegen verinnerlichte Schuldgef\u00fchle oder den Selbsthass werden solche \u00dcbungen ganz sicher nichts ausrichten k\u00f6nnen, denn dazu m\u00fcsste man sich schon genauer und intensiver die \u00dcbergriffe der Eltern ansehen.)<br \/>\nDer Organismus eines misshandelten Kindes reagiert auf Krisen und Belastungen mit einer inneren Fluchtbewegung. Hier w\u00e4re sp\u00e4ter wohl eher ein Prozess des Umlernens erforderlich, das konsequente Bem\u00fchen, in der Gegenwart zu bleiben, um heraus zu finden, ob und wie der Erwachsene heute mit der \u00dcberforderungssituationen umgehen kann.<\/p>\n<p>Die Psychoanalyse behauptet gerne, mit den Gef\u00fchlen der Klienten zu arbeiten, tats\u00e4chlich werden diese aber durch die Forderung nach Einsicht und theoriekonforme Deutungen meist schnell erstickt. Eine \u00e4hnliche Folge lie\u00dfe sich bei den verschiedenen \u00dcbungen und &#8222;Interventionen&#8220; im Rahmen der Traumatherapie bef\u00fcrchten.<br \/>\nIn diesem Zusammenhang hat mich auch &#8222;EMDR&#8220; nicht \u00fcberzeugt, ein Verfahren, das anf\u00e4nglich wie eine &#8222;Wunderwaffe&#8220; gegen Traumafolgen angepriesen wurde, was mein Misstrauen begr\u00fcndete. Nach zw\u00f6lf Sitzungen mit dieser Methode wurden Klienten gleichsam als geheilt entlassen. Dies hat sich inzwischen offenbar ge\u00e4ndert, doch fehlt mir der Glaube, dass das sogenannte rapid eye movement im Wachzustand tats\u00e4chlich zu einer echten Aufarbeitung der Vergangenheit beitr\u00e4gt. Die verschiedenen Techniken, die im Kontext von &#8222;EMDR&#8220; zus\u00e4tzlich in Anwendung kommen, wie Fingerschnippen und H\u00e4ndeklatschen, hinterlassen bei mir den Eindruck, als ob die Klienten eher von ihren Emotionen abgelenkt werden sollen oder dass auf Hokuspokus zur\u00fcck gegriffen wird, um sich nicht ernsthaft mit der beklemmenden Biographie der Hilfesuchenden befassen zu m\u00fcssen. Im Gegensatz zu diversen \u00dcbungen habe ich &#8222;EMDR&#8220; niemals selbst ausprobiert und m\u00f6chte es daher bei der Artikulation dieser Zweifel belassen.<\/p>\n<p>Eine in der Kindheit schwer misshandelte Frau erz\u00e4hlte mir einmal, wie sie von ihrer Therapeutin ermuntert wurde, ihr tief verinnerlichtes Empfinden von Selbsthass und Selbstekel zu bek\u00e4mpfen, indem sie sich an Spiegel, W\u00e4nde und T\u00fcren kleine Zettel heften sollte mit S\u00e4tzen wie: Ich bin sch\u00f6n, ich habe einen Wert, ich bin in der Welt willkommen. Auch in den Therapiestunden sollte sie diese S\u00e4tze immer wieder laut aussprechen, bis sie sich diese schlie\u00dflich selbst glauben k\u00f6nne. Dieser Effekt, so meinte die Frau, sei aber nie eingetreten. Offenbar war die Therapeutin nicht auf die Idee gekommen, dass durch solche &#8222;positiven Kognitionen&#8220; die machtvollen negativen Botschaften der Eltern an das Kind kaum aufzuheben sind und dass es darauf ankommt, sich selbst endlich eine Existenzberechtigung zuzubilligen. Man kann Menschen sicher vieles einreden und in der Not fl\u00fcchten manche verst\u00e4ndlicherweise in den Selbstbetrug. Es fragt sich nur, wie lange es dauert, bis sich das echte Gef\u00fchl der Entwertung wieder meldet, um daran zu erinnern, dass ein Mensch sich seit so langer Zeit durch die Augen der Eltern sieht. Aus der eigenen Erfahrung heraus meine ich, dass es sich lohnen k\u00f6nnte, im Detail zu realisieren, wie die Eltern welche Botschaften dem Kind vermittelten. Wie kam das Gef\u00fchl der Wertlosigkeit zustande? Wozu brauchten es die Eltern, ihr Kind zu entw\u00fcrdigen? Nach und nach kann ein innerer Widerstand gegen die L\u00fcgen, die lebensverneinenden Botschaften der Eltern wachsen, n\u00e4mlich dann, wenn in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein Selbst- und Selbstwertgef\u00fchl w\u00e4chst, das hei\u00dft ein Mensch parteilich auf der Seite des Kindes stehen kann, das er gewesen ist.<\/p>\n<p>Es erscheint mir wenig sinnvoll, \u00dcberlebensstrategien zu nutzen (etwa das &#8222;Aussteigen&#8220;), die in der Kindheit eine (und oft die einzige) Notl\u00f6sung darstellten, in der Gegenwart aber sehr oft Leben verhindern und den Umgang mit den Erfordernissen des Alltags erschweren. In diesem Zusammenhang wird viel von der &#8222;ressourcen-orientierten&#8220; Arbeit mit den Klientinnen und Klienten gesprochen. Die F\u00e4higkeit von Kindern, innerhalb eines bedrohlichen Familienklimas Strategien des \u00dcberlebens zu entwickeln, ist in der Tat erstaunlich. Und sehr oft verblassen hinter den Folgen der fr\u00fchen Verletzungen die M\u00f6glichkeiten, die bewahrt werden konnten, die dem Erwachsenen jetzt eigentlich zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden, w\u00e4re er nicht so sehr mit depressiven Zust\u00e4nden oder starken seelischen Schmerzen besch\u00e4ftigt, die die sogenannten Ressourcen verschlingen k\u00f6nnen. Manche Menschen \u00fcbersehen lange, was f\u00fcr eine gewaltige Lebensleistung sie auch als Erwachsene buchst\u00e4blich stemmen, indem sie sich oft unter sehr widrigen Umst\u00e4nden dennoch intensiv mit den Schrecken ihrer Kindheit konfrontieren. Diese Arbeit hingegen umfassend zu w\u00fcrdigen, kann das Selbstvertrauen st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Es ist mehr als notwendig, Klienten, deren Selbstwertgef\u00fchl ohnehin gegen Null geht, nicht nur als B\u00fcndel von St\u00f6rungen zu begreifen. Es kann aber sein, dass ein Mensch zun\u00e4chst dringend einen Ort braucht, an dem er seine Leiden und Klagen artikulieren kann, weil ihm bislang niemals zugeh\u00f6rt wurde. Verweist aber ein Therapeut sogleich auf Leistungen, die der Klient trotz allem (und nicht etwa aufgrund der Misshandlungen) erreicht hat, wird doch letztlich die Botschaft vermittelt: Was h\u00e4ltst du dich mit deinen schmerzhaften Gef\u00fchlen und der Vergangenheit auf, freue dich doch lieber, dass du zum Beispiel eine berufliche Ausbildung absolvieren konntest. In meinen Augen wird damit eine Situation hergestellt, die der in der Kindheit stark gleicht. Es ist wieder niemand da, der der aktuellen Not aufmerksam zuh\u00f6rt, diese nicht bagatellisiert oder beschwichtigt. Und es k\u00f6nnte sein, dass einige Therapeuten das eigene Unbehagen vor den Gef\u00fchlen der Klienten immer wieder dazu n\u00f6tigt, auf das Positive in deren Leben hinzuweisen, mit dem diese aber gerade nun ganz und gar nichts anfangen k\u00f6nnen, weil ihre Gef\u00fchle nun einmal so sind, wie sie sind. So kommt der Eindruck zustande, dass auch die Traumatherapien sehr oft dem Gebot gehorchen: Du sollst nicht f\u00fchlen, was du f\u00fchlst. Wenn dies der Fall ist, arbeiten sie tats\u00e4chlich in der Sph\u00e4re der Imagination.<\/p>\n<p>\nDie Neubewertung des Traumas und dessen sinnstiftende Ausdeutung als Therapieziele<\/p>\n<p>Als am 26. Dezember 2004 die s\u00fcdasiatischen K\u00fcsten von einer gigantischen Flutwelle verw\u00fcstet wurden, waren auch zahlreiche deutsche Touristen unter den Opfern der Katastrophe. Die Fernsehsender berichteten ausf\u00fchrlich \u00fcber das Ereignis und befragten \u00fcberlebende Opfer vor Ort. Ein Mann wurde in einem thail\u00e4ndischen Krankenhaus interviewt, er wartete auf seine Evakuierung nach Deutschland und stand sichtlich unter Schock. Sehr verst\u00f6rt und hilflos erz\u00e4hlte er, dass seine Frau und seine beiden kleinen T\u00f6chter ums Leben gekommen waren, er alleine nach Hause zur\u00fcck kehren m\u00fcsse. Daraufhin befragte die Moderatorin der Sendung einen in K\u00f6ln ans\u00e4ssigen Psychotherapeuten, der sich auf die Behandlung traumatisierter Menschen spezialisiert hat: Ob es f\u00fcr diejenigen, die Angeh\u00f6rige verloren h\u00e4tten, nicht sinnvoll sei, einen Therapeuten aufzusuchen und wie Therapie in diesem Fall helfen k\u00f6nne. Unbedingt sei hier eine Psychotherapie erforderlich, meinte der Therapeut, weil damit zu rechnen sei, dass starke Gef\u00fchle auftauchten, wenn der Schockzustand nachlie\u00dfe, die allein nicht zu bew\u00e4ltigen w\u00e4ren. Der Therapeut w\u00fcrde dann helfen, die Gef\u00fchle auszudr\u00fccken und die Katastrophe immer wieder durchzusprechen, und zwar solange, bis ihr innerhalb der Lebensgeschichte eine positive Bedeutung oder ein Sinn zuerkannt werden k\u00f6nne. So habe etwa der Mann, dessen Familie ausgel\u00f6scht wurde, ohne die Katastrophe niemals erfahren k\u00f6nnen, dass er imstande sei, dieselbe zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Es geht also um eine Umwertung der traumatischen Ereignisse und um eine sinnstiftende Verarbeitung der schrecklichen Erfahrungen. Was aber bedeutet das?<br \/>\nIch denke, es ist sehr entscheidend, ob es einem Menschen gelingt, den Kindheitstraumen im erwachsenen Leben immer mehr die Macht zu nehmen, so dass im g\u00fcnstigen Fall die Traumatisierung und ihre Folgen nicht mehr so stark den Alltag beherrschen und vergiften.<br \/>\nDoch wie soll man etwas, das furchtbar war, nachtr\u00e4glich anders empfinden oder bewerten? Positiv am Ende? Das dr\u00e4ngt sich immerhin auf. Welche positive Bedeutung, welchen Wert hat die Misshandlung eines Kindes in dessen sp\u00e4teren Leben als Erwachsener? Ich vermag nichts dergleichen zu entdecken.<br \/>\nF\u00fcr mich bedeutet seelisches Wachstum das Gegenteil: nicht die Umdeutung einer Biographie, sondern die F\u00e4higkeit, mit ihr ohne Besch\u00f6nigungen umgehen zu k\u00f6nnen. Die Vorschl\u00e4ge der Traumatherapie m\u00f6gen gut gemeint sein, sie sind jedoch naiv und vor allem besteht die Gefahr der Manipulation von Klienten und der Verdrehung lebensgeschichtlicher Fakten.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sehe ich es in der Frage der sinnstiftenden Verarbeitung. Es entsteht der Eindruck, auf irgendeine Weise k\u00f6nne dem Missbrauch innerhalb der Biographie doch ein Sinn zugesprochen werden. Macht der sexuelle Missbrauch eines Kindes Sinn? Und wenn ja, welchen? Ist es nicht grausam, von einem Mann, der seine Kinder und seine Frau durch eine Katastrophe verlor, zu verlangen, diesem, sein gesamtes weiteres Leben \u00fcberschattenden Einbruch einen positiven Begleiteffekt abzugewinnen?<br \/>\nFrau Reddemann ist beispielsweise der Auffassung, die (wie sie zugesteht, schwer zu erreichende) Kr\u00f6nung einer Therapie sei es, wenn die in der Kindheit vergewaltigte Klientin so weit komme, ihrem Schicksal dankbar zu sein, denn ohne den Inzest w\u00e4re sie ja nicht die Pers\u00f6nlichkeit geworden, die sie ist. Was mag damit gemeint sein? Die Klientin h\u00e4tte ohne die Inzesterfahrung einen weniger lauteren Charakter, keine emotionale Tiefe, weniger Phantasie? Ich zweifele und frage mich weiter, ob Reddemann und ihren Kollegen bewusst ist, sich mit diesen und \u00e4hnlichen \u00dcberlegungen nolens volens letztlich einem sehr bekannten, in meinen Augen kriminellen Guru anzuschlie\u00dfen, der (ohne psychotherapeutische Ausbildung, versteht sich) Klientinnen gegen Zahlung von (selbstredend) viel Geld dazu n\u00f6tigt, sich vor ihren imaginierten V\u00e4tern zu verbeugen und ihnen f\u00fcr den Missbrauch zu danken, so dass einige v\u00f6llig psychotisch werden oder suizidal.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist es das Bed\u00fcrfnis eines jeden Menschen, seinem Leben einen Sinn zu geben, sich fest in der Welt verankert zu f\u00fchlen. Dieses Bed\u00fcrfnis kann durch extreme Erlebnisse torpediert und so die ganze Existenz in Frage gestellt werden. Das ist eine \u00e4u\u00dferst bedrohliche und tief ersch\u00fctternde Erfahrung, die unter Umst\u00e4nden das Gef\u00fchl hinterl\u00e4sst, man stehe ganz und gar mit leeren H\u00e4nden da, habe nichts mehr, woran man sich halten k\u00f6nne, nicht einmal sich selbst.<br \/>\nEs mag sein, dass auch ein anderer Weg als der, dem Missbrauch auf Biegen und Brechen einen Sinn zu verleihen, offen steht: die Auseinandersetzung mit der Frage n\u00e4mlich, was die sehr fr\u00fche Begegnung mit der Sinnlosigkeit f\u00fcr das eigene Leben bedeutet hat, wie stark diese Erfahrung, die ganze Pers\u00f6nlichkeit, das F\u00fchlen, Denken und Handeln pr\u00e4gte. Die Ereignisse der Kindheit bleiben dabei allerdings ohne jeglichen Sinn, eine Tatsache, die manche Menschen vermutlich verkraften k\u00f6nnten. Niemand kann n\u00e4mlich sagen, es sei ausgeschlossen, das erwachsene Leben durchaus sinnvoll zu gestalten, trotz einer verheerenden Kindheit. Dies stellt sich wom\u00f6glich ganz unspektakul\u00e4r dar, indem ich mich etwa endlich an meinen authentischen Bed\u00fcrfnissen orientieren oder Lebensfreude empfinden darf. Eine Garantie gibt es daf\u00fcr sicherlich nicht.<\/p>\n<p>Zahlreiche Publikationen innerhalb der Traumatherapie k\u00f6nnen auf Mystifizierungen jedoch nicht verzichten. Luise Reddemann etwa ergeht sich in l\u00e4ngeren Reflexionen dar\u00fcber, was sie vom Schamanismus gelernt habe. Ich kann keinen Einwand dagegen finden, Erkenntnisse der Ethnologie in die Betrachtung der Welt und der individuellen seelischen Vorg\u00e4nge zu integrieren. Nur sollte man nicht vergessen, dass Menschen, die in einer hoch technisierten Kultur leben, vielleicht doch andere Antworten ben\u00f6tigen als die Mitglieder indigener V\u00f6lker in entlegenen Dschungelgebieten oder der sibirischen Tundra. Mir ist auch nicht einsichtig, was die Religion im weitesten Sinne in der Therapie verloren hat. Klienten, die spirituelle oder religi\u00f6se Tr\u00f6stungen bevorzugen, werden diese sicher selbst\u00e4ndig finden, eine Therapie, die die Zuflucht zur Mystik propagiert, l\u00e4uft in Gefahr sich dem Irrationalen zu verschreiben. In der Literatur zur Traumabehandlung, die aus den Vereinigten Staaten stammt (z.B. Kritsberg, dt. 1995; Carnes 1997), von der die gegenw\u00e4rtige Traumatherapie in Deutschland stark inspiriert ist, findet sich angefangen mit den sogenannten Zehn-Schritte-Programmen aber fast ausnahmslos das Therapieziel der Hinf\u00fchrung des Klienten zu Gott oder einer wie auch immer gearteten h\u00f6heren Macht. Und was geschieht mit jenen, die sich diesem Ziel nicht anschlie\u00dfen wollen oder k\u00f6nnen? Fallen sie der Verdammnis anheim? Dies w\u00fcrde gut zu dem wieder auflebenden rigiden religi\u00f6sen Fundamentalismus unserer Epoche passen.<\/p>\n<p>Die Argumentationsweise innerhalb der Fachpublikationen hinterl\u00e4sst vor diesem Hintergrund bei mir ein Unbehagen. Man k\u00f6nnte sie auch so interpretieren, dass Therapeuten wieder eine M\u00f6glichkeit mehr geliefert bekommen, ihre eigenen \u00c4ngste in Schach zu halten. Und: Offenbar soll gesichert bleiben, dass die realen Eltern (aber auch die Eltern als Institution) nicht zu sehr angegriffen werden, egal wie sie mit ihren Kindern umgingen.<\/p>\n<p>\nPositive Erfahrungen mit den Eltern und die &#8222;heilsame therapeutische Begegnung&#8220;<\/p>\n<p>In zahlreichen Psychotherapien wird die Haltung vertreten, das Schicksal der Hilfesuchenden werde erleichtert, wenn sie erkennen w\u00fcrden, dass die misshandelnden Eltern nicht nur negative Seiten hatten. In diesem Zusammenhang wird auch vom m\u00f6glichen R\u00fcckgriff auf gute Bindungsanteile im Verh\u00e4ltnis Eltern \/ Kind gesprochen. Ich habe mich mit diesem komplexen Aspekt schon mehrmals befasst und beschr\u00e4nke mich an dieser Stelle auf einige Erg\u00e4nzungen.<br \/>\nPositive Ereignisse in der Kindheit sind in der Regel der Erinnerung zug\u00e4nglich; manche Menschen klammern sich an diese Augenblicke scheinbarer Normalit\u00e4t wie Ertrinkende an einen Strohhalm. Ich frage mich aber trotzdem, was denn wohl daran gut oder positiv ist, wenn ein Mensch feststellt, dass ein missbrauchender Elternteil nicht nur negative Verhaltensweisen gegen\u00fcber dem Kind zeigte. Die Mehrheit der Missbraucher ist nicht rund um die Uhr sadistisch. Und wenn schon. Vermutlich sind viele Therapeuten der Ansicht, dass dadurch auf weitere &#8222;Ressourcen&#8220; zur\u00fcck gegriffen werden k\u00f6nne oder aber Verschiedenes nicht so schlimm gekommen ist, wie es am Ende noch h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen. Das kann ja sein, doch auch hier sehe ich eine potentielle Quelle f\u00fcr Verwirrungen, indem man sich auf die Suche begibt nach den &#8222;guten Seiten&#8220; der Eltern und damit die kindliche Abh\u00e4ngigkeit des Erwachsenen von den fr\u00fchen Eltern verfestigt, anstatt sie mehr und mehr aufzul\u00f6sen. Ich erlebte bei mir und einigen anderen, dass ein echter Schritt nach vorne geschafft war, wenn Menschen die missbrauchenden und misshandelnden Eltern (und nur von diesen ist hier die Rede) endlich dahin schicken konnten, wo sie hingeh\u00f6ren. Denn wie freundlich diese Eltern phasenweise gewesen sein und wie sehr sie behauptet und sich selbst geglaubt haben m\u00f6gen, das Kind zu lieben: Missbrauch ist niemals Liebe, er ist eigentlich Hass auf das Kind (Rache und Vergeltung).<\/p>\n<p>Ich finde entscheidend, dass ein Klient in der Therapie neue und andere Formen der Kommunikation und Beziehung erleben, erlernen, ausprobieren kann. Gegenerfahrungen zur Kindheit sind ja in vielen Bereichen notwendig, damit (wiederum im g\u00fcnstigen Fall) etwa die tiefe Pr\u00e4gung des Ausgeliefertseins nicht mehr so sehr das erwachsene Leben beherrscht.<br \/>\nAber auch eine positive Beziehungserfahrung in der Therapie kann nicht verhindern, dass in der Kindheit erfahrene negative Beziehungsmuster sich blind wiederholen, solange das Verh\u00e4ltnis zu den Eltern, die Manipulationen und Verstrickungen nicht wahrgenommen werden. Eine gute zwischenmenschliche Beziehung heute hebt allein den Wiederholungszwang nicht auf, er muss durchschaut werden, denn Menschen wiederholen auf verschiedenen Ebenen das Elend ihrer Kindheit so lange, bis dieses realisiert und verstanden wurde.<\/p>\n<p>Es gibt etliche Publikationen, die in diesem Zusammenhang das Stichwort &#8222;heilende Begegnung&#8220; sehr in den Vordergrund r\u00fccken. Angesichts der Lebensrealit\u00e4t vieler Traumatisierter w\u00fcrde ich pers\u00f6nlich jede Sch\u00f6pfung mit dem Wort &#8222;heil&#8220; (von heilsam \u00fcber Heilung bis Heiler) ersatzlos streichen, auch und gerade mit Blick auf die epidemische Verbreitung des Gurutums innerhalb der Therapeutenszene. Wie schnell mag es einem Therapeuten gefallen, sich als &#8222;Heiler&#8220; zu deklarieren, um seinem fr\u00fch angeschlagenen Ego zu schmeicheln.<\/p>\n<p>Jeder Mensch, der einst auf irgendeine Art und Weise Schaden an K\u00f6rper und Seele genommen hat, sehnt sich im Inneren nach einem Zustand der Unversehrtheit. Dieser ist allerdings wohl nicht zu erreichen. Techniken und Methoden respektive therapeutische Interventionen k\u00f6nnen einzelnen (nicht allen) Klienten m\u00f6glicherweise hilfreich sein in akuten seelischen Notlagen. Doch wissen wir eigentlich sehr wenig dar\u00fcber, welche Sch\u00e4den unter welchen Bedingungen ver\u00e4nderbar sind und welche auch unter g\u00fcnstigen Bedingungen vielleicht \u00fcberhaupt nicht. Hier bevorzuge ich f\u00fcr mich einen sehr n\u00fcchternen Blick. Therapie ist ja w\u00e4hrend eines relativ kurzen Zeitraums (oder mehrerer Intervalle) nur ein Teil innerhalb eines langen, meist m\u00fchsamen Prozesses.<br \/>\nVor dem Hintergrund der Forschungsergebnisse der Neurobiologie bleibt \u00fcberhaupt offen, wie Sch\u00e4den in der Organisation des Gehirns repariert werden k\u00f6nnen, die zu einem Zeitpunkt entstanden, in dem dieses hochsensible Organ sich entwickelte. Daran kn\u00fcpft sich f\u00fcr mich die Frage, wie ein Mensch sich dennoch selbst behilflich sein kann in verschiedenen belastenden Situationen.<\/p>\n<p>\nDie Spuren des Traumas im Leben der Betroffenen<\/p>\n<p>Vern\u00fcnftig, der seelischen Stabilisierung Hilfesuchender zutr\u00e4glich, ist in meinen Augen innerhalb der neueren traumatherapeutischen Praxis der erkl\u00e4rte Verzicht auf die Manipulation des Klienten, um starke regressive Zust\u00e4nde zu erzeugen, wie das etwa in den Prim\u00e4rtherapien mit so verheerenden Folgen betrieben wurde und wohl auch noch betrieben wird. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob \u00dcbungen auf Dauer eine Ver\u00e4nderung erzielen, wenn sich ein Zustand der Regression herstellt oder eine Klientin &#8222;dekompensiert&#8220;. Solche Zust\u00e4nde k\u00f6nnen sich schleichend aufbauen, manchmal durch \u00e4u\u00dfere Ausl\u00f6ser von einem Augenblick zum n\u00e4chsten auftreten. Das ist eine sehr schwierige Frage, die auch abh\u00e4ngig ist von den aktuellen, sich h\u00e4ufig ver\u00e4ndernden Lebensumst\u00e4nden. Die fr\u00fche Erfahrung kann eben nicht gel\u00f6scht werden und so ist es immer wieder m\u00f6glich, dass sie auflebt. Und manche biographische Fakten, die sich im Laufe von verfehlten Jahren ergaben, sind so ohne weiteres nicht zu \u00e4ndern. Ich vermute, dass etliche Menschen mit starken Verlusten werden leben m\u00fcssen. Die Verluste, die Entbehrungen, Versagungen, entt\u00e4uschten Hoffnungen und Lebensw\u00fcnsche bed\u00fcrfen doch der Aufmerksamkeit und W\u00fcrdigung, auch wenn dies dem allgemeinen Dogma des &#8222;positiven Denkens&#8220; widerspricht. Das muss nur niemanden bek\u00fcmmern.<\/p>\n<p>In diesem Kontext las ich h\u00e4ufig, manche Klienten klammerten sich an die Opferrolle, wollten ihr Leid nicht loslassen. Ich glaube zwar nicht, dass ein Mensch aus freien St\u00fccken leidet, es kann aber sein, dass von Anfang an abgelehnte Kinder ihr sp\u00e4teres erwachsenes Leben als eine Art Bu\u00dfgang begreifen, um durch gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Opfer doch noch die Liebe der Eltern zu verdienen. Manche Menschen machen andere dar\u00fcber hinaus durch anhaltendes Klagen zum Container f\u00fcr die Gef\u00fchle, die sie selbst nicht f\u00fchlen k\u00f6nnen oder wollen. Doch finde ich, dass man auch hier sehr genau hinsehen sollte, denn einige Biographien sind einfach schrecklich, da kann sich der Betreffende gar nicht anders f\u00fchlen, als zu leiden. Dieses Leid wird immer wieder auftauchen, weil (und solange) es eine folgerichtige Reaktion auf bedr\u00fcckende, manchmal erstickende Lebensumst\u00e4nde ist; es ist kein Verschulden des Klienten, es kann nicht umgedeutet werden, h\u00f6chstens ignoriert oder bagatellisiert. Dies w\u00fcrde dann aber kaum zum Wohle der Klienten geschehen, sondern eher jenen Therapeuten nutzen, die sich mit der eigenen Hilflosigkeit nicht konfrontieren wollen.<\/p>\n<p>Einige, keineswegs alle, Autoren der neuen Therapiemethoden sind mittlerweile so weit, Verhaltensweisen und Besch\u00e4digungen der Klienten nicht als Unarten zu deklarieren, die es zu korrigieren gelte. Offenbar wurde verstanden, was f\u00fcr ein Bruch mit der Welt und den Menschen der Missbrauch in der Kindheit darstellen kann. Dieser Bruch ist vielfach nicht zu heilen. Der Verlust des Vertrauens in sich selbst, ist dabei wahrscheinlich die schrecklichste Folge. Ich zweifele, ob beispielsweise ehemalige Inzestopfer jemals eine Zuversicht entwickeln k\u00f6nnen, die andere Menschen mitbringen, jedenfalls dann nicht, wenn sehr wenig Positives in der Kindheit war und der Missbrauch fr\u00fch begann, als Ersatz f\u00fcr Liebe genommen werden musste. Ein Mensch kann aber sicher das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gef\u00fchle wieder zur\u00fcck gewinnen. Das bedeutet auch, auftauchendes Misstrauen manchmal als ein sehr gesundes Signal des K\u00f6rpers zu erkennen, dass erneut ein Missbrauch vor der T\u00fcr steht, dass eine alte Falle zugeschnappt hat. Und ich bin auch \u00fcberzeugt davon, dass man lernen kann, dann konsequent zu handeln, sich aus vergifteten oder gest\u00f6rten Beziehungen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Leider leben wir in gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen, die es in der Kindheit gesch\u00e4digten Menschen ausgesprochen schwer machen, ihren Platz in der Welt zu erobern. Wer f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit nicht funktioniert, bekommt kein Bein mehr unter den Tisch, wird und bleibt mitunter ein Fall, sei es f\u00fcr die Psychiatrie oder f\u00fcr die Sozialbeh\u00f6rden, wird unweigerlich an den Rand gedr\u00e4ngt. Eine Gesellschaft, die Menschen ausschlie\u00dflich den Kriterien der Effizienz und Profitmaximierung unterwirft, erzeugt Lebens\u00e4ngste und Leid. Auch diejenigen, die in der Kindheit eine wirkliche Substanz erwerben konnten, werden zu k\u00e4mpfen haben, um eine Nische zu finden, in der sie sich selbst (ihren Bed\u00fcrfnissen) treu bleiben k\u00f6nnen. Fr\u00fch Traumatisierte sind hierbei immer wieder mit Umst\u00e4nden konfrontiert, die alte Schmerzen reaktivieren, denn die Gesellschaft grenzt aus, wen sie nicht brauchen kann. Dies betreiben Politik und \u00d6konomie inzwischen fast woll\u00fcstig. Zugleich untersagt die herrschende Ideologie den Ausdruck authentischer Gef\u00fchle wie Trauer und Zorn. Wir sollen lustig sein und viel Spa\u00df haben, Leid darf nicht artikuliert werden, weil es in dieser Gesellschaft keinen Grund geben darf f\u00fcr berechtigtes Leid. Sch\u00f6ner als jetzt kann es ja nicht mehr werden.<br \/>\nSomit gibt es nur wenige Perspektiven, die die Hoffnung erlauben, Menschen k\u00f6nnten ihre authentischen Bed\u00fcrfnisse endlich leben. Im Gegenteil: Je mehr diese in der Therapie eventuell erwachen, um so sch\u00e4rfer k\u00f6nnen sich Konflikte im Alltagsleben abzeichnen. Dann k\u00e4me es wohl darauf an, ob ein Mensch die F\u00e4higkeit erwirbt, sich diesen Konfliktlagen wirklich zu stellen. Das ist schwierig in einem sozialen Umfeld, das lediglich die Anpassung fordert und oft nur die Verweigerung mit all ihren problematischen Folgeerscheinungen als Reaktion zul\u00e4sst. Nicht jeder ist also gest\u00f6rt, weil er gegen Zumutungen rebelliert und sich weigert, unter Normalit\u00e4t zu verstehen, acht Stunden am Tag einen erb\u00e4rmlichen, unterbezahlten Job zu absolvieren. Dies wirft die Frage nach der St\u00e4rkung des Eigensinns in der Therapie auf, inwieweit den Klienten erm\u00f6glicht wird, sich damit auseinander zu setzen, wie viel Anpassung, wie viele Kompromisse, aber auch wie viel Einsamkeit sie f\u00fcr sich als zumutbar empfinden und bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Von der P\u00e4dagogik gef\u00e4rbte Diagnosen, die Menschen von au\u00dfen aufdr\u00e4ngen, was &#8222;normal&#8220; oder angemessen sei und was nicht, helfen hier kaum weiter.<\/p>\n<p>\nDie Borderline-Diagnose<\/p>\n<p>Viele Menschen, die in der Kindheit sexuell ausgebeutet wurden, plagen sich mit einer F\u00fclle von Symptomen, die in alle Bereiche des Lebens eingreifen: Ihre Gef\u00fchle sind entweder wie abgestorben oder aber es tauchen unvermittelt heftige Emotionen auf, die dem Betreffenden selbst v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich sind. Je grausamer ein Kind misshandelt wurde, um so st\u00e4rker ausgepr\u00e4gte autistische Z\u00fcge zeigt mitunter der Erwachsene. Die starken, nicht integrierten Gef\u00fchle k\u00f6nnen so qu\u00e4lend werden, dass ein Mensch in die Sucht fl\u00fcchtet, um sie nicht sp\u00fcren zu m\u00fcssen und um immer wieder auftauchenden Selbstmordw\u00fcnschen zu entgehen, aber auch der Leere, die die Eltern in ihm hinterlie\u00dfen. Das ganze Leben entgleist, eine berufliche Entwicklung kann verunm\u00f6glicht werden, weil die gesamte Kraft allein f\u00fcr das Aushalten und \u00dcberleben des Unertr\u00e4glichen aufgezehrt wird. Von einer Partnerschaft wagen viele nicht einmal zu tr\u00e4umen, sie k\u00f6nnen sich logischerweise nicht vertrauensvoll \u00f6ffnen und die sexuelle Entwicklung wurde oftmals zerr\u00fcttet. Diese umfassende Not versch\u00e4rft den Selbsthass, dessen Wurzeln in der Kindheit durch die verheerenden direkten und indirekten Botschaften der Eltern gelegt wurden. Leben kann man das wohl nicht nennen und auf diese Weise mag sich das \u00dcberleben mitunter eher wie der Aufenthalt in einem Straflager anf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Diese Menschen brauchen nat\u00fcrlich Hilfe, und wenn sie zu einem Therapeuten gehen und ihre Verfassung schildern, wird ihnen immer h\u00e4ufiger mitgeteilt, was mit ihnen los ist. Sie h\u00e4tten eben, hei\u00dft es dann, eine Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung. Vermutlich handelt es sich bei dieser seit etlichen Jahren so beliebten Diagnose um einen Versuch der psychotherapeutischen Forschung und Praxis, die F\u00fclle der Symptome irgendwie unter einen Hut zu bekommen, etwas benennen und somit fassbarer machen zu k\u00f6nnen, das sonst unerkl\u00e4rlich, vielleicht auch unheimlich oder absto\u00dfend bliebe. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist eigentlich gar nicht der Begriff, das Etikett, sondern die Tatsache, dass die sogenannten &#8222;Borderliner&#8220; (wie man sie gerne nennt) als \u00e4u\u00dferst schwer, sogar als \u00fcberhaupt nicht behandelbar gelten. Sie sind die schwierigen, manchmal unheilbaren F\u00e4lle und ihnen wird in der Regel nicht zugetraut, sich an ihre Kindheit erinnern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht s\u00e4he dies ganz anders aus, wenn man sich die M\u00fche machte, die Symptome nicht als charakterliche Verfehlung, sondern als inzwischen destruktiv gewordene \u00dcberlebenstechniken aus der Kindheit, vor allem aber als stumme Sprache des Klienten zu identifizieren, die entschl\u00fcsselt, also verstanden werden muss, damit sie \u00fcberfl\u00fcssig werden kann. Die Symptome erz\u00e4hlen indirekt ja auch, wie es dem Kind mit den Eltern ergangen ist. Sie bringen zum Ausdruck, was eine Klientin nicht unmittelbar, bewusst sagen kann und sind sehr oft verkn\u00fcpft mit der fr\u00fchesten Lebenszeit eines Menschen, die der bewussten oder bildhaften Erinnerung nicht oder im letzten Fall nur in Tr\u00e4umen zug\u00e4nglich ist. Das macht den Umgang mit den Symptomen in erster Linie zu einer Geduldsprobe f\u00fcr die Betroffenen.<\/p>\n<p>Ich glaube kaum, dass es Klienten gelingt, die Botschaften ihrer Symptome zu verstehen und sich damit ihrer Realit\u00e4t als Kind anzun\u00e4hern, wenn ihnen von Anfang an vermittelt wird, wie schwierig, problematisch, im Grunde unertr\u00e4glich sie f\u00fcr den Therapeuten sind. Deutlich wird dies in einem Buch des Sozialp\u00e4dagogen Heinz-Peter R\u00f6hr, das oberfl\u00e4chlich betrachtet zwar sehr einf\u00fchlsam auf die F\u00fclle der Probleme Traumatisierter eingehen will, zwischen den Zeilen aber kaum mehr vermittelt als das pure Ressentiment gegen\u00fcber Menschen, die in ihrer Kindheit tats\u00e4chlich massiven Angriffen auf ihre Pers\u00f6nlichkeit ausgesetzt waren (&#8222;Weg aus dem Chaos&#8220;, 2000). Da nimmt es nicht wunder, wenn sie sich nun gegen jeden Versuch der Erziehung zur Wehr setzen, wenigstens dann, wenn sie mit Botschaften und Forderungen konfrontiert werden, die sie seit ihrer Kindheit im Schlaf singen k\u00f6nnen. Der Autor beschreibt, wie die anstrengenden Patienten zur P\u00fcnktlichkeit angehalten werden m\u00fcssen, sich in die Gemeinschaft einer Klinik nicht einf\u00fcgen wollen, Therapiegruppen aufmischen und andere Gruppenteilnehmer mit ihrer Widerborstigkeit anstecken. In jedem Fall habe sich der Therapeut massiv den Eigent\u00fcmlichkeiten der Patienten entgegen zu stemmen. Ich bezweifele gar nicht, dass manche Menschen nicht empf\u00e4nglich sind f\u00fcr psychotherapeutische Bem\u00fchungen, doch bekommt man den Eindruck, ein Vater klage \u00fcber seine ungeratenen Kinder: Was habe ich nicht alles f\u00fcr dich getan, und das ist nun der Dank.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich will es etlichen Therapeuten nicht recht gelingen, die P\u00e4dagogik aus ihren Ma\u00dfnahmen auszuschlie\u00dfen. Entsprechend d\u00fcrftig sind die Ergebnisse. So erw\u00e4hnt etwa R\u00f6hr einen Patienten, der nach langer Behandlung ein gutes Verh\u00e4ltnis zu Gott habe aufbauen k\u00f6nnen. Dann scheint ja alles in Ordnung zu sein?<br \/>\nIch bin \u00fcberzeugt davon, dass Klienten ihre Symptome nicht dadurch loswerden, indem man ihnen diese in der Therapie regelrecht untersagt, nach dem Motto: Du darfst keine Drogen konsumieren, das schickt sich nicht vor Gott und den Menschen; du darfst deine sexuellen St\u00f6rungen nicht ausagieren; du darfst keine unverst\u00e4ndlichen und bedrohlichen Gef\u00fchle haben, weil das alles eine Krankheit beweist, die du nicht haben sollst, und deshalb musst du dich in bestimmter Weise verhalten. Du darfst auch keinen Hass empfinden aufgrund der Zumutungen der Gesellschaft und der \u00dcbergriffe deiner Eltern, weil sich dieses Gef\u00fchl auch nicht geh\u00f6rt.<br \/>\nDiese Haltung wird schon seit Jahren den Umgang der meisten Klienten mit sich selbst gepr\u00e4gt haben. Der p\u00e4dagogische Impetus ist bei R\u00f6hr besonders deutlich, kommt aber auch dann zum Vorschein (so u.a. bei Reddemann), wenn es um den Umgang mit der \u00dcbertragung geht. Der Therapeut bestimmt oftmals, welche Reaktion des Klienten eine \u00dcbertragung sei, die sich in der Traumatherapie nicht entfalten soll. Ich glaube auch, dass die Arbeit mit der \u00dcbertragung allein kaum ausreicht, um schweren Verletzungen in der Kindheit die Macht zu nehmen, doch werden wenigstens in der Theorie einige Fragen nicht beantwortet: Was ist, wenn die Reaktion eines Patienten keine \u00dcbertragung ist, sondern ein ganz berechtigter Unmut \u00fcber einen Misstand in der Therapie, oder wenn sich berechtigte Kritik und \u00dcbertragungsgef\u00fchle mischen?<br \/>\nLeider l\u00e4sst sich die \u00dcbertragung ja nicht vermeiden, weil die Gef\u00fchle, die eigentlich den Eltern gelten, oftmals einen Umweg einschlagen, indem sie sich zun\u00e4chst an andere Personen heften. Innerseelisch ist das ein eher normaler Vorgang, der nat\u00fcrlich das Alltagsleben vergiften kann und gerade deshalb Raum in einer Therapie braucht.<\/p>\n<p>Der G\u00f6ttinger Professor Ulrich Sachsse, dessen Vortr\u00e4ge unter anderem im Internet zu lesen sind, zeigt in seinem Buch &#8222;Selbstverletztendes Verhalten&#8220; (zuletzt 2002), dass er zuweilen geradezu mit Brachialgewalt gegen die Symptome seiner Patientinnen vorgeht. Diese m\u00fcssen &#8211; koste es, was es wolle &#8211; verschwinden und so werden Medikamente ohne Ende verabreicht, in dem Irrglauben, Gef\u00fchle und Symptome seien nicht mehr da, wenn man sie aufgrund der Manipulation mit chemischen Substanzen nicht mehr wahrnehmen oder nicht mehr f\u00fchlen k\u00f6nne. Ein Versuch, die Symptome als stumme Sprache des Kindes, das ein Mensch einst war, zu verstehen, findet nicht statt. Und so liegt die Schlussfolgerung immerhin nahe, dass es gerade diese stumme Sprache ist, die eliminiert werden soll.<br \/>\nIch behaupte dabei nicht, diese Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden ergriffen, um die Patienten zu schikanieren oder ihnen zu schaden. Ich pers\u00f6nlich habe Psychopharmaka nie eingenommen und wei\u00df nur von anderen, dass sie sich entweder fast euphorisch oder wie abgestellt f\u00fchlten, ihre Symptome zeitnah nach dem Absetzen der Medikamente vollst\u00e4ndig wieder auftauchten. Im engeren Umfeld erlebte ich ein Mal, dass schwere d\u00e4mpfende Mittel, die ausdr\u00fccklich verabreicht wurden, um einen Suizid auszuschlie\u00dfen, diesen nicht verhindern konnten. Es mag sein, dass die Mehrheit der Therapeuten bewusst helfen will und sich mit gutem Gewissen um entsprechende Methoden bem\u00fcht. Problematisch wird es, wenn die professionellen Helfer die Ma\u00dfnahmen und Botschaften ihrer eigenen Erziehung nicht durchschaut und in Frage gestellt haben. Sie kennen sie einfach nicht. Dann m\u00fcssen sie diese zwangsl\u00e4ufig bei ihren Klienten wiederholen. In diesem Zusammenhang werden dann Diagnosen und Deutungen oftmals wie eine Waffe verwendet, Therapie wird zum Versuch, Anpassung und Konformit\u00e4t zu erzwingen: Du sollst so sein, wie ich dich haben will, wie alle anderen sind, wie ich denke, dass es richtig ist.<\/p>\n<p>Wenn innerhalb einer therapeutischen Beziehung das ehemalige Kind zu Wort kommen kann, wenn Klient und Therapeut gleichberechtigt und gemeinsam herauszufinden versuchen, welche in der Kindheit aus Notwehr erworbenen Verhaltensmuster heute selbstsch\u00e4digend sind, ob \u00fcberhaupt und welche Alternativen es g\u00e4be, wenn die Bed\u00fcrfnisse und der eigene Wille des Klienten gest\u00e4rkt werden, wenn ein Mensch von innen heraus das Kind, das er war, emotional verstehen, f\u00fcr sich selbst Partei ergreifen kann, wenn die Rebellion, das Aufbegehren in der Therapie erw\u00fcnscht sind, brauchte man wom\u00f6glich Diagnosen, Deutungen und Theorien kaum noch oder allenfalls am Rande. Die Theorie scheint immer noch ein Bollwerk zu sein, es fragt sich nur wogegen. Deutlich wird dies auch an der oft entfremdeten wissenschaftlichen Sprache, mit der das Schicksal von in der Kindheit misshandelten Menschen schwerlich beschrieben oder erfasst werden kann.<\/p>\n<p>1999 ver\u00f6ffentlichte eine Frau unter Pseudonym einen Bericht \u00fcber ihre seelische Erkrankung: &#8222;Ich hei\u00dfe Berit und habe eine Borderline-St\u00f6rung&#8220;. Berit Anders bringt dem Leser ihre innere Not und die Gef\u00e4hrdung, in der sie sich befindet, sehr nahe. \u00dcber ihre Kindheit, die offenbar grauenhaft war und von Vergewaltigungen, eventuell auch einem Mordversuch durch den Vater gepr\u00e4gt, schreibt sie nur in Andeutungen. Sehr lange sucht sie vergeblich nach therapeutischer Hilfe, bis sie zuletzt in einer psychosomatischen Klinik einem Therapeuten begegnet, der ihr endlich gestattet, starke Gef\u00fchle zum Ausdruck zu bringen, und sie nicht ma\u00dfregelt. Daf\u00fcr ist Berit ihm dankbar. Der Therapeut erkl\u00e4rt ihr dann, dass sie an einer Borderline-St\u00f6rung leide, ihr \u00dcberleben sei im metaphysischen Sinne reine Gnade und sie m\u00f6ge aufh\u00f6ren, um ein besseres Leben zu k\u00e4mpfen, das sie nicht erreichen k\u00f6nne, denn ihre St\u00f6rung sei nicht heilbar. Sie m\u00fcsse (vermutlich zu Ungunsten ihrer Lebensw\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse) kapitulieren. Berit Anders befolgt diesen Rat, schreibt auch nach dem Verlassen der Klinik viele Briefe an den Therapeuten, stellt sich tapfer ihrer Medikamentenabh\u00e4ngigkeit entgegen, renoviert ihre kleine Wohnung, findet einen Job weit unter ihren F\u00e4higkeiten, der sie \u00fcber Wasser h\u00e4lt, ist weiterhin einsam, gleicht die Einsamkeit aber durch regelm\u00e4\u00dfige Besuche von Selbsthilfegruppen f\u00fcr &#8222;Borderliner&#8220; etwas aus. Sie macht genau das, was sich der Therapeut f\u00fcr sie vorgestellt hatte, eine gewisse Stabilisierung ist auch eingetreten.<br \/>\nManche Schicksale erlauben vielleicht nicht mehr sehr viele Ver\u00e4nderungen. Allerdings hat die in meinen Augen verfr\u00fchte und bedenkliche Botschaft des Therapeuten, Berit Anders m\u00f6ge aufgeben, um ein besseres Leben zu ringen (im Klartext, sich den Botschaften der Eltern zu widersetzen) Wirkung gezeitigt. Der Kampf setzt sich fort, nunmehr gegen die hartn\u00e4ckig weiterhin auftauchenden Symptome, die mittlerweile \u00fcber den K\u00f6rper ausgedr\u00fcckt werden. Berit Anders hat starke, manchmal unertr\u00e4gliche chronische Schmerzen in der Kehle, und ist st\u00e4ndig von R\u00fcckf\u00e4llen in die Psychopharmakasucht bedroht. Offensichtlich beabsichtigt der K\u00f6rper ganz und gar nicht, zu kapitulieren. Gegen Ende des Berichts k\u00f6nnte erkl\u00e4rlich werden, was die Schmerzen zum Ausdruck bringen. Fast beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt die Autorin, dass sie ein einziges und erkl\u00e4rterma\u00dfen auch zum letzten Mal in ihrem Leben anl\u00e4sslich eines Gruppenabends aussprach, von ihrem Vater vergewaltigt worden zu sein. Eine Frau hatte das Thema artikuliert und Berit Anders konnte ihr folgen. Aber reicht es, ein Mal \u00fcber ein Verbrechen zu sprechen, das einem Kind angetan wurde und das ganze Leben ruinierte? Warum ist es nicht m\u00f6glich gewesen, die Vergangenheit in den Therapien ausf\u00fchrlich zu erz\u00e4hlen? Warum musste statt dessen eine Hoffnungslosigkeit zementiert werden, die den K\u00f6rper angreift? Wie mag es der Autorin heute, einige Jahre nach der Niederschrift ihres Berichts wohl ergehen?<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise ist die Borderline-Diagnose doch mehr eine Trutzburg f\u00fcr die Therapeuten, die Angst haben vor dem ungeb\u00e4rdigen, wilden, aber auch verzweifelten und h\u00f6llische Qualen leidenden Kind in ihren Patienten. Arno Gruen hat bereits in den achtziger Jahren anhand seiner Untersuchungen \u00fcber den Pl\u00f6tzlichen Kindstod gezeigt, dass Hoffnungslosigkeit t\u00f6ten kann (&#8222;Der fr\u00fche Abschied&#8220;, 1988 u. 1993). Die Seele bringt sie ganz sicher um.<\/p>\n<p>\nEinige S\u00e4tze \u00fcber den in der Kindheit traumatisierten Mann<\/p>\n<p>Er ist in der Therapie angekommen, so viel l\u00e4sst sich feststellen. \u00dcberhaupt wird realisiert, dass M\u00e4nner zu Gef\u00fchlen f\u00e4hig sind. Neuerdings sind sie sogar im Stande, Leid zu empfinden. Wer h\u00e4tte dies gedacht. Dass auch der kleine Junge Opfer sexueller Gewalt werden kann, wird noch untersucht, gedreht und gewendet, jedoch nicht mehr bestritten. Sogar die M\u00fctter kommen als T\u00e4terinnen ins Gerede. Verschwindend geringe Einzelf\u00e4lle, versteht sich, aber immerhin. Man m\u00f6chte beinahe schon die Sektkorken knallen lassen, doch leider zeigen die meisten Forschungen, wie sehr sie von Ideologie beherrscht sind, die sich selbst nicht wei\u00df. Es wird viel untersucht, wie unterschiedlich M\u00e4nner und Frauen die sexuellen Attacken in der Kindheit verarbeiten und man findet, was man l\u00e4ngst wusste: Die M\u00e4nner werden gewaltt\u00e4tig und zu T\u00e4tern, die Frauen richten die Gewalt allenfalls gegen sich selbst. Nichts Neues unter der Sonne, mithin. (Dabei befragt man in der Regel nat\u00fcrlich gerade nicht Frauen, die ihre Kinder misshandeln, missbrauchen oder dem sexuellen Missbrauch durch M\u00e4nner \u00fcberlassen.)<br \/>\nVor diesem Hintergrund ist auch bezeichnend, wie schwer es manchmal f\u00fcr M\u00e4nner ist, in Traumakliniken einen Behandlungsplatz zu finden. Professor Sachsses Station nimmt beispielsweise nur Frauen auf, die Klinik, der Dr. Reddemann vorsteht, schr\u00e4nkt die station\u00e4ren Pl\u00e4tze f\u00fcr M\u00e4nner immer wieder ein.<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 waren in einer Talkshow des Zweiten Deutschen Fernsehens unter anderen eine junge Frau zu Gast und ein Psychotherapeut, der in einem bekannten Berliner Zentrum t\u00e4tig ist, das sowohl in der Familie missbrauchte Kinder als auch ihre V\u00e4ter (als T\u00e4ter) therapeutisch behandelt. Die junge Frau erz\u00e4hlte emotional sehr beteiligt von den \u00dcbergriffen ihres Stiefvaters und meinte dann sinngem\u00e4\u00df: Ich wei\u00df nicht, ob ich meine Mutter nicht mehr hasse, ich habe so darauf gewartet, dass sie mich von diesem Mann befreit, denn sie hat alles gewusst. Doch hat sie mir niemals geholfen. Mein Stiefvater hat mich sexuell ausgebeutet, aber meine Mutter hat mich verraten.<br \/>\nEs war sehr interessant, den neben ihr sitzenden Therapeuten zu beobachten, wie er allm\u00e4hlich unruhig wurde, auf seinem Sessel hin und her rutschte, wie er sichtlich schwitzte, ihm die Gesichtsz\u00fcge entgleisten und er schlie\u00dflich kaum einen Satz zu Ende bringen konnte: Ja, nat\u00fcrlich, so etwas k\u00f6nne es schon geben, dass die Mutter &#8230; Sie hat ja wohl nicht geholfen, aber doch war auch sie Opfer, das ist schmerzlich &#8230; Man wei\u00df nat\u00fcrlich nicht, ob die Mutter etwas wusste &#8230; Die Mutter hat ja auch gelitten &#8230; Der Vater war der T\u00e4ter &#8230;. Das ist immer ganz schwierig &#8230;. Man kann es auch nicht beurteilen, weder von au\u00dfen noch subjektiv &#8230; .<\/p>\n<p>Dieser Therapeut hat vor einem gr\u00f6\u00dferen Fernsehpublikum \u00f6ffentlich genau die Peinlichkeiten von sich gegeben, die Klienten in geschlossenen Therapiestunden so oft geboten bekommen. Ideologie ist stets ein Mittel, an dem man sich festklammern kann, um etwas anderes Entscheidendes nicht sehen zu m\u00fcssen. Dies gilt auch f\u00fcr die feministische Ideologie, der sich inzwischen so viele M\u00e4nner gehorsam angeschlossen haben, und die political correctness. So reaktion\u00e4r sich die Gesellschaften zu ihrem eigenen Ungl\u00fcck auch entwickeln, der Feminismus l\u00e4sst sich offenbar nicht absch\u00fctteln.<\/p>\n<p>\nSo viele Traumatherapeuten, die enge Fassung des Traumabegriffs<\/p>\n<p>Wer noch vor etwa zehn Jahren ausdr\u00fccklich eine Therapie suchte, um sexuelle \u00dcbergriffe in der Kindheit zu verarbeiten, musste oftmals eine wahre Odyssee hinter sich bringen. Es gab kaum professionelle Helfer, die sich mit dieser Thematik auseinander setzten. Viele M\u00e4nner und Frauen erlebten immer wieder, dass sie mit ihrer konkreten Lebensgeschichte auf Ablehnung stie\u00dfen. So ist es ein Fortschritt, wenn nun Therapieformen existieren, die sich gezielt mit der Traumatisierung durch den Inzest und ihren Folgen befassen, dies zu einem Teil durchaus auch engagiert.<br \/>\nRecherchiere ich heute zum Beispiel im Internet oder in Bibliotheken, stelle ich verbl\u00fcfft fest, dass sich nun zahlreiche Analytiker, Verhaltenstherapeuten und Tiefenpsychologen der Behandlung ehemaliger Inzestopfer verschrieben haben. Diese Therapeuten &#8222;behandeln&#8220; nun so ziemlich alles, von Sucht bis zu sexuellen Funktionsst\u00f6rungen, von \u00c4ngsten bis zu Depressionen, vor allem aber &#8222;Traumafolgen&#8220;. Ich frage mich, ob es sich hier um einen echten Zuwachs an Erkenntnis handelt, oder ob in der Kindheit missbrauchte Menschen nicht vielmehr als Marktl\u00fccke entdeckt wurden. Die Traumatherapie hat auch etwas Inflation\u00e4res bekommen, immerhin besteht die Gefahr, zumal die Traumatheorie in Deutschland keineswegs zum regul\u00e4ren Inhalt eines Diplomstudiengangs im Fach Psychologie geh\u00f6rt. Wenn ich in dem Stadtteil, in dem ich lebe, zum Supermarkt gehe, komme ich an einem aufwendig sanierten Haus vorbei, an dessen Eingangsportal ein gro\u00dfes vergoldetes Praxisschild auf eine &#8222;Diplompsychologin und Psychologische Psychotherapeutin&#8220; hinweist, die folgendes anzubieten hat: &#8222;Geistheilung und Traumatherapie&#8220;. Das gibt mir zu denken.<\/p>\n<p>Die Fokussierung des Traumabegriffs auf schwere k\u00f6rperliche Misshandlungen und sexuellen Missbrauch klammert dar\u00fcber hinaus zahlreiche Erfahrungen in Kindheiten aus. Es ist immerhin denkbar, dass ein Kind weder geschlagen noch sexuell ausgebeutet wird. Vielleicht werden seine Bed\u00fcrfnisse niemals beantwortet, seine Gef\u00fchle nie wahrgenommen, der ganze kleine Mensch einfach nicht gesehen. Der Erwachsene k\u00f6nnte sp\u00e4ter unter schweren Symptomen leiden, auf ein sehr reduziertes Leben zur\u00fcck geworfen sein, ohne dass er \u00fcberhaupt wei\u00df, warum es ihm so elend geht. Schlie\u00dflich ist in der Kindheit ja nichts geschehen. Er hat blo\u00df nichts bekommen. Dieser Mensch brauchte doch eine ebenso intensive Zuwendung und ebenso viel M\u00fche, sich seiner wahren Geschichte anzun\u00e4hern, wie ein Klient, der in der Kindheit vergewaltigt wurde. Es k\u00f6nnte auch sein, dass im Rahmen der Traumabehandlung Folgen einer verdorbenen Kindheit \u00fcbersehen werden, die nicht aus sexuellem Missbrauch erwachsen, f\u00fcr die allein sich manche Menschen jahrelang in Therapie begeben.<\/p>\n<p>Die theoretischen Publikationen nehmen zwar die Realit\u00e4t innerfamili\u00e4rer (auch sexueller) Gewalt und die Folgen f\u00fcr den Erwachsenen zur Kenntnis, sind aber stark damit besch\u00e4ftigt, die Fakten zu vernebeln und die tats\u00e4chlichen, authentischen Gef\u00fchle der Klienten durch &#8222;Imaginationen&#8220;, \u00dcbungen oder an Zaubertricks erinnernde Methoden wie &#8222;EMDR&#8220; in Schach zu halten. Damit vermitteln jene Theorien letztlich jedoch die Botschaft: Du darfst nicht leiden, nicht klagen, dich nicht beschweren, jedenfalls nicht zu lange, auch wenn es genug Gr\u00fcnde daf\u00fcr g\u00e4be &#8211; \u00fcbrigens ganz im Einklang mit dem &#8222;Zeitgeist&#8220;, der die Menschen n\u00f6tigt, noch das gr\u00f6\u00dfte Elend positiv zu werten. F\u00fcr den g\u00e4ngigen R\u00fcckgriff auf einen antiquierten, hausbackenen Mystizismus, nach dem Motto, in jedem Ungl\u00fcck stecke auch der Keim zu etwas Gutem, kann ich \u00fcberhaupt keine Notwendigkeit entdecken. Das kommt mir eher vor wie ein arg billiger Trost.<\/p>\n<p>Vielleicht bedarf es also nicht unbedingt einer speziellen Traumatherapie, sondern Therapeutinnen und Therapeuten, die die Lebensgeschichte und die Authentizit\u00e4t ihrer Patienten nicht f\u00fcrchten. Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, eine Sprache, einen Ausdruck daf\u00fcr zu finden, was die \u00dcbergriffe in der Kindheit einem Menschen ausgemacht haben, wodurch allm\u00e4hlich auch der Mut w\u00e4chst, zu der eigenen Pers\u00f6nlichkeit zu stehen, auf sich selbst zu bestehen und die eigenen Interessen zu vertreten. Vielleicht w\u00fcrde dies als Beitrag zum Aufbau der F\u00e4higkeit, sich selbst helfen zu k\u00f6nnen, bereits gen\u00fcgen. Ich meine, dass letztlich niemand in einer bleiernen Hoffnungslosigkeit versinken m\u00fcsste, dass es aber auch nicht darum gehen kann, Hoffnung als Selbstzweck zu vermitteln. Es geht doch eigentlich um die aufrichtige Auseinandersetzung mit biographischen Fakten, vergangenen wie gegenw\u00e4rtigen. Das erscheint mir \u00fcberf\u00e4llig. Niemand, auch kein Therapeut, kann wissen, wie sich ein solcher Prozess entwickelt und wie er ausgeht. Das Ende ist wohl immer offen. Ich schlie\u00dfe mit einem Zitat des d\u00e4nischen Familientherapeuten Jesper Juul, das den modernen Therapien wom\u00f6glich als Orientierung dienen k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>&#8222;Das ganze 20. Jahrhundert hindurch haben wir uns daran gew\u00f6hnt, dass geringes Selbstwertgef\u00fchl, Missbrauch und andere Formen destruktiven Verhaltens, psychosomatische Leiden, Depressionen und vieles mehr den Status von Volkskrankheiten haben. Zwei Dinge k\u00f6nnen dieses Bild jetzt an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert \u00e4ndern. Vom Ideal des gut angepassten Massenmenschen entfernen wir uns, und wir haben genug Kenntnisse und Erfahrungen \u00fcber die Gesundheit und Entwicklung von Menschen sammeln k\u00f6nnen, die auf vielerlei Weise unser Menschenbild vollst\u00e4ndig auf den Kopf stellen.&#8220; (&#8222;Das kompetente Kind&#8220;, 2004)<\/p>\n<p>\n\u00a9 Thomas Gruner, Februar 2005<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; 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