{"id":2957,"date":"2004-12-01T13:18:37","date_gmt":"2004-12-01T12:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alice-miller.com\/de\/?p=2957"},"modified":"2015-12-02T13:19:50","modified_gmt":"2015-12-02T12:19:50","slug":"die-blendung-des-odipus-oder-der-blinde-fleck-unserer-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-blendung-des-odipus-oder-der-blinde-fleck-unserer-kultur\/","title":{"rendered":"Die Blendung des \u00d6dipus &#8211; oder Der blinde Fleck unserer Kultur"},"content":{"rendered":"<div class=\"colonne-droite\">\n<p align=\"right\">von <b>Thomas Gruner<\/b><\/p>\n<h1 style=\"padding-top:10px;\">Die Blendung des \u00d6dipus &#8211; oder Der blinde Fleck unserer Kultur<br \/><span class=\"soustitre\">Wednesday 01 December 2004<\/span><\/h1>\n<p>Alice Miller: Einleitung zum \u00d6dipus-Artikel von Thomas Gruner<\/p>\n<p>Ich habe im Laufe der Jahre ab und zu verschiedene Arbeiten \u00fcber den \u00d6dipus Komplex zugeschickt bekommen. Alle waren interessant und Freud gegen\u00fcber kritisch geschrieben. Doch mit der Zeit verlor ich das Interesse an dieser Diskussion, weil ich mich damit abgefunden habe, dass Freuds \u00d6dipuskomplex ein Dogma ist und dass man \u00fcber Dogmen nicht diskutieren k\u00f6nne. Thomas Gruner hat meine Aufmerksamkeit geweckt, weil er nicht nur zeigt, dass Freud die Wahrheit auf den Kopf gestellt hat, indem er den Sohn beschuldigte und den Mordversuch der Eltern ignorierte. Auch bleibt er nicht bei einer fruchtlosen Polemik mit Freud und seinen Sch\u00fclern stehen, sondern zeigt die Wurzeln des universellen Wegschauens in unserer Kultur auf, wof\u00fcr ihm Freud nur als Beispiel dient. Er weist auf eine seit Tausenden von Jahren herrschende Tradition hin, die sich auch in der griechischen Mythologie und in der Bibel spiegelt. Bei diesem Verfahren gelingt es ihm auch, die Frage zu beantworten, weshalb sich \u00d6dipus schlie\u00dflich das Augenlicht nimmt. Eigentlich hat er die Wahrheit erkannt, er h\u00e4tte nur mit ihr leben m\u00fcssen, mit der Wahrheit, dass seine Eltern ihn als kleines Kind nach der Geburt umzubringen versuchten und er nur dank eines fremden Hirten \u00fcberlebt hatte. Diesen entsetzlichen Schmerz konnte er nicht ertragen, er zog es vor, die Wahrheit zu verleugnen und sich mit Hilfe seiner Blindheit vor ihr zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Blendung des \u00d6dipus<br \/>\noder<br \/>\nDer blinde Fleck unserer Kultur<\/p>\n<p>Thomas Gruner<\/p>\n<p>\n&#8222;&#8230; dass ich der Mutter mich vermischen m\u00fcsste \/ Und ein Geschlecht, den Menschen unertr\u00e4glich zu schaun, vor Augen stellen w\u00fcrde und \/ M\u00f6rder sein dessen, welcher mich gepflanzt, des Vaters. \/ Und ich, als ich dies angeh\u00f6rt, beschloss &#8230; \/ Hinweg an einen Ort zu gehen, wo ich niemals \/ Die Schanddinge der b\u00f6sen mir \/ Gewordenen Spr\u00fcche sich erf\u00fcllen s\u00e4he&#8220;                                                    Sophokles: &#8222;K\u00f6nig \u00d6dipus&#8220;<\/p>\n<p>\n1 Das Erz\u00e4hlte als Mittel der Erkenntnis<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit des k\u00fcnstlerischen Gestaltens gab Menschen immer wieder die M\u00f6glichkeit, sich mit Ereignissen ihrer Zeit auseinander zu setzen, aber auch (bewusst oder unbewusst) Erfahrungen auszudr\u00fccken, die sie stark bedr\u00e4ngten. Besonders geeignet hierf\u00fcr war das Mittel des Erz\u00e4hlens. Eine individuelle Geschichte sollte etwas zeigen, das wom\u00f6glich alle anging. Damit stellten die Erz\u00e4hler ihrer jeweiligen Gesellschaft ein Medium oder die Chance der kollektiven Selbstreflektion zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDen Vorl\u00e4ufern der neuzeitlichen Erz\u00e4hlformen, den Mythen und religi\u00f6sen \u00dcberlieferungen, kam hierbei eine starke kulturelle Bedeutung zu, \u00fcber die die inzwischen vollst\u00e4ndig marginalisierte und gesellschaftlich entwertete gegenw\u00e4rtige Literatur l\u00e4ngst nicht mehr verf\u00fcgt. Heute beanspruchen Sozial- oder Wirtschaftswissenschaftler und vor allem die Vertreter der Medien die Meinungshoheit: Sie sagen uns, wie wir die Gesellschaft zu beurteilen haben, und es zeigt sich, dass diese Meinung im wesentlichen dem entspricht, was die jeweiligen Regierungen bereits verlautbaren lie\u00dfen. Hinter dieser einen und einzigen wahren Meinung verschwindet vollst\u00e4ndig die Erfahrung des einzelnen Menschen mit seiner Zeit und seiner Kultur. Da alle dasselbe denken und glauben sollen, hat eine Art &#8222;geistiger Zwangskollektivierung&#8220; stattgefunden und das Individuelle, der autonome Mensch verschwindet zunehmend aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein, ist unerw\u00fcnscht und wird nicht mehr gebraucht. So w\u00e4re heute eigentlich die Literatur der Ort, an dem das Subjektive Zuflucht finden, sich ausdr\u00fccken und bewahrt werden k\u00f6nnte. Dies ist aber nur ganz vereinzelt der Fall.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen erz\u00e4hlenden \u00dcberlieferungen spiegeln noch nicht die Aufspaltung zwischen Wissenschaft und Kunst, die der neuzeitlichen Entfremdung zwischen F\u00fchlen und Denken, K\u00f6rper und Intellekt entspricht. Sie waren das Mittel der sozialen Selbstverst\u00e4ndigung, indem sie die Geschichte, die Verstrickungen und Konflikte eines Individuums (sei es mit der Gottheit, einem tyrannischen Herrscher oder der Gemeinschaft der Menschen) erz\u00e4hlten, in denen sich der Zuh\u00f6rer wiederfinden konnte. Die Mythologie der griechischen Antike dokumentiert dies besonders deutlich.<br \/>\nDer Mythos stellt au\u00dferordentliche Erfahrungen eines Einzelnen dar und betreibt zugleich eine Art fr\u00fcher (symbolisierender) Geschichtsschreibung, zun\u00e4chst eine oral history des Volkes, indem die einzelnen Protagonisten zum Helden, zur Heldin werden, deren Schicksal eng mit dem der Allgemeinheit verwoben ist. Der mythologische Stoff transportiert jedoch \u00fcber die erz\u00e4hlte Handlung hinaus sehr oft in einer tieferen Dimension auch eine Geschichte oder eine Erfahrung, die unbewusst zum Ausdruck kommt, n\u00e4mlich die fr\u00fchesten Erfahrungen der Menschen als Kinder. Der Stoff zeigt mit Hilfe zahlreicher Verschiebungen und Verkleidungen in verschl\u00fcsselter Form die Gewalt und Destruktivit\u00e4t am Anfang des menschlichen Lebens und die Bedeutung dieser Erfahrung f\u00fcr das einzelne und das kollektive Schicksal. Wie dies geschieht, das hei\u00dft wie sehr die Erz\u00e4hler den &#8222;Text hinter dem Text&#8220; verstecken und verschl\u00fcsseln m\u00fcssen, ist abh\u00e4ngig vom religi\u00f6sen und ideologischen Hintergrund der Epoche. So kommt innerhalb der griechischen Mythologie die Destruktivit\u00e4t gegen\u00fcber dem Kind schonungsloser zum Vorschein als etwa in den Mythen des Alten Testamentes, das wegen seines spezifischen religi\u00f6sen Sendungsbewusstseins die Eltern als Institution st\u00e4rker in Schutz nehmen muss und daf\u00fcr das Kind umso mehr beschuldigt.<\/p>\n<p>Der Mythos und besonders dessen unbewusste Aussage erfahren in den verschiedenen Umformungen und Adaptionen in andere literarische Gattungen bis hin zu neuzeitlichen Interpretationen im Laufe der Zeit immer wieder Ver\u00e4nderungen, die Akzente verlagern sich jeweils. Dabei tritt der unbewusste Gehalt des Stoffes zunehmend in den Hintergrund und sowohl philosophische als auch psychologische Interpretationen zeigen dar\u00fcber hinaus einen starken Widerstand gegen\u00fcber der Tiefenschicht des Erz\u00e4hlten. Schon der Mythos konnte die fr\u00fchkindliche Erfahrung nicht unmittelbar erz\u00e4hlen, sie flie\u00dft in die Geschichte ein, ist gegenw\u00e4rtig, aber Brechungen unterworfen. Dies erzeugt die starke emotionale Qualit\u00e4t des Erz\u00e4hlten, die Menschen immer wieder zu Deutungen des Stoffes provoziert, die seine unbewusst erz\u00e4hlte &#8222;zweite&#8220; Geschichte widerlegen sollen.<\/p>\n<p>Die Mythologie als ein Zeugnis der \u00dcberlieferung der Anf\u00e4nge unserer Kultur sagt zugleich etwas aus \u00fcber deren Grundlage, sie vermittelt indirekt, worauf unsere Kultur seit jeher aufbaut und woran sie gerade deswegen scheitern wird. Diese Erkenntnis wird durch unterschiedliche Versuche der Deutung bek\u00e4mpft.<br \/>\nGerade der Mythos vom Schicksal des K\u00f6nig \u00d6dipus belegt diesen Vorgang innerhalb unserer Kultur sehr einleuchtend. Der Mythos ist der Geschichte des Kindes \u00d6dipus noch relativ nahe, seine Umformung in der Trag\u00f6die des Sophokles verschiebt diese Geschichte auf eine ethische Fragestellung. Die psychoanalytische Deutung durch Sigmund Freud ist dann bestrebt, diese Geschichte zwar wieder hervorzuholen, allerdings nur, um sie dabei fast gewaltsam vollst\u00e4ndig zu verzerren.<\/p>\n<p>Ich habe kein Interesse daran, mich auf Freuds Realit\u00e4tsf\u00e4lschungen zu konzentrieren. Wenngleich die Psychoanalyse noch etliche Anh\u00e4nger hat, wurde sie durch die Wirklichkeit l\u00e4ngst widerlegt. Sigmund Freuds Umgang mit der Aussagekraft des Mythos ist aber symptomatisch f\u00fcr ein Verhalten der Gesellschaft bis heute: die ann\u00e4hernd l\u00fcckenlose Ignoranz gegen\u00fcber der Bedeutung der Kindheit f\u00fcr das gesellschaftliche Klima. Allerdings gelingt es nicht, dieses Thema zum Verschwinden zu bringen, es bleibt gleichsam unterschwellig als Stachel im \u00f6ffentlichen Bewusstsein und treibt Menschen dazu, die Fakten solange zu verdrehen, bis das Kind als Projektionsfl\u00e4che des elterlichen Hasses als T\u00e4ter dasteht. Um dieses Ziel zu erreichen, kommt manchmal jedes noch so unlogische Argument gelegen.<\/p>\n<p>2 Weil nicht sein darf, was dennoch da ist &#8230;<\/p>\n<p>&#8222;Es muss eine Stimme in unserem Inneren geben, welche die zwingende Gewalt des Schicksals im \u00d6dipus anzuerkennen bereit ist, w\u00e4hrend wir Verf\u00fcgungen &#8230; in anderen Schicksalstrag\u00f6dien als willk\u00fcrliche zur\u00fcckzuweisen verm\u00f6gen&#8220;, schreibt Sigmund Freud 1900 in &#8222;Die Traumdeutung&#8220;, &#8222;sein [des \u00d6dipus] Schicksal ergreift uns nur darum, weil es auch das unsrige h\u00e4tte werden k\u00f6nnen &#8230; .&#8220; Und weiter: &#8222;Uns allen vielleicht war es beschieden, die erste sexuelle Regung auf die Mutter, den ersten Hass und gewaltt\u00e4tigen Wunsch gegen den Vater zu richten; unsere Tr\u00e4ume \u00fcberzeugen uns davon.&#8220;<\/p>\n<p>Zu Beginn seiner Arbeit als Therapeut in eigener Praxis erfuhr Freud von zahlreichen Patientinnen, dass sie in der Kindheit sexuellen \u00dcbergriffen des Vaters ausgesetzt gewesen waren. In dieser Tatsache sah er folgerichtig die Ursache f\u00fcr ihre sp\u00e4teren seelischen Leidenszust\u00e4nde, ihre Symtpome, und entwickelte aus dieser Erkenntnis die sogenannte &#8222;Verf\u00fchrungstheorie&#8220;. Dieser Begriff ist bereits eine Verharmlosung, denn das Kind wird ja weniger verf\u00fchrt, sondern manipuliert, emotional erpresst, erniedrigt, ausgebeutet und unter Druck gesetzt oder vergewaltigt.<br \/>\nSehr bald wandte sich der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse von der kindlichen Realit\u00e4t ab. Alice Miller, Jeffrey Masson und Marianne Kr\u00fcll haben mit je unterschiedlicher Akzentuierung beschrieben, vor welchem Hintergrund Freud die sogenannte &#8222;Verf\u00fchrungstheorie&#8220; aufgab und die Tatsache des lebenslangen Leidens von Kindern an den sexuellen \u00dcbergriffen ihrer Eltern durch ein seltsames Gebilde ersetzte, das er &#8222;\u00d6dipuskomplex&#8220; nannte. Von nun an erscheint das Kleinkind als ein Gesch\u00f6pf, das von dem Wunsch getrieben ist, mit dem gegengeschlechtlichen Elternteil sexuell zu verkehren und den gleichgeschlechtlichen aus Eifersucht zu ermorden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte daran erinnern, dass Freud seine Entdeckung der Realit\u00e4t des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch die Eltern keineswegs nur deswegen aufgab, weil ihm (wie er dann behauptete) ein Irrtum unterlaufen war oder weil die damaligen Fachkreise und die Gesellschaft seiner Zeit dieser ebenso spektakul\u00e4ren wie skandal\u00f6sen Entdeckung mit massivem Widerstand begegneten. Er war nicht nur der einsame Forscher, den man ins vollst\u00e4ndige gesellschaftliche Abseits gedr\u00e4ngt h\u00e4tte, w\u00e4re er bei seiner Erkenntnis geblieben. Freud spricht in Briefen an Wilhelm Flie\u00df davon, dass er selbst als sehr kleiner Junge sexuelle Kontakte zu einer Kinderfrau erlebt und dass sein Vater die j\u00fcngeren Geschwister sexuell bel\u00e4stigt habe. Mehr erfahren wir nicht, aber es ist zumindest wahrscheinlich, dass der Vater das \u00e4lteste Kind nicht verschont hat (Kr\u00fcll; Masson). Freud war in seiner Kindheit selbst mit sexuellen \u00dcbergriffen, mit der Inzestthematik konfrontiert und hatte also ausreichende innerseelische und biographische Motive, um einer individuellen und kollektiven Realit\u00e4t auszuweichen und sie bis zur Unkenntlichkeit (oder bis zum Aberwitz) zu verdrehen.<br \/>\nDiese Fakten sind hinl\u00e4nglich bekannt. Bekannt ist auch, mit welchem Eifer sich noch die Tochter Anna im hohen Alter abm\u00fchte, die Aufdeckung der peinlichen Familiengeheimnisse und ihrer Folgen f\u00fcr die Institution Psychoanalyse zu verhindern (Masson). Diese Vorg\u00e4nge sind verst\u00e4ndlich, wenn man sich die generationen\u00fcbergreifende Dynamik des Verschweigens in Inzestfamilien vor Augen h\u00e4lt, sowie die Angst der Betroffenen vor der Realit\u00e4t ihrer Kindheit.<\/p>\n<p>Freud beruft sich auf die Trag\u00f6die &#8222;K\u00f6nig \u00d6dipus&#8220; des Sophokles, in der er die allgemeing\u00fcltige Wahrheit \u00fcber die kindliche Entwicklung, wie er sie nach der Aufgabe der &#8222;Verf\u00fchrungstheorie&#8220; verstand, ausgedr\u00fcckt finden m\u00f6chte. In den &#8222;Vorlesungen zur Einf\u00fchrung in die Psychoanalyse&#8220; (1917) formuliert er seine Interpretation der sophokleischen Trag\u00f6die und welche ethnologische, kulturelle und psycho-historische Bedeutung er dem Stoff beimisst, wobei die Schuldzuweisung an das Kind unmittelbar deutlich wird:<\/p>\n<p>&#8222;Er [der Zuh\u00f6rer] reagiert so, als h\u00e4tte er durch Selbstanalyse den \u00d6dipuskomplex in sich erkannt und den G\u00f6tterwillen sowie das Orakel als erh\u00f6hende Verkleidungen seines Unbewussten entlarvt. Als ob er sich der W\u00fcnsche, den Vater zu beseitigen und an seiner Statt die Mutter zum Weibe zu nehmen, erinnern und sich \u00fcber sie entsetzen m\u00fcsste. Er versteht auch die Stimme des Dichters so, als ob sie ihm sagen wollte: Du str\u00e4ubst dich vergebens gegen deine Verantwortlichkeit und beteuerst, was du gegen diese verbrecherischen Absichten getan hast. Du bist doch schuldig, denn du hast sie nicht vernichten k\u00f6nnen; sie bestehen noch unbewusst in dir. &#8230; Auch wenn der Mensch seine b\u00f6sen Regungen ins Unbewusste verdr\u00e4ngt hat und sich dann sagen m\u00f6chte, dass er f\u00fcr sie nicht verantwortlich ist, wird er doch gezwungen, diese Verantwortlichkeit als ein Schuldgef\u00fchl von ihm unbekannter Begr\u00fcndung zu versp\u00fcren. &#8230; Aber noch mehr: in einer Studie \u00fcber die Anf\u00e4nge der menschlichen Religion und Sittlichkeit &#8230; ist mir die Vermutung nahe gekommen, dass vielleicht die Menschheit als Ganzes ihr Schuldbewusstsein, die letzte Quelle von Religion und Sittlichkeit, zu Beginn ihrer Geschichte am \u00d6dipuskomplex erworben hat.&#8220;<\/p>\n<p>Nunmehr stellt Freud das m\u00e4nnliche Kind in den Vordergrund. Dies legen die eigene Kindheitsgeschichte und der Rekurs auf die Trag\u00f6die des Sophokles (aber auch der Mythos als Vorlage) nahe. Vor allem \u00fcbergibt er die ganz realen Berichte seiner ersten Patientinnen auf diese Weise schlicht dem M\u00fclleimer des Vergessens und Verschweigens. Allerdings ber\u00fchrt Sigmund Freud unbewusst und ungewollt jetzt auch einen weiteren Aspekt der tabuisierten Inzestthematik, n\u00e4mlich die sexuelle Ausbeutung kleiner S\u00f6hne durch ihre M\u00fctter. Auch hier wird exemplarisch deutlich, wie ein Mensch von einem Tabu unterschwellig gejagt werden kann; das Verleugnete kommt (wie in den Mythen) doch immer wieder an die Oberfl\u00e4che und erscheint dort in verzerrter Form. Sehr \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich ja mit den Symptomen leidender Menschen, so dass man sagen k\u00f6nnte, die Psychoanalyse ist selbst ein Symptom f\u00fcr die Wahrheit, die sie so nachdr\u00fccklich bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die des Sophokles ist von ihrem mythologischen Hintergrund nicht zu trennen, dessen Muster auch in der Trag\u00f6die wirksam ist: im einzelnen Schicksal etwas Allgemeines \u00fcber oder f\u00fcr die jeweilige Gesellschaft, die jeweilige Zeit sichtbar zu machen. Die Trag\u00f6die will beim Zuschauer eine innere Ersch\u00fctterung hervorrufen, um eine moralische Wirkung zu erzielen. Dabei reflektiert der Stoff auch die religi\u00f6sen, ethischen und sozialen Vorstellungen und Werte seiner Epoche, im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n<p>Sigmund Freud hat also zu Recht auf die hohe kulturelle Bedeutung sowohl der griechischen Trag\u00f6die als auch (indirekt) des Mythos&#8216; hingewiesen. Er glaubte, in diesem Stoff eine allgemeing\u00fcltige Wahrheit \u00fcber die Konflikte des Kindes gefunden zu haben, so dass dieser geeignet schien, einem psychoanalytischen Konstrukt den Namen zu geben.<br \/>\nMich interessiert, dem Mythos und der Trag\u00f6die des Sophokles einige Fragen zu stellen, die Freud nicht stellte, weil er die Antworten sogleich bei der Hand hatte: Ist es logisch, den Stoff als Beleg oder Gleichnis f\u00fcr den &#8222;\u00d6dipuskomplex&#8220; heranzuziehen? Wie sieht es aus mit der Schuld des \u00d6dipus? Wie erscheinen dessen Eltern im Mythos? Welche fr\u00fchen Erfahrungen des Kindes dr\u00fcckt der Mythos tats\u00e4chlich aus?<br \/>\nAlice Miller hat bereits 1981 in &#8222;Du sollst nicht merken&#8220; auf die (gelinde gesagt) befremdlichen Aspekte der Freudschen Interpretation der Trag\u00f6die hingewiesen. Ich meine dar\u00fcber hinaus, dass eine einfache Lekt\u00fcre des Mythos und seiner Adaption durch Sophokles sowohl f\u00fcr Freud als auch f\u00fcr seine damaligen und sp\u00e4teren Anh\u00e4nger h\u00e4tte hinreichend sein m\u00fcssen, das Theorem vom &#8222;\u00d6dipuskomplex&#8220; zu den Akten zu legen und nie mehr zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>3 &#8222;Doch &#8230; &#8211; soweit zu h\u00f6ren &#8211; wer w\u00e4r elender? Wer &#8230; den wilden Qualen mehr Hausgeno\u00df im Lebenswechsel?&#8220;: Das Schicksal des \u00d6dipus<\/p>\n<p>Wie bei vielen Kindern ist das Leben des \u00d6dipus bereits vor seiner Geburt gezeichnet. Aber weder die G\u00f6tter oder eine Weissagung noch ein unbewusster Trieb ziehen ihn in eine heillose Verstrickung, sondern die sehr konkrete Geschichte seines Vaters Laios wird zu der Last seines Lebens, an der am Ende nicht nur er sondern auch seine Kinder zugrunde gehen.<br \/>\nAls junger Mann ist Laios Gast des K\u00f6nigs Pelops. Er entf\u00fchrt dessen Sohn Chrysippos und &#8222;behandelte&#8220; ihn &#8222;auf so entw\u00fcrdigende Weise, dass sich der Knabe, der vor Scham nicht aus noch ein wusste, das Leben nahm.&#8220; Man kann davon ausgehen, dass sich Laios des Kindes sexuell bediente. Hier f\u00fchrt der Mythos zu allererst ein Verbrechen ein, weil dieses Kind zu Tode kommt. Das ist durchaus bemerkenswert, denn P\u00e4dophilie und P\u00e4derastie waren im antiken Griechenland ein allt\u00e4glicher Vorgang. \u00c4ltere M\u00e4nner befriedigten ihre sexuellen Bed\u00fcrfnisse in der Regel bei Jungen. (Es ist nahezu ausgeschlossen, dass Freud dieser Hintergrund unbekannt war.)<br \/>\nPelops verflucht den Laios: Sollte er jemals einen Sohn haben, m\u00f6ge er von diesem get\u00f6tet werden. Laios wird K\u00f6nig von Theben und heiratet Iokaste. Da die Verbindung kinderlos bleibt, befragt Laios das Orakel von Delphi, das dem Gott der Wahrheit und der Reinheit, Apollon, geweiht ist. Die Weissagung des Orakels ist eindeutig: Laios wird Vater werden, aber von der Hand des eigenen Sohnes sterben, weil Zeus ihn f\u00fcr den Tod des Chrysippos strafen will. Hier ist vom Inzest gar keine Rede, sondern das Schicksal des Laios wird als Folge seiner konkreten Schuld verstanden. Fortan lebt Laios getrennt von Iokaste.<\/p>\n<p>\u00dcber die Zeugung des \u00d6dipus und die Aussetzung des S\u00e4uglings existieren verschiedene Erz\u00e4hlweisen. Mal verf\u00fchrt Iokaste den Laios gegen seinen Willen, mal findet das Paar wieder zusammen. Beide Eltern planen den Tod des Kindes oder Laios ist die treibende Kraft. In jedem Fall ist der kleine \u00d6dipus ein ungewolltes Kind, dem der Vater den Tod w\u00fcnscht. Von Gewissenskonflikten des Laios wird nirgends berichtet, er will das Kind so schnell wie m\u00f6glich loswerden, damit sich der Orakelspruch nicht erf\u00fcllt. Er hat keine Gef\u00fchle f\u00fcr seinen Sohn, und die Mutter unternimmt nicht den geringsten Versuch, um den S\u00e4ugling zu retten. \u00d6dipus wird in der Wildnis ausgesetzt, dort soll das Baby den Tod finden. Der massive Vernichtungswunsch der Eltern wird durch ein grausames Detail einsichtig: Die Aussetzung des drei Tage alten Kindes gen\u00fcgt ihnen nicht; ihm werden die Fersen (&#8222;mit einem Nagel&#8220;) durchbohrt und zusammen gebunden. Die von dieser Verletzung zur\u00fcck bleibenden Narben, vermutlich sogar eine leichte Verkr\u00fcppelung der F\u00fc\u00dfe, werden dem Kind sp\u00e4ter seinen Namen geben: \u00d6dipus, der Schwellfu\u00df.<\/p>\n<p>Es ist also der Vater, der dem Sohn nach dem Leben trachtet. Doch das Mitleid eines Hirten rettet das Kind; der S\u00e4ugling wird von Polybos und Merope, dem kinderlosen K\u00f6nigspaar von Korinth, adoptiert und w\u00e4chst in der \u00dcberzeugung heran, deren leiblicher Sohn und legitimer Thronanw\u00e4rter von Korinth zu sein.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlweise des Mythos erlaubt viel Empathie mit dem Schicksal des Kindes \u00d6dipus. Der junge Mann wird dann mit zahlreichen besonderen Eigenschaften, mit Klugheit und Mut, aber auch mit einem aufbrausenden, unbeherrschten Naturell, besonders jedoch mit einem starken Eigensinn ausgestattet. Was ihm als sichtbare Folge der Katastrophe seiner Kindheit bleibt, ist eine Benachteiligung bei sportlichen Wettk\u00e4mpfen.<br \/>\nAuf einem Fest wird \u00d6dipus von einem betrunkenen Korinther mit der Wahrheit konfrontiert: Er sei nicht der Sohn seiner Eltern. Wie so oft wird ein Mensch von Ahnungen \u00fcber seine biographische Realit\u00e4t abrupt und von au\u00dfen \u00fcberrumpelt.<\/p>\n<p>\u00d6dipus kommt von nun an nicht mehr zur Ruhe. Er will die Wahrheit herausfinden, und zwar um jeden Preis, auch wenn sie f\u00fcr ihn selbst Nachteile mit sich bringen sollte. Er stellt Polybos und Merope zur Rede, die ihn (wie auch anders) weiterhin \u00fcber seine Herkunft bel\u00fcgen. An dieser Stelle g\u00e4be es die Gelegenheit, \u00fcber die Macht des Unbewussten zu reflektieren, das auch den so privilegierten jungen K\u00f6nigssohn antreibt, trotz der Beschwichtigungen der Adoptiveltern unbedingt das Orakel von Delphi \u00fcber seine Abstammung zu befragen. Mehr noch: Mut und Entschlossenheit des \u00d6dipus, sich der Realit\u00e4t zu stellen, k\u00f6nnten manch einem Menschen als Vorbild dienen.<br \/>\nNun erfolgt im Mythos der Umschlag, weniger in eine Schuldzuweisung, sondern in eine Verdammung (aufgrund der dem \u00d6dipus weiterhin verborgenen Untat des Laios): Er werde den Vater t\u00f6ten, die Mutter zur Frau nehmen und mit ihr Kinder zeugen, die ebenso verflucht w\u00e4ren wie er selbst.<br \/>\nDas dem Gott der Wahrheit dienende Orakel verr\u00e4t dem \u00d6dipus nichts \u00fcber seine Herkunft und seine Vorgeschichte. Der antike Mythos zeigt launenhafte G\u00f6tter, die die schlimmsten Eigenschaften der Menschen in sich vereinigen, sich die Zeit mit Intrigen, Inzest und innerfamili\u00e4ren Morden vertreiben und die Menschen je nach ihren Stimmungen manchmal ins Gl\u00fcck, meistens ins Ungl\u00fcck geraten lassen. Der Mensch kann sein Schicksal nicht beeinflussen, erz\u00e4hlen die Mythen aber auch die Trag\u00f6dien. Er kann sich jedoch seinem Schicksal stellen, und dabei kommt es sehr darauf an, wie er das macht.<\/p>\n<p>\u00d6dipus unternimmt alles, damit sich der Orakelspruch auf keinen Fall erf\u00fcllen kann, widersetzt sich dem Beschluss des Gottes Apollon, reklamiert seinen Anspruch, das eigene Schicksal selbst zu bestimmen. In den Augen der G\u00f6tter k\u00f6nnte dies sein eigentliches Vergehen gewesen sein. Im Glauben, die Weissagung beziehe sich auf Polybos und Merope, kehrt er gar nicht erst nach Korinth zur\u00fcck, sondern beschlie\u00dft, sich so weit wie m\u00f6glich von dem Paar zu entfernen, das er f\u00fcr seine Eltern h\u00e4lt. Auf seiner Flucht begegnet er einem reichen alten Mann und dessen Gefolge. Der Alte dem\u00fctigt ihn, schl\u00e4gt ihn mit der Peitsche; \u00d6dipus wehrt sich, versetzt dem Fremden einen Sto\u00df, so dass dieser ungl\u00fccklich st\u00fcrzt und stirbt. \u00d6dipus konnte nicht wissen, dass der fremde Mann sein leiblicher Vater war, er handelte eher aus Notwehr und der Tod des Laios erweist sich vielmehr als Ungl\u00fccksfall, keineswegs als ein beabsichtigter oder insgeheim erw\u00fcnschter Mord aufgrund von Hass, Rivalit\u00e4t oder Eifersucht (Vgl. auch Miller, 1981). Die Heirat mit Iokaste wird von ihm weder ersehnt noch angestrebt, sie ist der Lohn der Thebaner, weil er die Stadt von der Bedrohung durch die Sphinx rettet. \u00d6dipus wei\u00df auch hier nicht, dass die Witwe des Laios seine Mutter ist; Iokaste allerdings h\u00e4tte ihn an den Narben seiner Fersen erkennen k\u00f6nnen (AM 1981), \u00fcbrigens auch an seinem &#8222;sprechenden&#8220; Namen. In der sophokleischen Trag\u00f6die spricht Iokaste sogar die gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit zwischen \u00d6dipus und Laios ausdr\u00fccklich an.<br \/>\nMit erschreckender Zwangsl\u00e4ufigkeit erf\u00fcllt sich im Mythos der Spruch des delphischen Orakels, dem der junge Mann ebenso entschlossen zu entgehen versuchte, wie er seine pers\u00f6nliche Wahrheit zu finden hoffte. Mythos und Trag\u00f6die zeigen sp\u00e4ter einen hoch geachteten K\u00f6nig von Theben, der mit seiner Frau, seiner Mutter, ahnungslos vier Kinder zeugt: die Zwillingsbr\u00fcder Polineikes und Eteokles, sowie die T\u00f6chter Antigone und Ismene, deren sp\u00e4teres Schicksal f\u00fcr Kinder aus Inzestfamilien so typisch ist.<\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die des Sophokles beginnt, als Theben von Verfall und Untergang bedroht ist und folgt im weiteren Verlauf eng ihrer Vorlage. Die Stadt ist geplagt von Missernten, wirtschaftlicher Not, die Herden vermehren sich nicht mehr und die jungen Frauen geb\u00e4ren tote Kinder. Die Menschen erkranken an der Pest. Eindeutig werden die katastrophale gesellschaftliche Situation, die Bedrohung des Gemeinwesens mit dem Inzest in Verbindung gebracht, denn dem damaligen Zuschauer war der Mythos ja bestens bekannt.<br \/>\nIn der Sekund\u00e4rliteratur kann man gelegentlich lesen, die Trag\u00f6die reflektiere den Niedergang der perikleischen Epoche und den Ausbruch der Pest in Athen. Mir erscheint der Stoff durchaus als Versuch, als Anstrengung, einem drohenden Werteverlust eine strenge Form und eine klare Aussage entgegen zu setzen. In der Trag\u00f6die selbst wird dies durch den Chor angesprochen, der die Abwesenheit des G\u00f6ttlichen in der Welt beklagt. Der Inzest spiegelt hierbei weniger die \u00dcbertretung sozialer Normen, er ist innerhalb der Trag\u00f6die auch nicht das beherrschende Thema, sondern wird im Werk eher zum Sinnbild f\u00fcr die Verletzung oder Vernichtung ethischer \u00dcbereink\u00fcnfte schlechthin, wodurch unm\u00f6glich wird, dass eine Menschengemeinschaft auf Dauer existieren kann.<\/p>\n<p>Der eigentliche Fluch, der auf der Stadt lastet, ist aber in den Augen der G\u00f6tter nun zun\u00e4chst die Ermordung des Laios. Kreon, der Bruder der Iokaste, befragt das Orakel von Delphi \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Niedergang Thebens, das wiederum nicht die Wahrheit aufdeckt, sondern lediglich verk\u00fcndet, der M\u00f6rder des Laios m\u00fcsse gefunden und bestraft werden. Von der Vergewaltigung des Chrysippos ist keine Rede mehr. Das Verbrechen des Laios ger\u00e4t im Mythos zunehmend in den Hintergrund und wird in der Trag\u00f6die \u00fcberhaupt nicht erw\u00e4hnt. Es findet eine Verschiebung, ein Bruch statt: Der Ungl\u00fccksfall wird zum Mordfall erhoben, der eigentliche Verantwortliche f\u00fcr die unheilvollen Ereignisse zum Opfer. Dennoch wird \u00d6dipus innerhalb der Trag\u00f6die nicht verurteilt, er ist schuldlos schuldig geworden. Wenngleich der blinde Theiresias den \u00d6dipus anklagt, formuliert auch die Trag\u00f6die durch den Chor ausdr\u00fccklich ihr Mitgef\u00fchl mit dem Schicksal des K\u00f6nigs.<br \/>\nDieser Zwiespalt kann aus heutiger Sicht zeigen, wie Menschen durch k\u00fcnstlerische Leistungen eine qu\u00e4lende oder tabuisierte Realit\u00e4t \u00fcber ihre Kultur ausdr\u00fccken und zugleich verschleiern. Die Wahrheit schimmert hinter allen Verbiegungen jedoch immer wieder durch.<\/p>\n<p>Erneut ist \u00d6dipus entschlossen, die Fakten aufzudecken und \u00fcberl\u00e4sst die Wahrheitsfindung keineswegs der daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Gottheit. Vielleicht kann man ihn auch als sehr fr\u00fchen Rebellen gegen die Konvention begreifen. Als der blinde Seher Theiresias ihm die Zusammenh\u00e4nge enth\u00fcllt, wehrt er sich massiv, setzt aber den weiteren Ermittlungen keinen Widerstand entgegen. Er l\u00e4sst Zeugen rufen, in der Hoffnung, die Aussagen des Theiresias entkr\u00e4ften zu k\u00f6nnen, der angeblich in einem h\u00f6heren Sinne alles sieht, nur nicht das Verbrechen des Laios. Es ist dann Iokaste, die immer wieder versucht, \u00d6dipus von weiteren Nachforschungen abzubringen, ihn zu beschwichtigen. Sie spricht davon, dass viele M\u00e4nner in ihren Tr\u00e4umen mit der Mutter sexuell verkehrten. Ob diese Sentenz Freud veranlasste, die Aussagekraft der Tr\u00e4ume auf die blo\u00dfe Wunscherf\u00fcllung zu reduzieren und damit das Unbewusste, das er doch erforschen wollte, letztlich zu einem Abfallprodukt des Seelenlebens?<\/p>\n<p>Als \u00d6dipus erkennen muss, dass der Seher die Wahrheit verk\u00fcndete, vollzieht er an sich selbst das Urteil, das er f\u00fcr den M\u00f6rder des einstigen K\u00f6nigs von Theben vorgesehen hat. Ich meine, dass dieses Urteil in seiner emotionalen Bedeutung viel von dem ausdr\u00fcckt, was ehemalige Inzestkinder oft ihr ganzes Leben lang empfinden, h\u00e4ufig ohne ihre Gef\u00fchle, ihr besonderes Lebensgef\u00fchl verstehen und einordnen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>&#8222;&#8230; wer w\u00e4r ungl\u00fcckseliger als dieser Mann<br \/>\nund welcher Mann mehr gottverhasst als ich?<br \/>\nDen unter Fremden oder B\u00fcrgern keiner<br \/>\nAufnehmen darf im Haus, ansprechen keiner<br \/>\nUnd den man von den H\u00e4usern sto\u00dfen muss &#8230;<br \/>\n&#8230; Bin ich nicht schlecht?<br \/>\nNicht unrein ganz? Wenn ich muss fl\u00fcchten<br \/>\nUnd darf als Fl\u00fcchtling nicht die Meinen sehn,<br \/>\nDie Vatererde nicht betreten &#8230;<br \/>\n&#8230; lieber gehe<br \/>\nIch spurlos von den Sterblichen hinweg,<br \/>\nEh dass ich sehe, wie ein solcher Flecken<br \/>\nDes Missgeschicks auf mich gekommen ist!&#8220;<\/p>\n<p>Iokaste t\u00f6tet sich, als die Wahrheit ans Licht kommt. \u00d6dipus straft sich selbst, er b\u00fc\u00dft und s\u00fchnt f\u00fcr etwas, das er weder gewollt noch gewusst hat. Er opfert sich letztlich f\u00fcr das Verbrechen seines Vaters. Er ist im Grunde auch als erwachsener Mann das Opfer des Laios. Aber die Aussto\u00dfung aus der Menschengemeinschaft gen\u00fcgt nicht, \u00d6dipus sticht sich die Augen aus. Nicht ertragen k\u00f6nnen, was man sehen muss, sich zerst\u00f6ren m\u00fcssen, weil man Schuld und Scham in sich f\u00fchlt: Hier geht es nicht nur um Verdr\u00e4ngung, denn \u00d6dipus stellt sich der Realit\u00e4t, sondern (wenn man will) um die Folgen ihrer Aufhebung. Sein Akt der Selbstzerst\u00f6rung spiegelt das Entsetzen, das einen Menschen vor der Realit\u00e4t seiner Biographie erfassen kann, und auch die tief verinnerlichte Entwertung, die ein Inzest immer zur Folge hat.<br \/>\nDer Blick der Trag\u00f6die auf den \u00d6dipus ist zum Schluss ein vers\u00f6hnlicher. Die antiken Zuschauer erfuhren, wie sich \u00d6dipus seinem Schicksal stellt, nicht aufgrund unbewusster, wom\u00f6glich verwerflicher Triebkr\u00e4fte, jedoch ohne es zu wissen in ein Verbrechen verstrickt gewesen zu sein. Das grausame Los des \u00d6dipus dient der Rettung Thebens.<\/p>\n<p>Der weitere Verlauf des Mythos (&#8222;\u00d6dipus auf Kolonnos&#8220;; &#8222;Sieben gegen Theben&#8220;) zeigt, dass Selbstopferung und -bestrafung sinnlos waren. Theben hat dennoch keinen Bestand. Die Kinder des \u00d6dipus setzen das Ungl\u00fcck ihrer Eltern fort. In der M\u00f6glichkeit, den Mythos gleichsam doppelt lesen zu k\u00f6nnen, wird ein Muster sichtbar, das f\u00fcr Inzestfamilien pr\u00e4gend ist.<br \/>\nAntigone hat in diesem Zusammenhang eine herausgehobene Position. Sie versucht, die Familie zu retten, sie opfert ihr Leben f\u00fcr die Familie. Sie begleitet den blinden Vater als Bettlerin in die Heimatlosigkeit bis zu dessen Tod. Zur\u00fcckgekehrt nach Theben bestattet sie gegen den Willen von Kreon, der inzwischen die Stadt regiert, ihren toten Bruder Polineikes und verliert dadurch ihr Leben. Ihr Geliebter Haimon, der Sohn des Kreon, t\u00f6tet sich daraufhin selbst. Auch er ein Opfer der Willk\u00fcr seines Vaters. Die Zwillinge Polineikes und Eteokles t\u00f6ten sich gegenseitig im Zweikampf um die Macht \u00fcber Theben. \u00dcber das Schicksal der eher angepassten, gehorsamen Ismene habe ich nichts finden k\u00f6nnen. Das Geschlecht des Labdakos, von dem Laios abstammt, geht unter, die Stadt Theben wird von Gewalt beherrscht.<\/p>\n<p>Der Mythos als Quelle der Trag\u00f6die erz\u00e4hlt in einer tieferen Schicht eben auch die Geschichte eines Kindes als Erfahrung vieler Menschen: Das Leben der Kinder f\u00e4llt den Eltern zum Opfer; die Kinder tragen die Vorgeschichte der Eltern ein Leben lang als Last mit sich herum, die von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Die Wahrheit oder die Realit\u00e4t kann nicht unmittelbar zum Ausdruck gebracht werden, bleibt jedoch trotz aller Verkleidungen im Rahmen des Heldenepos, trotz aller Verschleierungen pr\u00e4sent. Am Anfang steht die Vergewaltigung eines Kindes durch den Laios, der Vernichtungswunsch der Eltern. Der Inzest mit der Mutter wird dem \u00d6dipus eher schicksalhaft aufgezwungen. Die Inzest-Thematik kann sich im Mythos nat\u00fcrlich nicht ausdr\u00fccklich auf ein Kind und seine Mutter beziehen, sondern wird auf die Ebene des Geschehens zwischen Erwachsenen transponiert, so dass das Tabuisierte zwar angedeutet wird, jedoch nicht aufgedeckt werden muss.<br \/>\nMythos und Trag\u00f6die erz\u00e4hlen ungewollt und mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Geschichte eines Inzests und seiner Folgen f\u00fcr den Einzelnen und seine Nachkommen, aber auch f\u00fcr die Gemeinschaft der Menschen. Verfall und Untergang, das Verbrechen des Laios und der Inzest sind untrennbar miteinander verbunden. Der Mythos als fr\u00fche kulturelle Ausdrucksform zeigt zugleich, dass die menschliche Kultur auf dem Inzest und dem Hass der Eltern auf das Kind gegr\u00fcndet ist. Die Trag\u00f6die verschleiert den unbewussten Gehalt st\u00e4rker, bringt ihn aber noch nicht vollst\u00e4ndig zum Verschwinden.<br \/>\nDie in Mythos und Trag\u00f6die bereits vollzogenen Verdrehungen des realen Erfahrungshintergrundes werden von Freud noch einmal auf die Spitze getrieben. Die Psychoanalyse geb\u00e4rdet sich dabei wie das delphische Orakel, das die Wahrheit konsequent verschweigt (obwohl sie diese gleichsam ex Cathedra zu verk\u00fcnden vorgibt), daf\u00fcr in R\u00e4tseln, Symbolen und Verschleierungen spricht. So wurde aus der Institution Psychoanalyse eine Art Kirche, in der man &#8211; ganz im Gegensatz zum \u00d6dipus &#8211; das Heil im Glauben sucht und auf gar keinen Fall wissen darf.<\/p>\n<p>4 Das Unsagbare verschafft sich dennoch Ausdruck &#8230;<\/p>\n<p>Wie im Mythos vom K\u00f6nig \u00d6dipus ist die Opferung des Kindes Gegenstand zahlreicher fr\u00fcher Erz\u00e4hlformen. Griechische und r\u00f6mische Sagen berichten immer wieder von der Aussetzung und versuchten T\u00f6tung der Kinder. V\u00e4ter oder M\u00fctter verschlingen buchst\u00e4blich ihre Nachkommen. In den M\u00e4rchen aller Kulturen findet sich der k\u00f6nigliche Vater, der die Tochter heiraten will, die sich nur durch Flucht in die &#8222;W\u00fcstenei&#8220; seinem Zugriff entziehen kann. Der Hass der Mutter erscheint in der b\u00f6sen Stiefmutter, die den Kindern nach dem fr\u00fchen Tod der guten leiblichen Mutter das Leben zur H\u00f6lle macht.<br \/>\nReligi\u00f6se Mythen der V\u00f6lker sprechen h\u00e4ufig von der Pr\u00e4senz des Inzest am Anfang der Menschheit. Auch die &#8222;Heilige Schrift&#8220; zeigt dies gleich zu Beginn der Sch\u00f6pfungsgeschichte am Schicksal Lots und seiner T\u00f6chter und liefert die Beschuldigung des Kindes sogleich mit (Genesis 19): Lot und seinen T\u00f6chtern bleibt die Vernichtung innerhalb der Mauern von Sodom erspart, weil Jahwe sich ger\u00fchrt zeigt, dass Lot zwei Fremde, die er als Engel des Herrn nicht erkennen kann, nicht nur in der Nacht bei sich aufnehmen will, sondern ihnen freundlicherweise auch seine T\u00f6chter anbietet. Um die St\u00e4mme Israels zu bewahren, machen die T\u00f6chter den Vater sp\u00e4ter betrunken, damit er S\u00f6hne mit ihnen zeuge (Vgl. auch: Rijnaarts, Josephine: &#8222;Lots T\u00f6chter&#8220;, M\u00fcnchen 1993). Dies alles, man staune, unter den wohlwollenden allgegenw\u00e4rtigen Augen des sonst so strengen j\u00fcdisch-christlichen Gottes.<\/p>\n<p>Die Frau des Lot war ja zur Salzs\u00e4ule erstarrt, weil sie es wagte, trotz des ausdr\u00fccklichen Verbotes ihres Gottes auf das untergehende Sodom zur\u00fcck zu blicken. Dieses Verbot und die Bestrafung seiner Missachtung stimmen ebenso nachdenklich wie die Selbstblendung des \u00d6dipus. Ich fragte mich, warum sich der K\u00f6nig von Theben die Augen aussticht, obwohl er die Wahrheit, mit der Mutter im Inzest gelebt zu haben, doch bereits erkannt hat. Was will oder darf er nicht sehen? Ich meine, er vermag die letzte Konsequenz nicht zu tragen, dass sein Opfer, seine S\u00fchne vergeblich sind, dass nicht er schuldig ist, sondern seine Eltern an ihm schuldig wurden, dass sein ganzes Leben einer Geschichte zum Opfer fiel, die l\u00e4ngst vor seiner Zeit stattgefunden hat. \u00d6dipus geht g\u00e4nzlich umsonst in die Verbannung, in die Heimatlosigkeit, er hat nichts getan, sondern wurde von seinen Eltern in ein Geschehen verstrickt, das er gar nicht durchschauen und beeinflussen konnte. Was er nicht sehen kann, ist der Hass des Laios und der Iokaste auf ihn als Kind.<\/p>\n<p>Die Blendung des \u00d6dipus spiegelt nicht nur den Selbsthass eines Inzestkindes, sondern vielleicht auch den blinden Fleck aller Kulturen, den ihre Mythen (bis hin zu den biblischen Mythen) mit vielen Worten und S\u00e4tzen zu verh\u00fcllen suchen: Am Anfang der Zerst\u00f6rung steht der Hass der Eltern auf das Kind. Auch die Psychoanalyse hat lediglich einen neuen Mythos kreiert, unter dem Vorwand, in den Untergrund unserer Kultur hinabsteigen zu wollen, diesen nur noch mehr zugesch\u00fcttet. In diesem Sinne k\u00f6nnte man sagen, dass die Menschheit den Mythen offenbar immer noch nicht entwachsen ist.<br \/>\nDie Blindheit kann nicht sch\u00fctzen, es ist unm\u00f6glich, der eigenen Geschichte zu entkommen. Bei Sophokles spricht \u00d6dipus eindrucksvoll \u00fcber seine verzweifelten und vergeblichen Versuche, den Fluch des delphischen Orakels zu umgehen. Und auch der Freudsche Versuch, mit Hilfe einer aufgebl\u00e4hten, ins Pomp\u00f6se gesteigerten Theorie einfache Fakten zum Verschwinden zu bringen, musste misslingen und spiegelt lediglich den scheelen Blick jener, die unerm\u00fcdlich Theorien auft\u00fcrmen als Bollwerk gegen die Realit\u00e4t. Ein Ph\u00e4nomen, das man nach wie vor so oft in psychologischen oder psychologisierenden, aber auch sozialwissenschaftlichen Schriften entdecken kann.<br \/>\nDie fr\u00fchen Erfahrungen vieler Menschen kommen (zumeist unbewusst) n\u00e4mlich immer wieder mit &#8222;zwingende[r] Gewalt&#8220; zum Ausdruck, sie erz\u00e4hlen sich gleichsam in einer tieferen Schicht selbst: nicht nur in \u00dcberlieferungen, sondern vereinzelt bis hin zur modernen, auch gegenw\u00e4rtigen Prosa.<\/p>\n<p>Wenn wir auf die Gegenwart blicken, kann man feststellen, dass die in der Tiefe des Mythos ausgedr\u00fcckte Wahrheit gelegentlich klar und unverstellt zu Tage tritt. So wird es immer schwieriger, ihr weiterhin auszuweichen.<br \/>\nIn Portugal wird aktuell ein Verfahren gegen verschiedene Mitglieder der Landesprominenz er\u00f6ffnet. Diese hatten sich elternlose Heimkinder in ihre Privatvillen zuf\u00fchren lassen, um die Kinder wiederholt sexuell auszubeuten (Vgl. Spiegel-Online, 25.11.2004: &#8222;Prozess in Portugal&#8220;). Erneut wird deutlich, wie der Hass auf das Kind alle Schichten des gesellschaftlichen Lebens im Untergrund pr\u00e4gt. Und vielleicht ist es gerade dieser Hass, der so viele Menschen den Blick von der Realit\u00e4t des Inzests und der sexuellen Ausbeutung von Kindern abwenden l\u00e4sst, denn der Inzest oder die Vergewaltigung eines Kindes sind nichts anderes als der Ausdruck f\u00fcr den Hass auf das Kind, letztlich f\u00fcr den von den eigenen Eltern \u00fcbernommenen Hass auf das Kind, das ein Mensch selbst gewesen ist.<br \/>\nDie Realisierung dieses Hasses, der Abwesenheit der elterlichen Liebe ist vielleicht bedeutend schwerer zu ertragen als die Tatsache des sexuellen Missbrauchs. Das w\u00fcrde dann auch die schon fast verzweifelte Unlogik mancher psychologischer oder soziologischer Theorien erkl\u00e4ren und die Hartn\u00e4ckigkeit, mit der die im Inneren eingeschlossene bedr\u00e4ngende Erfahrung sich gleichwohl immer wieder Ausdruck verschafft.<\/p>\n<p>\n\u00a9 Thomas Gruner, Dezember 2004<\/p>\n<p>\nLiteratur:<\/p>\n<p>Sophokles: &#8222;K\u00f6nig \u00d6dipus&#8220;, Insel Taschenbuch, Ff a.M. u. Leipzig 1973<br \/>\nSchwab, Gustav: &#8222;Sagen des klassischen Altertums&#8220;, D\u00fcsseldorf 1950<br \/>\nStefanides, Menelaos u. Jannis: &#8222;\u00d6dipus Trag\u00f6dien&#8220;, Verlag Sigma, Athen 2002<\/p>\n<p>ferner:<br \/>\nFreud, Sigmund: Studienausgabe Bd. I u. II, Fischer, Ff a.M. 1981<br \/>\nKr\u00fcll, Marianne: &#8222;Freud und sein Vater&#8220;, Fischer Taschenbuch, Ff a.M. 1992<br \/>\nMasson: Jeffrey M.: &#8222;Was hat man Dir, du armes Kind, getan&#8220;, Edition Kore 1994<br \/>\nDers.: &#8222;Final Analysis: The Making and Unmaking of a Psychoanalyst&#8220;, New York 1990<br \/>\nMiller, Alice: &#8222;Du sollst nicht merken&#8220;, Suhrkamp, Ff a.M. 1981<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"colonne-gauche\">\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/faq-wie-findet-man-einen-guten-therapeuten\/\">FAQ: Wie findet man<br \/>\neinen guten Therapeuten ?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Alice Miller<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/therapeutenliste\/\">Therapeutenliste<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auflosung-der-folgen-von-kindesmisshandlungen\/\">Aufl\u00f6sung der Folgen von Kindesmisshandlungen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden\/\">Wir k\u00f6nnen die Ursachen f\u00fcr unser Leiden finden<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/aus-dem-gefangnis-der-schuldgefuhle\/\">Aus dem Gef\u00e4ngnis der Schuldgef\u00fchle<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-fall-jessica\/\">Der Fall Jessica<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-blanke-sadismus\/\">Der blanke Sadismus<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-langste-weg\/\">Der l\u00e4ngste Weg<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/was-ist-hass\/\">Was ist Hass?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/emporung-als-vehikel-der-therapie\/\">Emp\u00f6rung als Vehikel der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/depression-der-zwang-zum-selbstbetrug\/\">Depression &#8211; der Zwang zum Selbstbetrug<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-revolte-des-korpers-eine-herausforderung\/\">&#8222;Die Revolte des K\u00f6rpers&#8220; &#8211; eine Herausforderung<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/feminismus-marxismus-und-kindheit\/\">Feminismus, Marxismus und Kindheit<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/der-betrug-totet-die-liebe\/\">Der Betrug t\u00f6tet die Liebe<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/uber-den-missbrauch-des-vertrauens-in-der-therapie\/\">\u00dcber den Missbrauch des Vertrauens in der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/irrefuhrende-informationen\/\">Irref\u00fchrende Informationen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/zum-film-mummy-dearest\/\">Zum Film &#8222;Mummy Dearest&#8220; (Meine liebste Rabenmutter)<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/saddam-hussein-und-die-kardinale\/\">Saddam Hussein und die Kardin\u00e4le<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/korper-und-moral\/\">K\u00f6rper und Moral<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-befreiende-erfahrung-der-schmerzhaften-wahrheit\/\">Die befreiende Erfahrung der schmerzhaften Wahrheit<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wie-kommt-das-bose-in-die-welt\/\">Wie kommt das B\u00f6se in die Welt?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/woher-kommt-das-grauen\/\">Woher kommt das Grauen?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/bedingungen-der-therapie\/\">Bedingungen der Therapie<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wann-gibt-es-endlich-keine-idealen-soldaten-mehr\/\">Wann gibt es endlich keine idealen Soldaten mehr?<\/a><\/li><\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Thomas Gruner<\/div>\n<ul class=\"lcp_catlist\" id=\"lcp_instance_0\"><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/einige-leichen-im-keller\/\">Einige Leichen im Keller<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wem-gehort-unser-bewusstsein\/\">Wem geh\u00f6rt unser Bewusstsein?<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/frenzy\/\">Frenzy<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/uber-einige-aspekte-der-neueren-traumatherapien\/\">\u00dcber einige Aspekte der neueren Traumatherapien<\/a><\/li><li class=\"current\"><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-blendung-des-odipus-oder-der-blinde-fleck-unserer-kultur\/\">Die Blendung des \u00d6dipus &#8211; oder Der blinde Fleck unserer Kultur<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/abschied-von-den-eltern\/\">&#8222;Abschied von den Eltern&#8220;<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-2\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 2<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/perversion-und-gesellschaft-teil-1\/\">Perversion und Gesellschaft, Teil 1<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/geborgenheit-in-der-moral-oder-die-wahrheit-der-erfahrungen\/\">Geborgenheit in der Moral oder Die Wahrheit der Erfahrungen<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/auf-der-suche-nach-der-eigenen-geschichte-der-schriftsteller-jurek-becker\/\">Auf der Suche nach der eigenen Geschichte: Der Schriftsteller Jurek Becker<\/a><\/li><li><a href=\"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/die-doppelte-falle\/\">Die doppelte Falle<\/a><\/li><\/ul>\n<div class=\"separateur\" style=\"margin-bottom:15px;\">Klaus Schlagmann<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a href=\"\/de\/krankenkassen-finanzieren-die-lobbyarbeit-fur-\nkinderschander\/\">Krankenkassen finanzieren die Lobbyarbeit f\u00fcr<br \/>\nKindersch\u00e4nder<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">Claudio Breda<\/div>\n<ul class=\"fleche\" style=\"margin-top:15px;\">\n<li class=\"fleche\"><a \nhref=\"\/de\/bloss-nie-nachgeben-2\/\">Bloss nie nachgeben<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"separateur\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Thomas Gruner Die Blendung des \u00d6dipus &#8211; oder Der blinde Fleck unserer KulturWednesday 01 December 2004 Alice Miller: Einleitung zum \u00d6dipus-Artikel von Thomas Gruner Ich habe im Laufe der Jahre ab und zu verschiedene Arbeiten \u00fcber den \u00d6dipus Komplex zugeschickt bekommen. Alle waren interessant und Freud gegen\u00fcber kritisch geschrieben. Doch mit der Zeit verlor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[76],"tags":[],"class_list":["post-2957","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tg"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2957"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2958,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2957\/revisions\/2958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alice-miller.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}